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Die Clarakirche und das Basler Clarissenkloster
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Claraplatz / Claragraben / Rebgasse lageplan

Tram / Bus - Claraplatz


Die alte Niederlassung der Sackbrüder

Das heutige Gotteshaus St.Clara ist kein rein mittelalterliches Bauwerk. Grosse Teile davon entstanden erst im 19. Jahrhundert. Der Claraplatz erinnert mit seinen Namen noch heute an den Orden der Clarissen, der hier in einem eigenen Kloster ansässig war. Der Basler Konvent nahm hauptsächlich Töchter vornehmer Herkunft aus adligen oder bürgerlichen Familien auf.

Die Clarissen waren nicht der erste Konvent, der sich hier niederliess. Zuvor diente das Kloster als Basler Sitz des Ordens der Sackbrüder. Die Angehörigen des Eremitenordens (auch als Bussbrüder Christi bekannt), widmeten sich der Pflege bei abstossenden Krankheiten. Sie hatten sich das Tragen von Kutten aus rauhem Sackstoff auferlegt, worauf ihr Name zurückging.

Die Sackbrüder erscheinen bereits 1216 in Saragossa, und hatten in Kleinbasel ein Kloster bis ihr Orden 1275 von Papst Gregor X. (1210-1276) aufgehoben wurde. Die Niederlassung war klein und lag am Ende der von der Rheinbrücke kommenden Gasse. Sie verfügten über eine bescheidene Hofstatt, die 1268 durch eine Schenkung der Hedwig, Frau des Heinrich Brotmeister erweitert wurde.

fassade der clarakirche

Westfassade von St.Clara, mit dem 1867 im Giebel angebrachten Ziffeblatt der Uhr des Kleinbasler Bläsitors, welches im Juli des selben Jahres abgerissen wurde.

Die Clarissen ziehen nach Kleinbasel

Der Basler Bischof Heinrich von Isny (1222-1288) war dem Orden der Clarissen im Kloster Gnadental in der Spalenvorstadt wohlgesonnen. Er überliess dem Konvent 1279 das verwaiste Kloster der Sackbrüder, so dass die Nonnen nach Kleinbasel übersiedelten. Der Orden hatte sich der absoluten Armut verschrieben. Die Clarissen trugen ein grobes Wollkleid mit schwarzem Schleier.

Wer dem Konvent beitreten wollte, musste keine Einkaufssumme entrichten, denn dies hätte den Ordensidealen widersprochen. Allerdings zeigten gerade Damen von Stand die den Schleier nahmen beim Eintritt gerne ihren Status mit einer stattlichen Mitgift. Der Tagesablauf folgte einem exakten Plan, dessen Hauptpensum in der Verherrlichung Gottes im Gebet bestand.

Besonders wichtig war das Beten für das Seelenheil der weltlichen Gönnerschaft des Ordens. Diese unterstützten das Kloster, und konnten im Gegenzug Fürbitte für ihre Seelen erwarten. Unter den Gönnern der Clarissen fanden sich zum Beispiel die Herzöge von Österreich, welche als Beschützer des Ordens auftraten. Das Armusdgelübde wurde im Kloster zunehmend missachtet.

Einige der vornehmen Damen wollten als Nonnen nicht auf Privilegien ihres Standes verzichten, und brachten Dienerinnen mit. Dennoch waren die Clarissen als demütig und bescheiden bekannt. Als erste Äbtissin des Klosters ist Schwester Mechthild ("swester Maehtilt") überliefert. Heinrich von Isny betraute die Franziskaner mit der Aufsicht über den Nonnenorden.

Dank der Unterstützung des Basler Bischofsstuhls konnten die Clarissen in Kleinbasel Fuss fassen. Die auch "Barfüsser" genannten Franziskaner stellten den Superior des Nonnenkonvents, der das Kloster überwachte. Die Franziskaner wirkten zugleich als Beichtväter der Clarissen, und waren dadurch stets über vieles unterrichtet, was den Konvent beschäftigte.

