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Marx Bertschi
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Marx Bertschi (latinisiert Marcus Bersius) zählt nicht zu den Prominenten der Reformation in Basel. Er steht im Schatten eines Johannes Oekolampad (1482-1531) und eines Oswald Myconius (1488-1552). Und doch war er eine treibende Kraft des Glaubenswechsel. Er stammte aus Rorschach/SG, wo er 1483 zur Welt gekommen sei. Das Geburtsjahr ist nur indirekt und unter Vorbehalt aus seiner von Johannes Tonjola (1634-1700) überlieferten Grabinschrift erschliessbar. [1] [*]

Bertschi kam 1511 nach Basel.
[2] Im Januar 1512 tritt er im Matrikel der Basler Universität als Dominus Marcus Bertschy ex Roschach Constantiensis auf. Der Titel "Dominus" lässt folgern dass er schon Priester war als er sich an der theologischen Fakultät einschrieb. [3] Warum ein dreissigjähriger Gottesmann am anderen Ende der Schweiz ein Theologiestudium beginnt liegt im Bereich der Spekulation. Sein weiterer Weg deutet auf eine Suche nach Veränderung.

Nachdem Bertschi im September 1519 in einem vage beschriebenen Amt zu St.Martin erscheint, wird er kurz darauf Pfarrer zu St.Theodor in Kleinbasel.
[4] Aus dieser Zeit sind Hinweise an seinem Interesse an den Ideen der Reformation belegt. Er stand in Kontakt mit dem Zürcher Reformator Ulrich Zwingli (1484-1531). Dieser hatte um 1502 selbst an der Basler Universität Theologie studiert, und an der Schule zu St.Martin als Lehrer für Latein gewirkte. [5]

st.theodor wo bertschi von 1519 bis 1523 pfarrer war

Die Theodorskirche wo Marx Bertschi von 1519 bis 1523 als Pfarrer wirkte. Die Gemeinde war konservativ und nahm sich nach Bertschis Abgang einen Geistlichen der im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf der Linie des alten Glaubens lag.

Von St.Theodor nach St.Leonhard

Wie sehr Bertschi in den Kreis evangelisch gesinnter Geister einbezogen war, zeigt ein Brief Zwinglis vom März 1521 an den Humanisten Beatus Rhenanus (1485-1547). Darin ist von Bertschi als "unserm Theodoriner Marcus" zu lesen.
[6] Diese vertrauensvolle Titulierung lässt vermuten, dass er für Zwingli (damals Leutpiester am Zürcher Grössmünster) als ein Mann der evangelischen Sache galt. Bertschi wirkte bis 1523 zu St.Theodor und übernahm dann die Pfarrei St.Leonhard. [7]

Die konservative Gemeinde von St.Theodor hatte sich offenbar nicht gegen den Abgang ihres evangelisch angehauchten Pfarrers gesträubt. Unverzüglich wählte sie einen Mann alten Glaubens zu ihrem neuen Geistlichen.
[8] Diese Gemeinde blieb lange eine starke katholische Bastion. Zu St.Leonhard blieb Marx Bertschi bis zu seinem Tod Pfarrer. Er übte dieses Amt über 40 Jahre aus. Als er die Pfarrei übernahm, stand Basel vor den entscheidenen Jahren der Reformation.

Temperamentvoll setzte sich der neue Pfarrer von St.Leonhard für den Glaubenswechsel ein. Seine Leidenschaft brachte ihn mehrfach in Konflikt mit der Obrigkeit. Eine Predigt vom 30. April 1525 wurde von einigen Zuhörern als aufrührerisch verstanden.
[9] Am 1. Mai war er zudem zusammen mit Spitalpfarrer Wolfgang Wissenburg (1494-1575) bei einem Treffen auf der Zunft zu Webern zugegen. Dort seien konspirative Pläne wider Altgläubige in Rat und Klerus geschmiedet worden. [10]

Die Webernzunft in der Steinenvorstadt galt damals als ein Hort der Reformation. Daher war jedes Treffen dort den mächtigen altgläubigen Kreisen im Rat automatisch suspekt. Wenn daran ein Geistlicher wie Bertschi teilnahm, war dies doppelt verdächtig. Fast gleichzeitig rebellierten auf dem Land die Bauern. Dies schuf zusätzliches Unbehagen im Rathaus. Altgläubige vermuteten überall evangelische Hintermänner die am Gebälk von Kirche und Staat sägten.

