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Das St.Jakobsdenkmal
© by altbasel.ch

St.Jakobsstrasse beim Sommerkasino

Tram 15 - Denkmal


Früher stand dort wo heute die Münchensteinerstrasse und die St.Jakobsstrasse aufeinander treffen eine kleine Wegkapelle. Sie war der heiligen Katharina gewidmet und wird für Jahr 1437 erstmals urkundlich erwähnt. Drei Jahre später rückte sie für einen Moment ins Licht der Geschichte. Bei der St.Katharinakapelle vor dem Aeschentor empfingen 1440 Abgesandte des Konzils und Vertreter des Rates Herzog Amadeus von Savoyen, der in Basel zum Gegenpapst Felix V. (1383-1451) gekürt werden sollte.

Wahrscheinlich wurde die Kapelle dort am Rand des engeren Stadtbezirks, erbaut wo zuvor ein Grenz- oder Kreuzstein stand. Als sie bei dieser Kapelle angekommen waren, sollen am 26. August 1444 die ausgezogenen Truppen von Basel zurück hinter ihre sicheren Mauern umgekehrt sein. An dieser Stelle sei ihnen deutlich geworden, dass es wegen der gewaltigen Übermacht der feindlichen Armagnaken unmöglich war, den Eidgenossen die bei St.Jakob kämpften zu Hilfe zu eilen, ohne die Stadt zu gefährden.

generalansicht des denkmals

Das im Jahr 2010 renovierte St.Jakobsdenkmal von Ferdinand Schlöth.

Bis an diesen Ort wagten sich 1525 auch die rebellischen Bauern der Basler Landschaft, denn hier verlief eine bedeutsame Grenze. Die Kapelle wurde nach der Reformation für weltliche Zwecke genutzt. Etwa als Bannwarthäuschen. Die alte Wegkapelle wurde 1805 abgerissen. Seit dem 18. Jahrhundert kursierte eine angebliche Überlieferung, der gemäss bei dieser Kapelle ein Teil der gefallenen Eidgenossen der Schlacht von St.Jakob beigesetzt worden sei. Es handelte sich dabei um eine Fehldeutung.

Vom alten zum neuen Denkmal

Der damals als Grabhügel verehrte Platz wurde mit einem Denkmal als Erinnerung an die Schlacht 1444 versehen. Der Basler Künstler Marquard Wocher (1760-1830) entwarf 1821 ein Monument in Gestalt eines gotischen Pfeilers. Er sollte aus Gusseisen sein, um der Witterung besser trotzen zu können. Aber für eine Metallvariante reichte das während drei Jahren gesammelte Geld nicht. Also blieb es bei einem 12 Meter hohen Sandsteinpfeiler, der vor dem 1822/24 gebauten Sommerkasino errichtet wurde.

Die Einweihung 1824 wurde von 1000 Mann Miliztruppen umrahmt und die Glocken des Münsters wurden geläutet. Der Festumzug schritt nach einem Festgottesdienst vom Münster zum Denkmal, wo dann die offizielle Übergabe stattfand. Ansonsten gab man sich zurückhaltend. Weder Zünfte und Quartiergesellschaften mit ihren Bannern waren geladen, noch Vertreter derjenigen Kantone deren Mannschaften in der Schlacht gekämpft hatten. Die Bedenken bezüglich der Witterung sollten sich bald bewahrheiten.

Der Pfeiler wies bereits nach wenigen Jahren erste Schäden am Stein auf. In den Jahren nach 1850 konnten alle die daran vorbeigingen sehen, dass das Monument allmählich zerfiel. Man machte sich Gedanken über ein neues Denkmal, welches beständiger als der Sandsteinpfeiler sein sollte. Ausserdem hatte sich der Geschmack mit der Zeit geändert. Aus diesen Gründen wurde schliesslich im Jahr 1859 eine Studienkommission gebildet die einen Wettbewerb für ein neues St.Jakobs-Denkmal ausschrieb.

Die Jury war prominent besetzt. Etwa mit dem Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (1818-1897), den Architekten Amadeus Merian (1808-1889) und Christoph Riggenbach (1818-1863). Johann Jakob Vischer-Iselin (1823-1893), Ratsherr und künftiger Direktor der Schweizerischen Centralbahnen, und Landschaftsmaler Johann Jakob Frey (1813-1865) ergänzten das Gremium. Auf die Ausschreibung des Wettbewerbs im Februar 1860 gingen 18 Eingaben ein. Die Entwürfe wurden im Saal des Stadtkasinos ausgestellt.

verwundeter armbrustschuetze

Der Armbrustschütze zieht sich, entschlossen und unempfindlich gegen Schmwerz, einen feindlichen Bolzen aus der Brust, um ihn mit seiner gespannten Armbrust (hier nicht zu sehen) zu verschiessen. Seine Ausstattung ist, wie die aller Figuren, eine fantasievolle Kostümierung und hat nichts mit 1444 zu tun.