Neuerwerbungen und einflussreiche Unterstützung

Die Schwestern zu St.Clara arbeiteten von Beginn an darauf hin, ihren verstreuten Grundbesitz vor der Stadtmauer zu grossen, zusammenhängenden Stücken zu vereinigen. Besonders wünschten sie sich eigenes Teichwasser, und dazu eine Mühle. Für dieses Vorhaben gewannen sie die Unterstützung eines mächtigen Mannes - Heinrich von Ravensburg, genannt Brotmeister.

Er kontrollierte als reicher Beamter des Bischofs einen Grossteil der Teiche. Sein Sohn Ulrich war ab 1277 Unterschultheiss von Kleinbasel, und hatte ebenfalls viel Einfluss. Mit hilfreichen Beziehungen dieser Art, kamen die Clarissen zur "schöne Mühle" ausserhalb der Stadtmauer, inbegiffen des damit verbundenen Wasserrechts. Hinzu kam ein Stück eingehagtes Gartenareal.

Es war kaum alleine die Nachbarschaft zum Kloster, die hier eine tiefe Bindung schuf. Brotmeisters Sohn Ulrich hatte einen Schwager, den Frater Burchardus. Dieser gehörte wiederum dem Konversenhaus der Clarissen an, welches in der Zeit zwischen 1274 und 1280 ihre Schaffnei führte. Diese Verbindung war wohl eine der Stützen, auf denen Brotmeisters Freundschaft zu St.Clara ruhte.

Neuerwerbungen und einflussreiche Unterstützung

Mit dem neuen Besitz erlangten die Clarissen die Erlaubnis, den Mühlebach durch die Stadtmauer zur Hofstatt ihres Klosters zu leiten, sofern sie danach sein Wasser wieder dem alten Teich zuleiteten. Die Schwestern liessen einen Kanal durch Graben und Stadtmauer hindurch ausheben. Der Seitenarm durchfloss den Garten des Kloster, und wurde "minren tich" genannt.

Er floss durch Kleinbasel in Richtung des Rhein, und vereinigte sich kurz vor dem Einfluss in den Strom wieder mit dem alten Teich. Zugleich verlegten sie die "Blauesel-Mühle", die nunmehr dort stand, wo sich heute die Liegenschaft Teichgässlein 3 befindet. Mit den Jahren folgten weitere Erwerbungen. 1286 besass der Konvent viel Land innerhalb und ausserhalb der Stadtmauer.

Der Name "Claramatte" zeugt noch heute von diesem Besitz. Ihre Privilegien legten die Clarissen oft sehr weit aus, zum Nachteil und Ärger ihrer Nachbarn. Klagen gegen ihre Praktiken waren meist zwecklos, denn der Konvent genoss mächtigen Schutz. Erst als sein Protektor der Unterschultheiss starb, ware er genötigt Nutzungsverträge getreu einzuhalten.

ansicht des klosters im 17. jahrhundert
St.Clara um 1615 (Stadtmodell im Museum Kleines Klingental)

1 - Wirtschaftshof des Klosters an der Rebgasse / 2 - Langhaus der Clarakirche ohne 1531 abgerissenen Chor / 3 - Klosterhof/Friedhof, heute Claraplatz / 4 - 1531 erbautes Clara-Bollwerk / 5 - Nordflügel des Klosters mit Haus der Äbtissin / 6 - Klostergarten mit Gewerbekanal "minere Tich"

Streit wegen der Stadtmauer

Zwischen den Bürgern Kleinbasels und den Clarissen kam es vermehrt zu Streit. Wiederholt war die dicht hinter dem Kloster verlaufende Stadtmauer Anlass. Im Dezember 1287 musste Lütold II. von Röttelen (ca 1227-1316), Erzpriester Basels, einen Streit dazu schlichten. Um die Einhaltung ihrer Klausur zu sichern, bauten die Clarissen eine Mauer vom Kirchenchor zur Stadtmauer.

