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Der Flugplatz Basel-Sternenfeld
© by altbasel.ch

Der im Herbst 1920 entstandene "Verein Aviatik beider Basel" hatte sich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg der Förderung der Fliegerei in der Region verschrieben. Vordringlichster Wunsch war die Einrichtung eines Basler Flugfeldes. Auf der Schützenmatte, wie auch auf der St.Jakobs-Matte, hatten schon vor dem Krieg einige Fliegeranlässe stattgefunden.

Jedoch waren beide Areale ungeeignet für zeitgemässe Flugplätze, und weitere nutzbare Grundstücke gab es auf Basler Gebiet nicht. Auf Baselbieter Boden fand sich vor dem Dorf Birsfelden mit dem Sternenfeld ein geeignetes Areal. Es gehörte mehrheitlich den Von Roll'schen Eisenwerken, und konnte vom Verein gepachtet werden, um einen Hangar und eine Piste anzulegen.

Zur Eröffnung des Flugplatzes fand am 12. September 1920 ein grosses Flugmeeting statt. Als nationale Premiere nahm eine Häfeli DH-3-Staffel der Schweizer Armee aus Dübendorf am viel beachteten Schaufliegen statt. Unter den zahlreichen prominenten Gästen war auch Bundesrat Robert Haab (1865-1939), dem das Eidgenössische Post- und Eisenbahndepartement unterstellt war.

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Gedenktafel zur Erinnerung an den Flugplatz Sternenfeld, angebracht in der Wohnsiedlung am Stausee in Birsfelden

Die folgende Enwicklung des bescheidenen Flugfeldes brachte 1923 einen Höhepunkt, als es dem Verein im Frühjahr gelang zu erreichen, dass die britische Fluggesellschaft Handley-Page Ldt. bei ihrem Flugdienst von London in die Schweiz, jeweils auf dem Sternenfeld zwischenlanden liess. Damit hatte der Flugplatz bei Birsfelden internationalen Anschluss bekommen.

Das Wachstum des Flugbetriebs machte deutlich, dass die damit verbundenen Aufgaben nicht länger von einem privaten Verein getragen werden können. Die Bedeutung des Flugplatzes war den Halbkantonen Basel-Stadt wie Basel-Landschaft gleichermassen bewusst, so dass im Winter 1923/24 der Beschluss fiel, eine Genossenschaft mit kantonaler Beteiligung zu gründen.

Gründung der Flugplatzgenossenschaft 1924

An der am 16. Mai 1924 gegründeten Flugplatzgenossenschaft beteiligte sich der Stadtkanton mit 150'000 Franken, während der Landkanton 25'000 Franken beisteuerte. Direktor des Flugplatzes Basel-Sternenfeld wurde der Militärflieger und Fluglehrer Charles Koepke (1896-1975). Er engagierte sich sehr für die Fliegerei, und trug viel zur Entwicklung des Flugplatzes bei.

Bald nach der Gründung der Genossenschaft konnte der Ausbau auf dem Sternenfeld beginnen. Man errichtete eine 30 Meter grosse Halle, der Hangar wurde mit Werkstatt und Tanklager ausgebaut und ein hölzernes Verwaltungsgebäude mit Zolleinrichtungen entstand. Im folgenden Winter wurden zwei Militärhangars, die in Dübendorf demontiert worden waren, auf dem Sternenfeld aufgebaut.

Im Winter 1924/25 bekam der Flugplatz eine Funkstation mit Bellini-Tosi-Peilanlage. Der Sender des Flugplatzes wurde im nahen Zeughaus untergebracht, und wurde in der Frühzeit des Basler Radios auch für dessen Sendungen genutzt. Den fortschreitenden Verhältnissen um das Sternenfeld trug die Gründung der ersten Basler Fluggesellschaft Balair am 2. September 1925 Rechnung.

Balair - eine eigene Basler Fluggesellschaft

Gemeinsam mit der Zürcher Gesellschaft Ad Astra Aero, richtete sich die Balair auf die Belebung des Schweizer Flugverkehrs aus. Auf Betreiben des Eidgenössischen Luftamtes, wurde 1931 die grosse Balair mit der kleinen Ad Astra zur Fluggesellschaft Swissair mit Sitz in Zürich zusammengelegt. Eine zweite Gesellschaft "Balair" entstand 1952, was aber ein anderes Thema ist.

Die Balair belebte das Sternenfeld, und konnte 1927 ihre Luftflotte stark ausbauen. Zwei Ganzmetallmaschinen Dornier-Merkur kamen hinzu, ebenso wie eine Fokker F. VIIa mit Platz für 8 Fluggäste. Von Birsfelden aus flogen nun Maschinen bis Marseille und Amsterdam. Mit dem Liniennetz wurde der Flugplatz ausgebaut, mit Stationsgebäude, Flughalle und einem eigenen Restaurant.