Ein Basler Bildhauer in Rom

Viele Künstler hielten sich an das alte gotische Pfeilervorbild, welches oft einfach variiert wurde. Auch der in Rom wohnende Basler Bildhauer Lukas Ferdinand Schlöth (1818-1891) reichte einen gotisch geprägten Entwurf ein, der sogar prämiert wurde. Von ganzen den Vorschlägen mochte man aber keinen richtig umsetzen. Ausser Konkurrenz gingen ferner Entwürfe der Maler Ernst Stückelberg (1831-1903) und Arnold Böcklin (1827-1901) ein. Die beiden Künstler gaben dem Projekt neue Impulse.

Schlöth selbst genoss die Unterstützung der Basler Künstlergesellschaft, die 1864 zum Basler Kunstverein mutierte. Vorerst ging die zunehmend mühsame Suche nach dem idealen Denkmal weiter. Immer mehr trat dabei Ferdinand Schlöth in den Vordergrund. Er reichte von 1861 bis 1866 vier weitere Entwürfe ein, von denen der letzte schlussendlich den vielen diffusen Vorstellungen des Denkmals sehr nahe zu kommen schien. Doch er hatte in Rom noch einiges an bemängelten Details zu korrigieren.

Helvetia und die Krieger

Nach einigen Anpassungen fand der Entwurf Gnade bei Jury und Öffentlichkeit. Der stehenden Helvetia hatte Schlöth widerwillig den Löwen an ihrer Seite und ihren Speer wegnehmen müssen. Eine junge Frau aus Nidwalden hatte dem Künstler Modell für die Helvetia gestanden. Man forderte vom Künstler, er solle die Weiblichkeit der Figur mehr herausarbeiten. So sehen wir die Dame mit Kranz heute in einem engen Mieder. Durch das Mieder waren sowohl Bauchnabel als auch Brustwarzen hindurch erahnbar sind.

Von vorn war die ganze Frauengestalt nach der Korrektur deutlich zu sehen, was wohl schliesslich den Geschmack der Kritiker getroffen haben dürfte. Um noch mehr Weiblichkeit zu verströmen hätte sie splitternackt dastehen müssen. Die Helvetia und die Krieger zu ihren Füssen sollten zunächst aus Bronze gefertigt werden. Das hätte aber 90'000 Franken gekostet, und Schlöth bot für 10'000 weniger eine Ausführung in Marmor. Der Künstler musste noch Zugeständnisse bei der Verteilung der Krieger machen.

Der Bildhauer hatte vor die beiden jüngeren Krieger (Armbrustschütze und Steinwerfer) an der Front des Monuments zu platzieren. Der Kunstverein beharrte jedoch darauf, die beiden älteren Gestalten (Bannerträger und Halbartier) in den Vordergrund zu stellen. Die Ausstaffierung der Figuren des Monuments wird übrigens weder bei der Bekleidung noch bei den Waffen dem Jahr 1444 gerecht. Man muss Schlöth's Werk als eine allegorische Darstellung im Geschmack des 19. Jahrhunderts verstehen.

kaempfender halbartier

Der Halbartier ist an ein Kreuz des Kirchhofes von St.Jakob gelehnt (wo 1444 der Schlusskampf stattfand). Im rechten Unterschenkel steckt ein Armbrustbolzen und am Gurt hängt die Axt eines Zimmermanns. Er ist unten und hebt seine Halbarte nach oben (symbolisch für dem Kampf gegen eine Übermacht).

Kalkstein statt Marmor

Helvetia sollte nach letzten Vorgaben 3,3 Meter gross sein, während die knienden Krieger 1,8 Meter messen sollte. Schlöth sah vor seinem geistigen Auge den Sockel des Monuments in edlem dunklem Marmor, durchzogen von weissen Adern. Am Ende musste sich der Künstler jedoch damit abfinden, dass sein Denkmal auf einen Sockel aus hellem Solothurner Kalkstein gestellt wurde, der erheblich weniger kostete. Im Vorfeld gab es auch eine langwierige Debatte um den Standort des neuen Denkmals.