Zugleich musste sich die Ratsherren, egal ob evangelisch oder altgläubig, darum bemühen den mächtigen katholischen Nachbarn Habsburg nicht zu reizen. Mit diesem konnte man sich weder politisch, wirtschaftlich noch militärisch anlegen. Bei Zugeständnissen an die Anhängerschaft des neuen Glaubens war mit Behutsamkeit vorzugehen. Zu grosser Eifer durfte schon in politischem Interesse nicht aufkommen. Unter diesen Vorzeichen musste Marx Bertschi vor den Rat treten.

Freundschaften und Anfeindungen

Wegen des Treffens auf der Webernzunft hatte Bertschi in Haft gesessen. Ende Mai 1525 musste er sich wegen Predigt und Treffen einem Verhör stellen. Es gelang ihm seine Unschuld darzulegen. Er wurde freigelassen und durfte weiterhin als Pfarrer im Amt bleiben.
[11] Im August bestellte ihn der Rat ein, weil er wiederholt die Messe nicht mehr las. Andere Geistliche evangelischer Gesinnung waren bereits aus Stadt und Land Basel verbannt worden.

Bertschi drohten Entlassung und Verweisung. Zugleich zitierte der Rat in selber Sache Leutpriester Peter Frauenberger von St.Alban vor sich. Man enthob ihn seines Amtes. Er musste Basel verlassen. Davor rettete Bertschi ein entlastendes Zeugnis des Konvents St.Leonhard. Johannes Oekolampad schrieb Zwingli davon.
[12] Er schilderte ihm Bertschi auch einmal als "ein zuverlässiger und herzhafter Mann, der im Hause des Herrn aufs treuste seinen Dienst tut". [13]

Ende 1525 hatte die evangelische Sache Boden verloren. Bei den Pfarreien beschränkt sich der tiefere Einfluss auf St.Martin wo Oekolampad Pfarrer war und St.Leonhard wo Bertschi wirkte. Damals war Bertschi in Basel eine Säule der evangelischen Sache. Bei der Unterzeichnung von Communiqués oder bei Versammlungen erschien er an der Seite von Oekolampad. Als dessen ältesten Mitstreiter und eine eigentliche Kampfnatur bezeichnete Paul Burckhardt 1946 Bertschi.
[14]

So viel Engagement bringt in bewegten Zeiten Feinde. Ein unbekannter Autor ging in einer Colmarer Chronik hart mit der evangelischen Sache ins Gericht und erwähnte dabei auch Bertschi. Namentlich bezog sich die betreffende Passage auf das Jahr 1523 und die von Balthasar Hubmaier (1485-1528) verworfene Kindertaufe. Vor seinem Bruch mit Zwingli wegen der Frage der Taufe um 1525 bewegte der später in Wien verbrannte Hubmaier sich in den evangelischen Kreisen von Zürich.

Zu seinen Ansichten über die Kindertaufe äusserte sich nach der Colmarer Chronik auch Marx Bertschi auf der Kanzel. Zu diesem Punkt wurde Bertschi vom Chronisten angegriffen: "diser Artikel ward auch von einem Esel geprediget zu St.Lienhard, hiess Her Marx, war ein ippiger ungelerter Esel". Später wird Bertschi nochmals genannt als "... ein hochtragender ungelerter Esel".
[15] Wie erwähnt, sind der Chronist und somit dessen Motiv zu solch harten Worten unbekannt.

Bertschi über die Täufer

Wie ausgeführt, sprach Bertschi auf der Kanzel über die der Verwerfung der Kindertaufe. Balthasar Hubmaier lehnte diese ab, und unterzog sich selbst 1525 in Zürich einer Erwachsenentaufe. Er zeigte sich damit als Angehöriger jener Täuferbewegung, die im selben Jahr auch in Basel in Erscheinung trat. Im August 1525 liess der Rat einige Männer und Frauen verhaften. Sie hatten sich für Andachten im Haus des Schneiders Michel Schürer in der Weissen Gasse getroffen.

Die Untersuchung ergab dass sie Vertreter einer neuen Glaubensrichtung waren. Ein Merkmal dieser Gemeinschaft war die Taufe, die sie als Erwachsene bewusst empfangen wollten. Sie strebten im allgemeinen nach einem gewaltlosen Christentum, welches Gott allein als höchste Autorität sah. Dies bedeutete auch, dass sie von Staat und Kirche weder zu einem Eid noch zum Wehrdienst zwingen liessen.
[16] Diese Haltung machte sie zur Gefahr für jedes Herrschaftssystem.

