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fragen zum alten basel


Grabmal des Wolfgang von Uetenheim im Münsterkreuzgang


Frau L. / 05.September 2008:

Im Münsterkreuzgang habe ich gleich neben dem Eingang eine grosse Darstellung der Kreuzigung Christi gesehen. Trotzdem sie sehr alt und beschädigt ist, habe ich erfahren dass sie nicht wieder hergerichtet wird. Das finde ich traurig, weil gerade viele Tafeln und Grabmäler im Kreuzgang neu gemacht werden. Können Sie mir mehr über dieses Denkmal sagen? Es würde mich sehr interessieren, mehr davon zu wissen.


Antwort von altbasel.ch:

Bei der von Ihnen entdeckten Darstellung handelt es sich das Grabmonument des 1501 verstorbenen Wolfgang von Utenheim. Das beherrschende Element dieses Reliefs ist eine Kreuzigungsgruppe. Der 1502 zum Bischof von Basel gewählte Generalvikar Christoph von Utenheim liess das Grabmal zu Ehren seines jung verstorbenen Neffen errichten. Der Betrauerte kniet auf der Darstellung als Ritter im Harnisch in einer angedeuteten Kapelle zum Gebet.

Eine genaue Datierung des Monuments gibt bislang nicht. Wenn auch die Inschrift des Grabmals die Passage "...in tiefer Trauer 1501" [1] aufweist, so kann dies unter Umständen eher als Hinweis auf den Zeitpunkt des Todes des Wolfgangs von Utenheim gedeutet werden. Sie hält keineswegs zwingend das Jahr der Fertigung des Kunstwerks fest. Die Kunsthistorikerin Anne Nagel unterliess im Jahr 2000 eine genaue Datierung gewiss nicht ohne Grund [2].

Annie Kaufmann-Hagenbach vermutete 1952 den Zeitpunkt der Entstehung zwischen 1501 und 1503. Sie äussert ferner die Annahme dass das Werk von einem älteren Meister stamme. Dies da diverse Details einem damals bereits etwas veralteten Darstellungsstil entsprächen, namentlich unter anderem die geschwungenen Posen der Figuren. Hagenbach erkennt beim Grabmonument die Hand desselben Meisters der um 1485/86 die Münsterkanzel schuf. [3]

grabmal wolfgang von uetenheim

Obere Partie des Grabmonuments für Wolfgang von Uetenheim, mit sichtbaren Zerstörungsspuren des Bildersturms 1529 (z.B. zerschlagene Beine der Christusfigur). Das Relief befindet sich im Grossen Kreuzgang des Münsters, direkt neben dem äusseren der beiden vergitterten Portale an der Rittergasse.

Unter der Kreuzigungsgruppe (einst vor gemalter dunkler Landschaft) sitzen römische Soldaten die um das Gewand Christi würfeln. Flankiert sind sie von je einer Gruppe von Klagenden mit Heiligen wie Maria, Barbara, Johannes und Andreas. Die Haken ausserhalb des Reliefs am gotischen Spitzbogen hatten wohl einst die Funktion das rituelle Verhüllen des Bildnis Christi mit Tüchern vom Passionsonntag bis Karfreitag zu ermöglichen. [4]

Die beobachteten Schäden werden zu recht nicht behoben, denn sie sind selbst historischer Natur. Das Relief wurde aus religiösen Gründen während des Bildersturms 1529 zerschlagen. Weitere Partien wurden danach weggemeisselt, um es mit einem Verputz zu bedecken. 1870 fand man das Grabmal wieder und legte es frei. Was überlebte sagt genügend über das Werk aus. Ergänzungen würden es nur verfälschen. 1992/94 erfolgte eine eingehende Restaurierung.


Zusammenfassung

Das Grabmal zu Ehren des jung verstorbenen Wolfgang von Utenheim wurde von seinem Onkel Christoph von Utenheim (ab 1502 Bischof von Basel) in Auftrag gegeben. Es entstand vermutlich in der Zeit zwischen 1501 und 1503. Der Bildhauer ist unbekannt, aber es gibt die Theorie dass es ein älterer Meister war der bereits die 1486 eingeweihte Münsterkanzel schuf. Dafür spräche auch der für die Entstehungszeit veraltete Stil der Darstellung.

Das Monument mit Kreuzigungsgruppe, römischen Soldaten, klagenden Heiligen und dem Verstorbenen im Zentrum, wurde beim Bildersturm 1529 wegen der Heiligenabbildungen mutwillig beschädigt. Danach spitzte man es flach um es unter einem Verputz zu verbergen. Erst im Jahr 1870 wurde es wieder gefunden. Das Grabmal ist einerseits ein Zeugnis spätgotischer Bildhauerei wie auch des Bildersturms 1529, und wird als solches bewahrt.


Beitrag erstellt 07.09.08

Anmerkungen:

[1] T.Arnet, Das Basler Münster, Kapitel "C. Südseite Rittergasse, Abschnitt "6. Reliefmonument für Wolfgang von Utenheim 1501, Basel, 2000, Seite 130

[2] A.Nagel, Grabmäler und Epitaphie des Münsters und seiner Kreuzgänge, Abschnitt "Neuzeitliche Epitaphien", Reihe Basler Münster, Basel, 2000, Seite 10

[3] A.Kaufmann-Hagenbach, Die Basler Plastik des fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhunderts, Basler Studien zur Kunstgeschichte, Band 10, Kapitel 2 "Die Steinplastik des 15. und frühen 16. Jahrhunderts", Basel, 1952, Seite 26

[4] T.Arnet, Das Basler Münster, Kapitel "C. Südseite Rittergasse, Abschnitt "6. Reliefmonument für Wolfgang von Utenheim 1501, Basel, 2000, Seite 131


Quellen:

Toni Arnet, Das Basler Münster, herausgegeben im Eigenverlag, Basel, 2000, ISBN 3-9521939-8-4, Seiten 130 bis 132

Anne Nagel, Grabmäler und Epitaphie des Münsters und seiner Kreuzgänge, Reihe Basler Münster, Herausgegeben von Berhardt Rothen im Auftrag der Münsterkommission, Basel, 2000, Seiten 10 und 11

Annie Kaufmann-Hagenbach, Die Basler Plastik des fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhunderts, Basler Studien zur Kunstgeschichte, Band 10, Verlag Birkhäuser Basel, Basel, 1952, Seite 26

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