Die Rede war zum Beispiel vom Münsterplatz, von der St.Alban-Schanze, vom Schlachtfeld von St.Jakob und vom Wolf wo ein Teil der Schlacht getobt hatte. Der Stadtrat beharrte aber auf den alten Standort bei der einstigen Wegkapelle. Karl Sarasin (1815-1886), Vorsitzender des Baukollegiums, wollte mit Hilfe des Denkmals nämlich die zu korrigierende St.Jakobsstrasse aufwerten. Schliesslich wurde das Denkmal zu Ehren der Kämpfer von St.Jakob am 26. August 1872 in festlichem Rahmen eingeweiht.

Zugegen waren unter anderem die Bundesräte Paul Cérésole (1832-1905), Vorsteher des Eidgenössischen Militärdepartements, und Josef Martin Knüsel (1813-1889), Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements. Bloss Ferdinand Schlöth war nicht gekommen. Der Künstler zog es vor in seinem Atelier an der Via Quattro Fontane in Rom zu bleiben. Damals hatte das Denkmal einen dekorativen Metallzaun der es schützend umgab. Als der Zaun später wegfiel, nahm auch der Vandalismus am Werk zu.

Niedergang und Sanierung

Eine altersbedingte Reinigung des Marmors wurde erstmals 1883 nötig. Eine eingehendere Sanierung wurde 1904 vorgenommen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Monument zunehmend zum Opfer von Vandalenakten. 1984 verlor die Fahnenstange ihre Metallspitze. Zwei Jahre darauf wurden Armbrustschütze und Steinwerfer beschädigt. Relativ harmlos nahm sich das beschmieren des Denkmals mit Blut 1991 aus. Schwerer wog 1994 das Abschlagen der Kranzhand der Helvetia.

zusammengesunkener faehnrich

Der Fähnrich ist mit einer Kopfwunde zusammengesunken, sein Helm wurde von einem Hieb getroffen. Am Boden liegen Beutestücke, Ritterhelm und Streitkolben. Sein Schwert ist zerbrochen. Er versinnbildlicht die Niederlage nach dem Kampf bis zum letzten.

Im beginnenden 21. Jahrhundert machte das Monument von Ferdinand Schlöth einen kläglichen Eindruck. Im Vorfeld der Euro 08 wurde im Grossen Rat im Oktober 2007 angeregt, das Denkmal im Hinblick auf den Grossanlass zu sanieren. Bereits fünf Jahre zuvor erörterte die Basler Denkmalpflege gemeinsam mit Spezialisten der Fachhochschule für Konservierung in Bern eine Renovation des Denkmals. Dabei sollten auch zerstörte Teile und der ehemalige Zaun wiederhergestellt werden.

Ferner sollte das Denkmal von verfärbenden Verschmutzungen gereinigt werden. Nach der Restauration sollte es mit einer verbesserten Beleuchtung in Szene gesetzt werden. Die Kosten wurden auf 320'000 Franken geschätzt. Da die Sanierung des Denkmals 2002 aber keine Priorität genoss, wurde das Vorhaben zurückgestellt und später für 2009 angesetzt. Effektiv restauriert wurden die Skulpturen 2010. Seither ist das St.Jakobsdenkmal auch wieder von einem schützenden Hag umgeben.



Querverweise zum Thema:

>> Das Heer der Armagnaken

>> Das Heer der Eidgenossen

>> Der Basler Hauptmann Henman Sevogel

>> Jean de Bueil - Kommandant der Armagnaken



Beitrag erstellt 22.08.03 / überarbeitet 31.10.11

Quellen:

Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seite 206 (St.Jakobsdenkmal)

Max Burckhardt, Beitrag "Zur Geschichte des St.Jakobsdenkmals", publiziert im Basler Jahrbuch 1939, herausgegeben von Ernst Jenny und Gustav Steiner, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1939, Seiten 94 bis 126

François Maurer, Beitrag "St.Katharinen-Kapelle vor dem Äschentor", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Band 4, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1961, Seite 3

Brigitte Meles, Beitrag "Das St.Jakobs-Denkmal und seine Geschichte", publiziert in Ereignis - Mythos - Deutung 144-1994 St.Jakob an der Birs, herausgegeben von Werner Geiser, Druckerei Klingental AG, Basel, 1994, ISBN 3-9520120-4-1, Seiten 140 bis 164

Gustav Adolf Wanner, Rund um Basels Denkmäler, Verlag Basler Nachrichten, Basel, 1975, Seiten 20 bis 22

Beschluss des Regierungsrates des Kantons Basel-Stadt vom 08.01.2008 zur schriftlichen Anfrage Christine Heuss betreffend Auffrischung des St.Jakobsdenkmals (Geschäft Nr. 07.5281)

engel

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