Man nannte sie "Täufer" oder auch "Wiedertäufer". Für die Altgläubigen waren sie ein Auswuchs der evangelischen Bewegung. Auf der Gegenseite sah man die Täufer aber ebenso als Gefahr. Oekolampad selbst begegnete ihren Ideen mit Ablehnung. Zugleich galten er wie auch sein Mitkämpfer Marx Bertschi bei Altgläubigen als Sympathisanten der Täufer. Immerhin hatten sie in einer früheren Phase ihres Wirkens gleichfalls Kritik an der Kindertaufe durchleuchten lassen.

Altgläubige wie Evangelische betrachteten die Täufer als gefährlich. Bertschi nannte sie "von allen Beschwerden die wir getragen, die beschwerlichste."
[17] Er sah sie offenbar als Ärgernis und Störfaktor. Nach dem Durchbruch der Reformation verfolgten die neuen Glaubensherren die Täufer mit jenen Mitteln unter denen sie selbst zuvor durch die Herren des alten Glaubens gelitten hatten - Verfolgung, Verbannung und sogar Hinrichtung. Unterdrückung lehrt Unterdrückung.

reformierte predigt in basel im 16. jahrhundert

Evangelische Predigt auf einer Darstellung (nach einem Entwurf von Gregor Sickinger) aus der Basler Chronik von Christian Wurstisen von 1580. Der Pfarrer predigt aus der Bibel. Man beachte den bei reformierten Geistlichen in jenen Tagen charakteristische Bart, der bei katholischen Pfarrherren eher selten war.

Zwinglis Tod

Nach dem Durchbruch der Reformation in Basel 1529 verliess Oekolampad St.Martin um Münsterpfarrer zu werden. Bertschi hingegen blieb seiner Pfarrei St.Leonhard noch lange erhalten. Es war beinahe Pflicht für einen evangelischen Geistlichen zu heiraten. Alleine schon um den Bruch mit der katholischen Tradition zu demonstrieren. Oekolampad ehelichte 1528 die 22 Jahre jüngere Wibrandis Rosenblatt (1504-1564). Bertschi nahm seinerseits Margaretha Fyrendorf zur Frau.
[18]

Der von Bertschi geschätzte Reformator Ulrich Zwingli fand im zweiten Kappelerkrieg in der Schlacht bei Kappel am 11. Oktober 1531 den Tod. Das Entsetzen im reformierten Basel ging tief. Altgläubige schöpften neue Hoffnung. Viele in der Stadt wiesen den evangelischen Pfarrern eine Mitschuld am unglücklich verlaufenen Krieg zu. Nicht alle waren dafür gewesen, mit der Waffe für die Sache Christi zu kämpfen. Sogar Martin Luther (1483-1546) übte Kritik daran.

Oekolampad bemühte sich voller Schmerz, den bewaffneten Kampf für das Evangelium und die erlittene Prüfung im Münster zu erläutern. Marx Bertschi sprach gewohnt lebhaft zu St.Leonhard zum selben Thema. Er wisse, meinte er, dass Pfarrer gerade so verachtet seien dass kein Ehrenmann mit ihnen sprechen dürfe. Und doch seien sie die Verkünder von Gottes Wort. Ihnen Schuld zu geben, rief Bertschi voller Zorn von der Kanzel, hiesse wider den Heiligen Geist zu sündigen.
[19]

Bei einem weiteren Auszug sandte Basel am 13. Oktober 1531 zwei Fähnlein mit rund 430 Mann gegen die fünf katholischen Orte der Eidgenossenschaft. Der Auszug endete in einem Desaster bei dem auch der Geistliche von St.Alban, Hieronymus Bothan, als Feldprediger umkam. Bertschi gehörte im November 1533 selbst einem mobilisierten Basler Fähnlein als Feldprediger an.
[20] Das in Zeiten anhaltender Spannungen erlassene Aufgebot blieb indes ohne blutige Folgen.