So war der Rondenweg, auf dem die Wachen ihre Patrouillen entlang der Mauer abschritten, auf der ganzen Länge des Klosters nicht mehr zugänglich. Kleinbasel war etwa um 1250 lediglich mit Gräben zum Schutz umschlossen. Die Stadtmauer der minderen Stadt war erst um 1287 vollendet, und in diese Zeit fiel der Streit. Der Konvent hatte auch mehrere Türen in die Mauer gebrochen.

Die Clarissen schufen sich dabei eigenmächtig Pforten, um ihre Güter vor der Stadt zu erreichen, ohne den langen Umweg über das Bläsitor machen zu müssen. Schliesslich errichteten sie entlang der Stadtmauer allerlei Lauben und andere Bauten die den Stadtgraben überspannten. Damit untergruben die Clarissen den Verteidigungswert der Stadtmauer.

Nutzlos war eine Stadtmauer, die nicht durch Wachen kontrolliert werden konnte, und die mit unbewachten Pforten versehen war. Das zornige Volk riss 1287 die Mauer zwischen Kirche und Stadtmauer nieder. Ein Vergleich billigte jedoch die Ansprüche des Klosters, erlegte ihm jedoch einige Pflichten dafür auf, so musste es den Rondenweg im Kriegsfall mit einem Tor zugänglich machen.

Der Umfang des Klosters

Das Klosterareal innerhalb der Kleinbasler Stadtmauer stellt sich wie folgt dar: Neben dem Gotteshaus war auf der Fläche des heutigen Claraplatzes der Kreuzgang mit Begräbnisplatz angebaut. Auf der anderen Seite, gegen die heutige Rebgasse hin, befand der Wirtschaftshof mit der Kaplanei, der Schaffnei, dem Backhaus sowie den Kellern, Ställen und Scheunen.

In der hinteren Klosterpartie an der Stadtmauer, wo sich heute der Claragraben erstreckt, lagen Gärten und Baumwiesen. Jenseits des Kreuzgangtrakts (am Claraplatz) war der Klostergarten. Durch ihn floss der abgeleitete Kanal des Klosters, und in diesem Garten lag auch das Haus der Äbtissin. Beim Teicheinlauf soll es auch ein Badhaus und ein Aborthaus gegeben haben.

Das Kloster war nicht von Beginn an so umfangreich. Vieles kam mit der Zeit hinzu, wobei die Bautätigkeit des 14. Jahrhunderts teilweise mangelhaft dokumentiert ist. Von zwei Bränden wird berichtet. Einer im Jahr 1327, der andere um 1354. Bei letzterem sei fast ganz Kleinbasel niedergebrannt, und das Kirchendach von St.Clara musste danach repariert werden.

Wie sehr das Kloster der Clarissen unter dem Erdbeben vom Lukastag 1356 gelitten hatte ist nicht bekannt. Fest steht, dass im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts das Schiff der Kirche neu gebaut wurde. Die um 1380 erwähnte Wiederherstellung des Gotteshauses ist vermutlich eher auf Schäden des Erdbebens als auf den Stadtbrand von Kleinbasel von 1354 zurückzuführen.

Die Nonnen zu St.Clara

Im 14. Jahrhundert begegnet man Töchtern nobler Familien im Konvent. Mit den Cousinen Sophie und Elisabeth erscheinen etwa zwei Vertreterinnen derer von Eptingen. Ebenfalls ist 1334 Susanna, eine Tochter des Georg von Hattstatt und der Elisabeth von Tierstein, als Nonne belegt. Auch Clara, die Tochter des Basler Bürgermeisters Henmann II. von Ramstein war Nonne zu St.Clara.

Es gab Fälle von Frauen, die wider ihren Willen ins Kloster geschickt wurden. Anna von Ramstein war die Cousine der Susanna von Ramstein, deren Vater im 15. Jahrhundert Basler Bürgermeister war. Sie sei bereits im Steinenkloster renitent gewesen, und war nach einem misslungenen Fluchtversuch nach St.Clara gebracht worden. Hier gelang ihr dann 1462 erfolgreich die Flucht.