Das Sternenfeld bekam ferner eine Anlage die Landungen in der Nacht möglich machte, und wurde zum modernsten Zivilflugplatz der Schweiz. Das Prestige zeigte sich, als das deutsche Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin auf dem Flugplatz landete. 1928 in Dienst genommen, hatte der Zeppelin bereits Fahrten in die USA, nach Südmamerika und eine Weltumrundung absolviert.

Publikumsanlässe auf dem Sternenfeld

Damit am 12. Oktober 1930 die Graf Zeppelin auf dem Sternenfeld landen konnte, musste viel Militär aufgeboten werden, denn es wurden Haltemannschaften in Kompaniestärke benötigt. Der Strassenverkehr brach zusammen, denn 60'000 Zuschauer hatten sich in Birsfelden eingefunden, um im übelsten Regenwetter die Landung des 223 Meter langen Luftschiffs zu verfolgen.

Auch Flugmeetings brachten viele Zuschauer auf das Sternefeld. Eine Basler Besonderheit waren dabei die so genannten "Renntage", bei denen man aviatische Darbietungen mit solchen aus Leichthletik, Rad- und Motorsport ergänzte. Diese Mixtur war am 13. August 1933 derart erfolgreich, dass man sie 1935 wiederholte. Ein weiteres populäres Meeting waren die Pfingstflüge 1936/37.

Zur Abschluss-Etappe eines internationalen Rundflugs landeten 46 Maschinen aus acht Nationen im Mai 1936 auf dem Sternenfeld. Im Jahr darauf war der Flugplatz Startort des Rundfluges, und brachte noch mehr Flieger nach Birsfelden. Doch die steigende Beliebtheit konnte nicht ändern, dass der Flugplatz seinem Ende entgegenging. Es kündigte sich mit Beginn des Zweiten Weltkriegs an.

Kriegsbedingte Schliessung und Suche nach neuem Standort

Im letzten Jahr vor dem Krieg wurden auf dem Sternenfeld über 22'000 Passagiere, 448 Tonnen Fracht und 241 Tonnen Post befördert. Damit zählte Birsfelden mit Zürich und Genf zu den drei meistgenutzten Flugplätzen der Schweiz. Diese Betriebsamkeit endete am 27. August 1939; einen Tag bevor der Bundesrat wegen Kriegsgefahr die Mobilmachung der Grenzschutztruppen befahl.

Mit diesem Tag wurde der Flugplatz Sternenfeld für jede zivile Nutzung geschlossen, und von der Armee übernommen. Bald wurde auf dem Flugplatz für die Anbauschlacht Getreide angepflanzt. Nur zwei schmale Graspisten wurden freigehalten. Die Schliessung des Sternenfeld bis zum Kriegsende 1945 machte praktisch zwei Jahrzehnte der mühsamen Aufbauarbeit zunichte.

Zugleich kam ein zweiter Faktor ins Spiel. Das Flugplatzareal im Besitz des Kantons Basel-Landschaft, war schon länger für den Bau eines Wasserkraftwerkes am Rhein vorgesehen. Damit war von Beginn an klar, dass das Sternenfeld nicht dauerhaft für den Flugverkehr nutzbar blieb. Die Pläne für das Kraftwerk waren 1942 zum Vorlegen an die Behörden fertig.

Zur Mitte der 30er Jahre stand das Projekt eines Flugplatzes mit Bahnanschluss in der Hard bei Muttenz im Raum. Das Projekt stiess indes auf so grossen Widerstand, dass nach anderen Möglichkeiten gesucht werden musste. Schon vor dem Krieg gab es das Konzepts eines binationalen Flugplatzes zwischen Allschwil und Bourgfelden, wo Raum genug für Pisten vorhanden war.

Prinzipiell stimmten im Frühjahr 1939 Bern und Paris dem Projekt zu. Aber der Kriegsausbruch kam weiteren Verhandlungen zuvor. Das Ende des selben Krieges 1945 brachte aber die Gespräche mit Frankreich wieder in Gang. Das Allschwiler Projekt wurde zu Gunsten eines vollständig auf französischem Bodens liegenden internationalen Flugplatzes bei Blotzheim fallengelassen.

Vom Sternenfeld nach Blotzheim

Nach intensiven Verhandlungen begannen am 8. März 1946 die Bauarbeiten. Sieben Tage die Woche wurde im Schichtbetrieb gearbeitet. Dabei waren 350 meist französische Arbeiter und je nach Bedarf auch rund 100 deutsche Kriegsgefangene im Einsatz. Als am 8. Mai 1946 der Flugplatz nach einer Rekordbauzeit eingeweiht werden konnte, sprach man schlicht vom "Miracle de Blotzheim".

Der neue Flugplatz, aus dem der heutige Euroairport Basel-Mulhouse entstehen sollte, war fünfmal grösser als das Sternenfeld. Durch den am 25. November 1950 in Kraft getretenen Staatsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz, war das Werk endgültig besiegelt. Im Juni des selben Jahres endete der seit 1945 nur noch spärlich unterhaltene Flugbetrieb auf dem Sternenfeld.