Ein unbequemer Prediger

Wohnsitz des Pfarrers zu St.Leonhard war das nahe gelegene Haus zum Ölenberg (heute Leonhardsgraben 63). 1538 ist zu diesem Haus festgehalten dass es sei "Herrn Marxen Bertschi und siner Frowen ir beder Leben lang".
[21] Demnach hatten Bertschi und seine Gattin dort lebenslanges Wohnrecht. Nach Margarethas Tod verheiratete er sich selbst im Jahr 1553 mit seiner Magd. Bertschi blieb auch nach der Reformation bekannt für seine gepfefferten Reden auf der Kanzel.

Mit Inbrunst geisselte er in seinen Predigten das Söldnerwesen, den Zerfall der Moral und wetterte gegen jene die noch immer heimlich dem alten Glauben anhingen. 1543 sorgte er für besonderes Aufsehen. Er tadelte in einer Predigt dass es in Basel angesehene Herren gäbe, die wohl beim Glaubenswechsel mitgemacht hätten, aber sich heute nach den alten Zeiten sehnten. Dabei gäben sie vor es ginge ihnen um die Messe, wobei sie aber die Pensionen meinten.
[22]

Bertschi deutete damit an, dass einflussreiche Männer in Basel die Errungenschaften der Reformation opfern würden um wieder in Söldnerdienste (zum Beispiel französische) zu treten und Pensionen aus fremder Hand zu empfangen. Wenn ein Pfarrer auf der Kanzel angesehenen Herren derartige Neigungen vorwirft, kann man sich vorstellen dass dies für Unruhe sorgt. Wie bei seinen späteren Worten zum Korandruck, war Bertschis Redegewalt ein Dorn im Fleische der Obrigkeit.

Wegen des Korans vor den Rat befohlen

Auf der Basis einer Übersetzung aus dem 12. Jahrhundert verfasste Theodor Bibliander (1509-1564) eine lateinische Fassung des Korans. Diese wurden in Basel durch Johannes Oporinus (1507-1568) gedruckt, der sich einen Namen mit aufsehenerregenden Publikationen machte. Er druckte 1543 auch das Werk De humani corporis fabrica von Andreas Vesalius (1515-1564). Sein Korandurck im Jahr zuvor brachte ihm aber nicht nur Renommé sondern auch eine Haftstrafe.

Der Koran war die Heilige Schrift des Islam. Ihn in einer evangelischen Stadt in Latein zu drucken erachtete der Rat Basels als gefährlich und strafwürdig. Daher liess er das Buch beschlagnahmen und Oporinus als dessen Drucker festnehmen. Namhafte geistliche und auch Luther selbst spachen jedoch für das Projekt, so dass der Verhaftete freikam. Das Buch durfte unter der Auflage herauskommen, dass weder der Drucker noch Basel als Druckort darin genannt würden.

Zusätzlich war es den Basler Geistlichen verboten diesen Koran in den Predigten zum Thema zu machen. Man wollte maximale Diskretion zum Korandruck in Basel wahren. Marx Bertschi ignorierte das Verbot und lobte vor versammelter Kirchgemeinde das Werk: Nun könne man erkennen welchen Irrlehen der Türke unterliege.
[23] Einmal mehr befahl der Rat Basels verärgert seinen eigensinnigen Pfarrer von St.Leonhard vor sich um ihn zu tadeln. Bertschi war es gewohnt.

Bertschi und der Kirchenschmuck von St.Leonhard

Bei allem Temperament gehörte Bertschi nicht zu jenen unter deren Händen beim Bildersturm vom 9. Februar 1529 die wertvollen Kunstwerke der Kirchen vernichtet wurden. Vielleicht war es auch eben sein Eifer, der dafür sorgte dass zu St.Leonhard schon im April 1528 Skulpturen und sonstigen Heiligendarstellungen entfernt wurden und rettete.
[24] So waren sie in Sicherheit, als im Jahr darauf religiöser Fanatismus anderorten "papistische Götzenbilder" zerstörte.

Bertschi selbst schilderte, dass die Bilder ohne etwelchen Aufruhr aus seiner Leutkirche entfernt wurden. Gemäss Ratsmandat durften in Chor und Kapellen zwar Altäre und Zierden verbleiben. Es gibt aber Vermutungen, dass Bertschi solche Stücke von besonderem Wert bereits vor dem Bildersturm beiseite schaffte.
[25] Jedenfalls liess er später über den St.Galler Bürgermeister und Reformator Joachim Vadian (1484-1551) einige Kunstwerke seines Gotteshauses veräussern.

