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Brandolfsbrunnen und St.Brandankapelle in Basel



Herr H. / 20. März 2011:

Mein Schatz fragte mich ob ich wisse wo der Brandolfbrunnen in Basel zu finden ist oder einmal war? Vielleicht können Sie uns weiter helfen?

Antwort von altbasel.ch:

Die St.Brandankapelle

Um mehr über den längst verschwundenen Brandolfsbrunnen zu erfahren, muss man sich zuerst mit dem Gotteshaus befassen das ihm seinen Namen gab. Am Blumenrain befand sich die Kapelle von St.Brandan. Dieser irische Heilige, im deutschen Sprachraum auch St.Brandolf genannt, lebte im 6. Jahrhundert. Der Kunsthistoriker Casimir Hermann Baer (1870-1942) vermutete, dass der Kult um St.Brandan im 7. Jahrhundert, in den Zeiten der irischen Missionare, nach Basel gelangt war.
[1]

Baer will die Möglichkeit nicht ausschliessen, dass an der Stelle der Brandanskapelle ein älteres Gotteshaus aus dem 4. Jahrhundert könnten gestanden haben, welches später neu dem irischen Heiligen geweiht wurde. Diese These formulierte Baer um einer nicht nachvollziehbaren Quelle Rechnung zu tragen, welche von einer Existenz der Kapelle für 376 spricht.
[2] Im 13. Jahrhundert tritt das Gotteshaus deutlicher in Erscheinung. Eine Nennung um 1219 sorgt indes für Irritation.

der blumenplatz wo die kapelle stand

Rot hervorgehoben der Blumenplatz um 1640, der entstand als Ende des 16. Jahrhunderts der Gasthof zur Blume (in dem nach der Reformation die Brandankapelle aufgegangen war) abgerissen wurde. 1 Rheintor an der Schifflände 2 Fischmarkt 3 Blumenplatz wo im Mittelalter die Kapelle St.Brandan stand.

Ein Vergleich zwischen den Leutpriestern St.Peters und den Johannitern erwähnt im Juli 1291 eine Kapelle des heiligen Niklaus. Diese gehörte den Johannitern und lag im Territorium der Gemeinde von St.Peter. Baer vermutete 1941 dass es sich um St.Brandan handelte; nach einem Zerfall renoviert und mit neuem Patron versehen.
[3] Dieser bereits 1894 [4] auftretenden Theorie widersprach 1907 Rudolf Wackernagel (1855-1925), der die Kapellen für "kaum identisch" hielt. [5]

Hingegen strich 1972 der Historiker Guy Paul Marchal (geboren 1938) in seinem Werk zu den Statuten des Weltlichen Kollegiatstifts St.Peter eine zusätzliche Notiz zur bereits genannten Urkunde vom Juli 1291 heraus. Diese Notiz stamme spätestens vom Anfang des 14. Jahrhunderts, und belege mit der ergänzenden Aussage "littera super cappellam sancti Prendani" dass St.Brandan und St.Niklaus ein und dasselbe Gotteshaus seien.
[6] Der alte Name blieb weiterhin gebräuchlich.

Noch um 1500 wird bei einer Hausbeschreibung die anstossende "sant Brandolffs capellen" genannt.
[7] In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts büsste die Kapelle St.Brandans zunehmend an Bedeutung ein. Nach der Reformation verlor das kleine Gotteshaus seinen Kultstatus. Es wurde profanisiert und benachbarten Liegenschaften einverleibt. Beim Verkauf des Gasthofes zur Blume im Oktober 1550, wurde St.Brandan zur veräusserten Liegenschaft mitgerechnet. [8]

Der Brandolfsbrunnen

Die nach der Reformation eingegangene Kapelle wurde zur Namensgeberin für einen Brunnen. Dessen Quelle befand sich in jenem Haus das 1244/45 als "in vico crucis dictam zem Blumen" urkundlich erscheint.
[9] Im Komplex der Liegenschaft zur Blume sollte wie erwähnt später auch die Kapelle aufgehen. Der sich bei diesem Haus befindende Sodbrunnen existierte schon als die St.Brandankapelle noch als Gotteshaus genutzt wurde. Eine Urkunde vom September 1387 nennt den Brunnen:

"...uff der eggenschaft des mittelnteils als es vorziten unterscheiden was das hauses so man nempte zem Blumen so gelegen ist in der stat ze Basel, ze nechste nebent sant Brandolfs brunnen..."
[10]

Im 16. Jahrhundert wird vom "S.Brandolfsbrunnen" geschrieben, dass seine gegen die Hangseite entspringenden Wasser "lieblich" wären. Noch im 18. Jahrhundert lobte Johann Jakob Spreng (1699-1768) rückblickend die herausragende Qualität des Wassers. Allerdings war der Brunnen zu diesem Zeitpunkt bereits Vergangenheit.
[11] Der einst ungefähr gegenüber des heutigen Hotels Trois Rois gelegene Brandolfsbrunnen ging im Jahr 1725 ein. [12] Nichts erinnert heute mehr an ihn.