Es fanden seit Kriegsende noch einige Male Zuschauermengen den Weg nach Birsfelden. Etwa als im September 1945 ein viermotoriger amerikanischer Bomber des Typs B-24 "Liberator" besichtigt werden konnte, oder als im April 1946 ein britischer Supermarine Spitfire Jagdflieger vorgeführt wurde. Am 27. August 1950 fand eine letzte Flugshow zum Abschied in Birsfelden statt.

Beim Schulhaus Sternenfeld erinnert eine Gedenktafel der Flugplatzgenossenschaft Aviatik beider Basel im Hof zwischen den Wohnblöcken daran, dass sich an diesem Ort 1924-1959 der Flugplatz Basel-Birsfelden befand. Auf ihm seien in 149'299 Flügen insgesamt 236'623 Passagiere und 4945 Tonnen Luftfracht befördert worden. Wohnsiedlung und Kraftwerk stehen heute an seiner Stelle.

Zusammenfassung

Die wachsende Popularität der jungen Fliegerei war auch in der Region Basel spürbar, wo schon vor dem Ersten Weltkrieg Schauflüge auf der Schützenmatte und der St.Jakobs-Matte stattfanden. Das Flugwesen wurde in der Region vom 1920 gegründet "Verein Aviatik beider Basel" gefördert. Er stand auch hinter der Einrichtung eines Flugplatzes in Birsfelden im selben Jahr.

Auf dem Sternenfeld am Rhein eröffnete am 12. September 1920, mit einem weit herum beachteten Flugmeeting, jenes Flugfeld, das ein Stück nationaler Fluggeschichte schreiben sollte. Der anfangs bescheidene Flugbetrieb bekam 1923 Auftrieb. In diesem Jahr machte zum ersten Mal ein aus London kommendes britisches Passagierflugzeug auf dem Sternenfeld eine Zwischenlandung.

Das Birsfelder Flugfeld wurde vom Stützpunkt der regionalen Freunde der Fliegerei zum einem Flugplatz, über den Fracht und Passagiere befördert wurden. Um diese Entwicklung zu fördern, wurde 1924 die von den Basler Halbkantonen getragene Flugplatzgenossenschaft gegründet. Mit ihr kam ein Ausbau, der bald neue Hangars, ein Verwaltungsgebäude und eine eigene Funkstation brachte.

Um das Flugwesen zusätzlich zu beleben, wurde 1925 die Basler Fluggesellschaft Balair gegündet, die vom Sternenfeld aus ihr wachsendes Flugnetz aufbaute. Die Balair arbeitete mit der kleineren Zürcher Gesellschaft Ad Astra Aero zusammen (mit der sie 1931 auf Anordnung des Bundes zur Swissair mit Sitz in Zürich zusammengelegt wurde). Der Flugplatz wuchs fortwährend.

Ende der Zwanzigerjahre bekam das Sternenfeld eine Anlage die Nachtlandungen ermöglichte, und wurde damit zum modernsten Zivilflugplatz der Schweiz. Prestige und Aufsehen brachte 1930 die Landung des bekannten deutschen Luftschiffes LZ 127 "Graf Zeppelin". 60'000 Zuschauer kamen dazu nach Birsfelden. Im August 1939 brachte der Zweite Weltkrieg die Schliessung des Flugplatzes.

Der zivile Flugbetrieb wurde eingestellt und die Armee übernahm das Sternenfeld. Die Pisten wurden für die Anbauschlacht zur Selbstversorgung grossteils mit Getreide bepflanzt. Auch zeichnete sich ab, dass die 1942 vollendeten Pläne für den Bau eines Kraftwerks am Rhein bei Birsfelden künftig keinen Raum mehr für den Flugplatz lassen würden. Daher begann die Suche nach Alternativen.

Bei Blotzheim im nahen Elsass fand sich ein geeignetes Areal. Nach Ende des Zweiten Weltkrieg wurde mit Frankreich der Bau eines binationalen Flugplatzes ausgehandelt. Am 8. Mai 1946 konnte dieser eingeweiht werden; er sollte später zum heutigen Euroairport Basel-Mulhouse werden. Das seit 1945 nur noch schwach genutzte Sternenfeld wurde 1950 definitv geschlossen.


Beitrag erstellt 24.07.17

Quellen:

Eugen Dietschi, Vom Ballon zum Jet - Geschichte der Luftfahrt in Basel, Pharos-Verlag Hans Rudolf Schwabe, Basel, 1971

Sandro Fehr, Die Erschliessung der dritten Dimension - Entstehung und Entwicklung der zivilen Luftfahrtinfrastruktur in der Schweiz, 1919-1990. Chronos Verlag, Zürich 2014, ISBN 978-3-0340-1228-7, Seiten 57 bis 62

eorg Kreis, Beitrag "Goldene Jahre mit irritierenden Erfahrungen", in publiziert in Basel - Geschichte einer städtischen Gesellschaft, herausgegeben von Georg Kreis und Beat von Wartburg, Christoph Merian Verlag, Basel, 2000, ISBN 3-85616-127-9, Seiten 269 und 270 (Vorgeschichte Flughafen Basel-Mulhouse)

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