Aus den Briefen an Vadian geht hervor, dass Bertschi jahrelang vergeblich versuchte einige als "Tafeln" bezeichnete Werke zu verkaufen. Eventuell handelt es sich dabei um Altartafeln oder ähnliche Kunstwerke. Bertschi war mit der Zeit sogar bereit sie unter Preis herzugeben, hauptsache er war sie los. 1535 berichtet er schliesslich voller Dankbarkeit dass er der Tafeln ledig sei.
[26] Es hatte also sieben Jahre gedauert, bis sich Abnehmer gefunden hatten.

st.leonhard wo bertschi von 1523 bis 1566 pfarrer war

St.Leonhard, wo Bertschi über 40 Jahre lang als Pfarrer wirkte. Diese Kirchgemeinde war neben St.Martin von Oekolampad eine Basis der Reformation in Basel. Hier trug Bertschi seine umstrittensten Predigten vor.

Bis zu seinem Tod versah Marx Bertschi sein Amt zu St.Leonhard. Als er im Frühjahr 1566 hochbetagt starb, verlor die Gemeinde ihren ersten reformierten Pfarrer und Basel einen Mann der keinen Streit auf seinem Weg scheute. Vermutlich selben Jahr wie Luther geboren, sollte Bertschi diesen um zwanzig Jahre überleben. Ebenso segnete seine Glaubensgefährten Oekolampad und Zwingli das Zeitliche lange vor ihm. Die von Tonjola überlieferte Grabinschrift Bertschis lautet:

Hie liegt begraben der ehrwürdig, wohlgelehrt und fromme Herr Marx Bertsche von Rorschach geboren; welcher dieser Kirchen vorgestanden und Leutpriester gewesen 43 Jahr, die ganz treulich und mit ganzem Fleiss und Ernst versehen; ist im Herrn entschlafen auf den 27. Tag Merzen, als man zählte 1566, seines Alters 83. Der allmächtig Gott verleihe ihm eine fröhliche Auferstehung. Amen.
[27]

Zusammenfassung

Markus Bertschi stammte aus Rorschach/SG und wurde vermutlich 1483 geboren. Er kam 1511 als Geistlicher nach Basel und studierte hier Theologie. Von 1519 bis 1523 war er Pfarrer zu St.Theodor in Kleinbasel. Zu dieser Zeit unterhielt er Kontakte zu Oekolampad und Zwingli. Im selben Jahr in dem Zwingli Leutpriester am Grossmünster in Zürich wurde, übernahm Bertschi in Basel die Pfarrei St.Leonhard. Er sollte in diesem Amt bis zu seinem Tod im März 1566 bleiben.

Bertschi kämpfte für die Reformation in Basel an der Seite von Oekolampad, und wurde von diesem auch als zuverlässigen und tatkräftigen Mann im Dienste der Sache sehr geschätzt. Nachdem Oekolampad 1525 Leutpriester zu St.Martin geworden war, fungierte seine Kirchgemeinde zusammen mit jener von St.Leonhard als wichtige Basis für die Verbreitung der Reformation in Basel. Für sein temperamentvolles Auftreten musste Bertschi mehrfach vor dem Rat erscheinen.

Mit seinem Engagement schaffte er sich Feinde unter den Altgläubigen. Er lief Gefahr wie andere evangelisch gesinnte Geistliche aus dem Amt entlassen und aus der Stadt vertrieben zu werden. Bertschi war aber bei allem Temperament klug genug sich vor dem Rat zu behaupten. Man liess ihm 1525 sowohl die Teilnahme an einer verdächtigen Versammlung auf der Zunft zu Webern wie auch eine kritische Predigt durchgehen, auch wenn er vorübergehend in Haft sass.

Während die Reformation noch um ihren Durchbruch kämpfte, traten in Basel erste Täufer auf. Diese eigene Glaubensrichtung wurde, obschon sie gewaltfrei war, von Altgläubigen wie Evangelischen als Gefahr betrachtet. Bertschi bezeichnete das Auftreten der Täufer als das grösste aller Beschwernisse. Obschon er sich früher kritisch zur Kindertaufe geäussert hatte, hegte er keine Sympathie für die Sache der Täufer, wie die meisten anderen Reformatoren auch.