Zusammenfassung

Obwohl es Theorien über eine Existenz zu spätantiken Zeiten gibt, ist anzunehmen dass die Kapelle des irischen Heiligen Brandan (auch "Brandolf" frühstens auf das 7. Jahrhundert zurückgeht. Das kleine Gotteshaus lag am heutigen Blumenrain (etwa auf dem Areal vis à vis Hotel Trois Rois). Eine urkundliche Nennung 1219 zeigt dass die Brandankapelle den Johannitern unterstand. Die damalige vorübergehende Bezeichnung (Umweihung?) als Kapelle des St.Niklaus setzte sich nicht durch.

Nach der Reformation wurde die Kapelle aufgehoben und ging im Gebäudekomplex des Gasthofes zur Blume auf, der seinerseits Ende des 16. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Damit verschwanden die letzten Gebäudereste der St.Brandankapelle, und an ihrer Stelle entstand der Blumeplatz (heute wieder verschwunden). Beim im 13. Jahrhundert erstmals genannten Haus zur Blume befand sich auch der 1387 erwähnte Brandolfsbrunnen. Im Keller der Blume lag die Quelle des 1725 aufgehobenen Brunnens.


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Beitrag erstellt 23.03.11

Anmerkungen:

[1] C.H. Baer, Abschnitt "Allgemeines", Beitrag "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, Basel, 1941, Seite 283

[2] C.H. Baer, Beitrag "Des heiligen Brandan Kapelle und Legende in Basel", publiziert im Basler Jahrbuch 1939, Basel, 1938, Seite 35

[3] C.H. Baer, Abschnitt "Geschiche und Baunachrichten", Beitrag "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, Basel, 1941, Seiten 283 und 284

[4] J. Bernoulli, Abschnitt "1. Älteste Geschichte", in Beitrag "Die Kirchgemeinden Basels vor der Reformation, Teil 1", publiziert im Basler Jahrbuch 1894, Basel, 1894, Seite 230

[5] R. Wackernagel, Anmerkung zu Seite 116 (St.Brandan), publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 1, Basel, 1907, Seite 617

[6] G.P. Marchal, Urkunde Nummer 1, in Unterabschnitt "a - Die Organisation des Stifts", in Abschnitt "II. - Das Statuarium von St.Peter", in Teil "C - Der Text", publiziert in Die Statuten des Weltlichen Kollegiatstifts St.Peter in Basel, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, Band 4, Basel, 1972, Seite 225, so wie Anmerkung 1, Seite 226

[7] C.H. Baer, Abschnitt "Geschichte und Baunachrichten", Beitrag "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, Basel, 1941, Seite 284 so wie Anmerkung 7 ebenda, Bezug nehmend auf Fertigungsbuch 1500, Gerichtsarchiv B, Staatsarchiv Basel-Stadt

[8] C.H. Baer, Abschnitt "Geschichte und Baunachrichten", Beitrag "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, Basel, 1941, Seite 284 so wie Anmerkung 9 ebenda, Bezug nehmend auf Fertigungsbuch 1500, Gerichtsarchiv B, Staatsarchiv Basel-Stadt

[9] R. Wackernagel/R. Thommen, Urkunde 177, publiziert in Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 1, Basel, 1890, Seite 123, Zeilen 23 bis 24

[10] C.H. Baer, Anmerkung 7, Abschnitt "Lage und Bauentwicklung", Beitrag "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, Basel, 1941, Seite 286, Bezug nehmend auf Peter Urk. 685, Staatsarchiv Basel-Stadt

[11] C.H. Baer, Beitrag "Des heiligen Brandan Kapelle und Legende in Basel", publiziert im Basler Jahrbuch 1939, Basel, 1938, Seite 34

[12] A. Burger, Beitrag "Historische Brunnstätte Nr.1: Blumenplatz", in Kapitel 1 "Trinkwasserversorgung im ältesten Basel", publiziert in Brunnengeschichte der Stadt Basel, Basel, 1970, Seite 5


Quellen:

Casimir Hermann Baer, "Die St.Brandankapelle", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1941, Seiten 283, 284

Casimir Hermann Baer, Beitrag "Des heiligen Brandan Kapelle und Legende in Basel", publiziert im Basler Jahrbuch 1939, herausgegeben von Ernst Jenny und Gustav Steiner, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1938, Seiten 35,

Johannes Bernoulli, Beitrag "Die Kirchgemeinden Basels vor der Reformation, Teil 1", publiziert im Basler Jahrbuch 1894, herausgegeben von Albert Burckhardt, Rudolf Wackernagel und Albert Gessler, Verlag von R. Reich, Basel, 1894, Seite 230

Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seite 5

Daniel Albert Fechter, "Topographie mit Berücksichtigung der Cultur- und Sittengeschichte", publiziert in Basel im vierzehnten Jahrhundert, herausgegeben von der Basler Historischen Gesellschaft, H.Georg's Verlag, Basel, 1856, Seite 91

Guy Paul Marchal, Die Statuten des Weltlichen Kollegiatstifts St.Peter in Basel, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, Band 4, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt AG, Basel, 1972, Seiten 225 und 226

Rudolf Wackernagel/Rudolf Thommen, Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 1, herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, C.Detloffs Buchhandlung, Basel, 1890, Seite 123

engel

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