Die 1357 erwähnte Nonne Katharina, war die Stieftochter Claus Berners des jüngeren. Verzeichnisse sagen, dass sie "den Juden genommen worden" worden sei. Bei einem Progrom vor der Pest 1349 wurden die jüdischen Einwohner Basels aus der Stadt verjagt oder getötet. Viele ihrer Kinder wurden den Familien gewaltsam entrissen, um sie dem christlichen Glauben zuzuführen.

Die vier Nonnen Agnes, Ennelin, Gredlin und Katharina von Hachberg hatten blaues Blut. Sie waren Töchter des Marktgrafen Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg (1343-1428) und Röteln und dessen Gattin Anna von Neuenburg (1374-1427). Drei der vier Geschwister sind den Verzeichnissen gemäss einer Seuche (Pestilenz) erlegen, die im Jahr 1419 Basel heimsuchte.

Reformversuche

Im 15. Jahrhundert kam der Verdacht auf, zu St.Clara habe die Ordenszucht zu wenig Gewicht. Papst Nikolaus V. (1397-1455) beauftragte im April 1452 die zuständigen Bischöfe von Basel und Konstanz mit Massnahmen. Vermutlich hatten einige Basler, die zur Krönung von Kaiser Friedrich III. (1415-1493) nach Rom pilgerten, beim Papst Klagen über die Clarissen vorgebracht.

Bemerkenswert ist, dass der Papst ein Jahr später die Massnahmen zur Stärkung der Ordenszucht zurücknahm. Er fiel damit dem Bischof von Basel in den Rücken, der begonnen hatte, in seinem Sinne Reformen durchzuführen. Wahrscheinlich hatten hier gute Verbindungen des Konvents zu wichtigen Familien ihre Wirkung entfaltet, und das Clarissenkloster vor Eingriffen bewahrt.

Auch der Rat Basels befasste sich mit dem Orden. Aber alle Versuche im Kloster einzugreifen scheiterten. 1503/04 wurde eine weitere Reform angeordnet, diesmal vom Rat. Äbtissin und Schaffner wurden abgesetzt und sechs Schwestern aus Villingen sollten die Umstrukturierung überwachen. Das Vorhaben hatte ungewollte Folgen, wie der Rat bald schon feststellte.

Die Zuzügerinnen hielten das Armutsideal hoch und nahmen viele Novizinnen bescheidenen Standes im Konvent auf. Somit blieben jene Spenden aus, die dem Kloster früher aus vornehmen Familien der Nonnen zukamen. Das Kloster verarmte zusehends, bis man die Reformerinnen wieder zurück nach Villingen schickte, und zur alten Selbstverwaltung zurückkehrte.

Das Ende des Kleinbasler Clarissenklosters

In den 1520er Jahren kündigte die Reformation an, als erste Nonnen begannen aus dem Konvent auszutreten. Der Rat setzte zudem 1525 zwei Pfleger für das Kloster ein, was einer Bevormundung gleichkam. Der vom Bildersturm verwüstete Konvent war schliesslich 1529 zu geschwächt, um weiter gegen den Willen einer feindseligen gewordenen Bürgerschaft existieren zu können.

Einige Clarissen flohen nach Freiburg im Breisgau. Andere traten, ermutigt von der Stadt, aus dem Orden aus und heirateten. Am 4. Dezember 1529 übergaben schliesslich die Äbtissin Barbara Giebin und ihre Stellvertreterin Barbara Glein Rechberger das Kloster an die Stadt. Die letzten Nonnen verliessen damit nach 250 Jahren die Kleinbasler Niederlassung des Clarissenordens.

Von Barbara Griebin ist bekannt, dass sie kurz nach der Übergabe des Klosters eine Pension und eine Wohnung von der Stadt erhalten hat. Den meisten Nonnen waren offenbar von der Stadt solche Zuwendungen versprochen worden, um die Übernahme des Klosters voranzutreiben. Basel übernahm die Besitztümer von St.Clara, verwaltete sie und zog Zinsen draus ein.