Im zweiten Kappelerkrieg 1531 unterlagen die evangelische Truppen jenen der fünf katholischen Orten Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug. In der Schlacht bei Kappel fand Ulrich Zwingli den Tod, was in Basel Betroffenheit auslöste. Oekolampad und Bertschi rechtfertigten in Predigten den Feldzug. Bertschi wies besonders energisch die Behauptung zurück, dass die Geistlichen Schuld am unglücklichen Geschehen trügen. Er nannte solche Anschuldigen sündig.

Auch nach der Reformation 1529 musste sich Marx Bertschi mehrfach vor dem Rat für Äusserungen in seinen Predigten verantworten. 1543 griff er einige namhafte Herren mit der Behauptung an, dass sie bereit wären die Errungenschaften der Reformation für Pensionen (Soldgelder) aus fremder Hand zu opfern. Später lobte er den Korandruck von Johannes Oporinus, obschon die Obrigkeit den Geistlichen explizit verboten hatte darüber in Predigten zu sprechen.

Bertschi wohnte als Pfarrer zu St.Leonhard im Haus zum Ölenberg (heute Leonhardsgraben 63). Er teilte Tisch und Bett mit seiner Gattin Margaretha Fyrendorf. Nach ihrem Tod verheiratete er sich 1553 selbst mit seiner Magd. Gemäss der von Johannes Tonjola überlieferten Grabinschrift starb Marx Bertschi im Alter von 83 Jahren am 27. März 1566. Er war 43 Jahre Pfarrer zu St.Leonhard, und wahrscheinlich der energischste Vorkämpfer der Reformation in Basel.


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Interner Querverweis:

>> Der reformierte Bildersturm 1528/29 in Basel

>> Jakob Immeli, reformierter Pfarrherr zu St.Ulrich




Beitrag erstellt 23.01.10 / Quellen nachgeordnet 23.03.13

Anmerkungen:

[1] J. Tonjola, Basilea Sepulta retecta continuata, Basel, 1661, Seite 183

[*] Tonjolas Werk ist nicht über alle Zweifel erhaben, da zum Beispiel viele darin wiedergegebene Inschriften nachweislich von ihren Vorlagen abweichen, wohl als Folge fehlerhafter (evt. indirekter) Wiedergabe oder Auslegung. Siehe dazu: Peter Buxtorf, Die lateinischen Grabinschriften in der Stadt Basel, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft, Band 6, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1940, Seiten 18 bis 19


[2] K. Gauss, Basilea Reformata, Basel, 1930, Seite 46 (biographischer Beitrag zu Marx Bertschi)

[3] E. Miescher, Abschnitt "9. Der Pfarrer von St.Leonhard zur Reformationszeit", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seite 24

[4] K. Gauss, Basilea Reformata, Basel, 1930, Seiten 46 und 47 (biographischer Beitrag zu Marx Bertschi)

[5] M. Möhle, Beitrag "Martinskirchplatz 2", Abschnitt "Martinskirchplatz", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7 (Altstadt Grossbasel I), Bern, 2006, Seite 327 Spalte 2 und Anmerkung 396 Seite 565

[6] E. Miescher, Abschnitt "9. Der Pfarrer von St.Leonhard zur Reformationszeit", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seite 25

[7] R. Wackernagel, Abschnitt "Die Neugläubigen - Bertschi - Imelin - Girfalk", in Buch 11 - "Das Jahrzehnt der Reformation", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 340

[8] R. Wackernagel, Abschnitt "Unruhe und Exzesse - Gegenreformatorische Bewegung", in Buch 11 - "Das Jahrzehnt der Reformation", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 360

[9] E. Miescher, Abschnitt "9. Der Pfarrer von St.Leonhard zur Reformationszeit", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seite 26

[10] E. Miescher, Abschnitt "13. Die Bauernerhebung", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seite 32

[11] E. Miescher, Abschnitt "13. Die Bauernerhebung", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seiten 32 und 33

[12] R. Wackernagel, Abschnitt "Wendung der Ratspolitik", in Buch 11 - "Das Jahrzehnt der Reformation", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 467 so wie E. Miescher, Abschnitt "15. Differenzen in der Auffassung des Abendmahls", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basel, 1917, Seite 37

[13] E. Miescher, Abschnitt "9. Der Pfarrer von St.Leonhard zur Reformationszeit", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, 1917, Seite 25

[14] P. Burckhardt, Abschnitt "Die Basler Pfarrer", publiziert in Basel in den ersten Jahren nach der Reformation, 124. Neujahrsblatt der GGG, 1946, Seite 57

