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fragen zum alten basel
Neu erstellter Neptunbrunnen bei der Theaterpassage



Herr M. / 18. Oktober 2012:

In der Zeitung war etwas über den neu renovierten Neptun-Brunnen bei der Theaterpassage neben der Barfüsserkirche zu lesen. Können Sie mir mehr zu dem Brunnen sagen?

Antwort von altbasel.ch:

An sich haben die Zeitungen das Wesentliche bereits gesagt. Ich führe indes gerne hier nochmals die wichtigsten Punkte rund um den Brunnstock auf, der 1992 durch einen Vandalenakt in Brüche ging, nachdem er acht Jahre auf seinem Platz gestanden hatte.

neptunbrunnen 2012

Der neu erstandene Neptun-Brunnen beim Hans Huber Saal an der Theaterpassage im Oktober 2012. Der Sockel zeigt an den Seiten Fruchtbündel und hinten das Gegenstück zur Speimaske der Frontseite.

Alter Standort und Schöpfer des Neptunbrunnens

Wie schon aus der eingehauenen Jahreszahl auf der Fussplatte hervorgeht, stammt der originale Brunnstock aus dem Jahr 1706. In diesem Jahr wurde der Brunnen im Auftrag von Andreas Burckhardt-Thierry (1652-1731) erstellt. Er hatte es in Basel zum hohen Amt des Oberstzunftmeisters gebracht und 1705 den Mentlinhof am Münsterplatz 14 zu Lehen erhalten. Für diese Liegenschaft liess Burckhardt einen Brunnen in Auftrag geben, der im hinteren Hofteil aufgestellt wurde.

Der Brunnstock stellte Neptun mit Dreizack dar, einen Delphin bändigend. Ausgeführt wurde die Skulptur vom Binninger Steinmetz Balthasar Hüglin. Er hatte 1677 bereits den Caritasbrunnen im Waisenhaus geschaffen, und ihm wird auch der 1672 errichtete Webernbrunnen in der Steinenvorstadt zugeschrieben. Im Treppenhaus des heutigen Zunfthauses zu Safran erinnert heute noch eine kunstvolle Kartusche von 1703 an einem Umbau des alten Zunfthauses.

Der Lokalhistoriker Paul Koelner (1878-1960) erwähnt in seinem Werk "Basler Zunftherrlichkeit" im Zusammenhang mit diesem Umbau der Safranzunft Balthasar Hüglin als Verantwortlichen der Sanierung. Zugleich spricht er ihn als städtischen Werkmeister an. Die erwähnte Kartusche habe Hüglin zum Abschluss der Bauarbeiten ins Mauerwerk eingelassen. Der Neptunbrunnen im Mentelinhof ist Hügelins Spätwerk. Eines das allerdings ein älteres Vorbild haben dürfte.

Vorbild Schmiedehofbrunnen?

Im Schmiedehof entstand 1650 ein anderer Brunnen, welcher ebenfalls einen nackten Neptun zeigt der einen Delphin bändigt. Auffällig ist, dass sich die nackten Herren in Pose und Erscheinung frappant ähnlich sind. Bloss ist der Neptun von 1650 etwas anspruchsvoller geschaffen. Dass er das Vorbild für Hügelins 56 Jahre später entstandenen Stock des Neptun-Brunnens sein könnte ist nicht auszuschliessen. Ein vergleichender Blick auf beide legt diesen Schluss sehr nahe.

vergleich brunnen schmiedehof

Ein Vergleich des Neptunbrunnens von 1706 (links) und des Schmiedehofbrunnens von 1650 (rechts) zeigt auffällige Ähnlichkeiten; besonders deutlich beim Delphin. Möglicherweise diente der ältere Brunnen als Vorbild des jüngeren.

Als 1888 das Gymnasium am Münsterplatz durch einen Neubau erweitert wurde, war es nötig den Brunnen von seinem Standort im Hof der Liegenschaft Münsterplatz 14 zu entfernen. Er wurde daher dem Historischen Museum Basel geschenkt, welches einige Jahre später in die Barfüsserkirche einzog. Mit einem 1893 geschaffenen neuen Trog bekam der Neptunbrunnen einen Platz im Garten des Museums. Erst 1984 erhielt er seinen Standort beim Hans Huber-Saal.

Zerstörung und Neuschaffung

Ein junger Mann der auf dem Brunnstock kletterte beschädigte 1992 den betagten Neptun schwer. Die Trümmer der Statue wurden im Depot des Historischen Museums aufbewahrt, während man darüber nachdachte sie zu reparieren. Schliesslich entschied man sich zur Anfertigung einer Kopie. Der Riehemer Bildhauer Aldo Pozzi schuf gemeinsam mit der Restauratorin Andrea Amrein ein von den Industriellen Werken Basel in Auftrag gegebenes Replikat der Skulptur.

Nachtrag 25.02.2017

Wegen den Umbauarbeiten am Stadtcasino ist der Neptunbrunnen beim Hans Huber-Saal inzwischen entfernt worden. So hat der frisch erstandene Neptun nur ein paar Jahre den Platz einnehmen dürfen, den sein Vorgänger bis 1992 besetzte. Bloss dass nun nicht nur der Meeresgott, sondern auch gleich der restliche Brunnen verschwunden ist.




Beitrag erstellt 23.10.12 / nachgeführt 25.02.17

Quellen:

Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 62 (Caritasbrunnen), 65 und 66 (Neptunbrunnen), 67 (Schmiedehofbrunnen), 71 und 73 so wie Seite 81

Paul Koelner, Basler Zunftherrlichkeit, Verlag Birkhäuser, Basel, 1942, Seite 135 (Umbau Safranzunft durch Balthasar Hüglin)

Paul Koelner, Die Safranzunft zu Basel und ihre Handwerke und Gewerbe, herausgegeben von E. E. Zunft zu Safran, Verlag Benno Schwabe & Co, Basel 1935, Seiten 79, (Umbau Safranzunft durch Balthasar Hüglin), 501 (Hans Bär der ältere) und 586 (Hans Bär der jüngere)

Brigitte Meles, Beitrag "Münsterplatz 14", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7 (Altstadt Grossbasel I), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2006, ISBN 3-906131-84-X, Seite 64 Spalte 2 so wie Anmerkungen 343 und 345, Seite 544 Spalte 1

Div. Autoren, ckdt. (Basel) - Streiflichter auf Geschichte und Persönlichkeiten des Basler Geschlechts der Burckhardt, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1990, ISBN 3-85815-204-8, Seite 96 (zu Andreas Burckhardt-Thierry)

Medienmitteilung der IWB vom 16.10.2012, im Internet unter http://www.iwb.ch/de/medien/aktuell.php?ID_news=495

engel

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