Der Ostflügel des Klosters wurde 1531 für den Bau des Clarabollwerks an der Stadtmauer abgerissen. 1534 wies die Stadt den Frauen des ebenfalls aufgehobenen Schwesternhauses Engeltal in Muttenz Wohnungen im früheren Konvent zu. 1559 wurden hier auch Glaubensflüchtlinge aufgenommen, die vor der Herrschaft der katholischen Maria I. Tudor (1516-1558) aus England flohen.

Die Klosterkirche des Mittelalters

Die Klosterkirche der Clarissen sah anders aus, als das heutige Gotteshaus am Claraplatz. Es ist anzunehmen, dass bei zahlreichen Bau- und Sanierungsarbeiten im Kloster während des zweiten Viertels des 14. Jahrhunderts, auch am Ausbau der Kirche gearbeitet wurde. In diese Zeit fällt die Erweiterung des Chors. Dieser war damals mit 30,5 Meter halb so lang wie die gesamte Kirche.

Der heutige kleine Gewölbechor von St.Clara, mit der Sakristei am Claragraben, geht nicht auf den alten Nonnenchor des Klosters zurück. Er ist vielmehr eine Neuschöpfung des Um- und Neubaus von 1858/61. Der alte Chor wurde bereits im Jahr 1531 abgebrochen, um Platz für das an seiner Stelle errichtete Clarabollwerk an der Stadtmauer zu schaffen, von dem bereits die Rede war.

Der Errichtung dieses Bollwerks wurde auch der Ostflügel des Klosters geopfert. 1854 musste das Werk einer Strasse weichen. Diese sollte zum geplanten Badischen Bahnhof am heutigen Riehenring führen. 1974 kamen südlich des neuen Chors Reste des Bollwerks ans Tageslicht. Das Langhaus der Kirche blieb bei den erwähnten Bauarbeiten des 14. Jahrhunderts unverändert.

Erst nach dem Erdbeben 1356 wurde das Schiff neu gestaltet. Vielleicht hatte der neue Chor das Beben überstanden, während das alte Langhaus den Erdstössen nicht mehr gewachsen war. Die Kirche erfuhr in den folgenden Jahrhunderten keine tieferen Veränderungen mehr. Eine Renovation fand im Jahr 1728 statt, dabei wurde der Lettner erneuert und das Gotteshaus bekam eine neue Kanzel.

Wechselhafte Zeiten bis ins 19. Jahrhundert

Die kleine Orgel wurde 1738 überholt. Dieses Instrument stand auf dem so genannten Orgellettner an der östlichen Giebelwand. Die lange vernachlässigte Partie drohte 1770 einzustürzen. Dies verhinderte man kostenbewusst mit dem Aufstellen hölzerner Stützbalken. 1781/83 folgten diverse Sanierungen. So gab es neue Kirchentüren, und die marode Holzdecke wurde repariert.

Mit den Umwälzungen der Helvetik erlaubte man 1798 der katholischen Gemeinde die Mitnutzung des Gotteshauses. Während die Allierten 1813/14 gegen Napoleon durch Basel zogen, diente die Kirche als Magazin für die russischen Truppen. Sie hinterliessen St.Clara in ruinösem Zustand. Daher musste das Gotteshaus 1816 mit einigen Kosten saniert werden.

Nach der Erneuerung konnten wieder Katholiken und Reformierte in der Clarakirche Gottesdienste abhalten. Die katholische Gemeinde bat im Jahr 1838 vergebens wegen Platzmangels um den Anbau eines neuen Chors. 1844 liess die Eisenbahnkommission verlauten, dass eine Streckenführung einer Badischen Bahnlinie bis an die Stadtmauer zwingend den Abriss St.Claras erforderte.