[15] E. Miescher, Abschnitt "9. Der Pfarrer von St.Leonhard zur Reformationszeit", publiziert in Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, 1917, Seite 25

[16] R. Wackernagel, Abschnitt "Täufergemeinde" in Buch 11 - "Das Jahrzehnt der Reformation", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 478

[17] R. Wackernagel, Abschnitt "Täufergemeinde" in Buch 11 - "Das Jahrzehnt der Reformation", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 480

[18] K. Gauss, Basilea Reformata, Basel, 1930, Seite 46 (biographischer Beitrag zu Marx Bertschi)

[19] P. Burckhardt, Abschnitt "Der zweite Kappelerkrieg", publiziert in Basel in den ersten Jahren nach der Reformation, 124. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1946, Seiten 20 bis 21

[20] P. Roth, Dokument 354, publiziert in Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation in den Jahren 1519 bis Anfang 1534, Band 6, Basel, 1950, Seite 366

[21] G. A. Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 2, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1986, Seite 85

[22] P. Burckhardt, Abschnitt "Die Basler Pfarrer", publiziert in Basel in den ersten Jahren nach der Reformation, 124. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1946, Seite 58

[23] P. Burckhardt, Abschnitt "Die Basler Pfarrer", publiziert in Basel in den ersten Jahren nach der Reformation, 124. Neujahrsblatt der GGG, Basel, 1946, Seite 58

[24] B. M. v. Scarpetti, Unterabschnitt "d) Der Heilspiegelaltar und das Leonhardsstift", in Abschnitt "7. Der spätmittelalterliche Konvent und sein Niedergang", in Kapitel "Das regulierte Stift bis zur Reform im 15. Jahrhundert (1133/35-1462), im zweiten Teil, publiziert in Die Kirche und das Augustiner-Chorherrenstift St.Leohard in Basel, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft Band 131, Basel, 1974, Seite 175

[25] B. M. v. Scarpetti, Unterabschnitt "2. Die Übergabe des Stifts an die Stadt und seine Hinwendung zur Reformation", in Abschnitt "IX. Die Loslösung von Windesheim", in Kapitel "Die Reform: St.Leonhard als Priorat des Windesheimer Kapitels (1452/62-1525), publiziert in Die Kirche und das Augustiner-Chorherrenstift St.Leohard in Basel, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft Band 131, Basel, 1974, Seite 343

[26] B. M. v. Scarpetti, Unterabschnitt "d) Der Heilspiegelaltar und das Leonhardsstift", in Abschnitt "7. Der spätmittelalterliche Konvent und sein Niedergang", in Kapitel "Das regulierte Stift bis zur Reform im 15. Jahrhundert (1133/35-1462), im zweiten Teil, publiziert in Die Kirche und das Augustiner-Chorherrenstift St.Leohard in Basel, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft Band 131, Basel, 1974, Seite 175

[27] J. Tonjola, Basilea Sepulta retecta continuata, Basel, 1661, Seite 183


Quellen:

Paul Burckhardt, Basel in den ersten Jahren nach der Reformation, 124. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1946, Seiten 20 bis 21 und 57 bis 58

Karl Gauss, Basilea Reformata, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1930, Seiten 46 und 47

Ernst Miescher, Die Reformation in Basel und speziell zu St.Leonhard, Basler Missionsbuchhandlung, Basel, 1917, Seiten 24 bis 26, 32 und 37

Martin Möhle, Beitrag "Martinskirchplatz 2", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7, (Altstadt Grossbasel I), 2006, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2006, ISBN 3-906131-84-X, Seite 327 Spalte 2

Paul Roth, Aktensammlung zur Geschichte der Basler Reformation in den Jahren 1519 bis Anfang 1534, Band 6, herausgegeben von Paul Roth im Auftrag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1950, Seite 366

Beat Matthias von Scarpetti, Die Kirche und das Augustiner-Chorherrenstift St.Leonhard in Basel, Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft Band 131, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1974, ISBN 3 7190 0628, Seiten 175 und 343

Johannes Tonjola, Basilea Sepulta retecta continuata, Tonjola, Basel, 1661, Seite 183

Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1924, Seiten 340, 360, 467, 478 und 480

Gustav Adolf Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 2, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1986, ISBN 3-85815-150-5, Seite 85

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