Das Vorhaben wurde zurückgewiesen, da es weder für die katholischen Gottesdienste, als auch für die refomierten Wochengottesdienste in Kleinbasel anderen Lokale gab. Im Jahr 1846 war offensichtlich, dass eine Renovation Not tat. Drei Jahre später beklagte die gewachsene katholische Gemeinde, dass die Kirchgänger mittlerweile kaum noch Platz im Gotteshaus fänden.

Kirchenneubau und weitere Renovationen

Ab 1853 wurde St.Clara ausschliesslich der katholische Gemeinde zur Nutzung überlassen. Die Kirche war jedoch damals derart heruntergekommen, dass man einen Neubau beschloss. Von 1858/60 wurde die Kirche neu gebaut, wobei sie das Aussehen bekam, welches sie sich bis heute bewahrt hat. Das alte Langhaus wurde verlängert und mit einem kurzen Gewölbechor ergänzt.

St.Clara wurde damit etwas länger, als vor dem Abriss des Nonnenchors 1531. Einige Partien der Westfassade und der Südwand, sowie vier Mittelpfeiler des alten Baues fanden Verwendung in der neuen Kirche. Der Basler Bauinspektor Amadeus Merian (1808-1889) erstellte das Gotteshaus mit vier Arkaden und einem polyganen Chor nach weitgehend historischem Vorbild.

Innenausbau und Ausstattung entstanden vollkommen neu. Ein bemerkenswertes Detail hat das Dach des alten Langhauses aufzuweisen. Die hölzernen Dachpartien wurden an dieser Stelle vom mittelalterlichen Bauwerk übernommen und auf das umgestaltete Langhaus wieder aufgesetzt. Sogar die Dachlatten stammen noch aus den Tagen des Wiederaufbaus nach des Erdbebens von 1356.

Am Westgiebel der Kirche wurde im Jahr 1867 die Uhr des damals abgerissenen Bläsitors eingebaut. Das Zifferblatt der Toruhr ist heute noch zu sehen. Der Dachreiter wurde mit jenen Glocken versehen, die früher im Aeschentor und im Rheintor die Stunden schlugen. So vereinigte die neu entstandene Clarissenkirche die Relikte dreier verschwundener Basler Stadttore in sich.

Bereits zehn Jahre nach dem Umbau war die Kirche erneut zu klein geworden. Bei gut besuchten Gottesdiensten musste jeder fünfte Kirchgänger stehen. In einer Volksabstimmung wurde 1909 die Trennung von Kirche und Staat beschlossen. In der Folge wurde auf Januar 1910 das Gotteshaus St.Clara nach einer Aussenrenovation formell an die katholische Gemeinde abgetreten.

Von 1934/35 wurde St.Clara erneut renoviert. Das meiste der Innenausstattung ersetzte man, und die Chorfenster erhielten Glasmalereien nach den Entwürfen von Giuseppe Scartezzini (1895-1967). 1974, war eine neue Renovation erforderlich, um die Kirche den Ansprüchen der Zeit anzupassen. 2009 erfolgte eine tiefgreifende Renovation, welche die alte Gestaltung beibehielt.

verschieden alte teile der clarakirche

Die auf alten Fundamenten neu erbaute Clarakirche von 1858/60. Rot: Der als Verlängerung angefügte Teil des Langhauses. Grün: Neuer Gewölbechor am Claragraben wo der 1531 abgerissene Nonnenchor endete. Über 300 Jahre hatte die Kirche nur die Grösse der nicht eingefärbten Partie.

Der Äbtische Hof / die Schettyhäuser

Während ein Teil des Kreuzganges der Clarissen im 18. Jahrhundert abgerissen wurde, überlebte ein mittelalterlicher Hauptflügel der ehemaligen klösterlichen Klausurbauten in neuer Gestalt. Nach Plänen des Basler Architekten Samuel Werenfels (1720-1800) wurde dieses Gebäude um 1747 zu einem Barockhaus umgebaut, welches als der "Äbtische Hof" bekannt wurde.

Beim Abbruch der Liegenschaft 1951 kam an den Tag, dass man lange irrtümlich annahm, der Bau seit 1747 vollständig neu entstanden. Vermauerte gotische Masswerkfenster in den Mauern und ein alter Dachstuhl offenbarten, dass der im 19. Jahrhundert wiederholt umgebaute Äbtische Hof bis zuletzt überlebende Bauteile des ehemaligen Clarissenklosters in sich barg.

Im 19. Jahrhundert gelangte der Äbtische Hof in den Besitz des Seidenfärbers Joseph Schetty (1824-1894), der sich aus einfachsten Verhältnissen zum reichen Fabrikanten emporgearbeitet hatte. 1873 konnte er das Doppelhaus erwerben, welches nach ihm künftig "Schetty-Häuser" benannt wurde. Er liess rund um sein Anwesen diverse Bauten für seine Färberei errichten.

Eine Fussnote sind die Geistergeschichten um den Äbtischen Hof. Als der Seidenfärber mit seiner Familie hier lebte, soll der so genannte "Graue" in barocker Kleidung den Töchtern des Hausherrn erschienen sein. Auch Schetty selbst soll kurz nach seinem Tod gespukt haben. Die Haushälterin habe ihren verblichenen Dienstherrn in seinem Büro am Schreibtisch sitzend angetroffen.

Was Greifbares von Schetty blieb, ist das Wetterhäuschen, welches er Kleinbasel 1891 schenkte. Es hat sogar den Äbtischen Hof, beziehungsweise die Schettyhäuser überlebt. Diese wurden wie erwähnt 1951 abgebrochen. Am ihrer Stelle bauten die Architekten Rickenbacher, Baumann und Tittel jenen Neubau gegenüber der Kirche, der heute noch den Claraplatz wesentlich prägt.

die ehemaligen schettyhaeuser am claraplatz

Aufnahme der 40er Jahre (Nachlass Lucas Frey). Hervorgehoben im Hintergrund der 1951 abgerissenen Äbtischen Hof. Ganz rechts erkennt man die Clarakirche. Der Brunnen links steht seit 1955 beim Augenspital am St.Johannsring.

Zusammenfassung

Die Kirche St.Clara in Kleinbasel geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Zuerst hatte sich dort der Konvent der Sackbrüder niedergelassen, bis der Orden 1275 vom Papst aufgelöst wurde. Der Bischof von Basel überliess das leerstehende Kloster dem Orden der Clarissen, die zuvor in der Spalenvorstadt ein Niederlassung hatten. Sie zogen nach Kleinbasel und begründeten St.Clara.

Der Konvent hatte wohlhabende Gönner, und auch unter den Nonnen von St.Clara gab es Frauen nobler Herkunft. Das Kloster wuchs und konnte stetig seinen Besitz ausweiten. Die strenge Ordensregel wurde aufgeweicht von vornehmen Nonnen, die sich etwa eigene Dienerinnen hielten. Auch schuf sich der Nonnenorden mit Eigenmächtigkeiten Feinde unter seinen Kleinbasler Nachbarn.

Anlass für Streitigkeiten gaben etwa Baumassnahmen des Klosters an der anstossenden Stadtmauer. Da wurde zu Beispiel der Stadtwache der Zugang verwehrt, oder das Kloster schlug eigenmächtig Pforten in die Mauer. Lange wurde der Konvent, dank einflussreicher Beschützer, für solche Dinge nicht zur Rechenschaft gezogen, was den Unmut der Nachbarschaft verstärkte.

Das Clarissenkloster umfasste neben Kirche, Kreuzgang und Unterkünften auch ein eigenes Backhaus, so wie Ställe und Scheunen, zur Bewirtschaftung der umfangreichen Ländereien im Besitz des Konvents. Bei einem Feuer 1327, dem Kleinbasler Stadtbrand um 1354 und dem Erdbeben 1356 nahmen die Gebäude wiederholt Schaden. Bauarbeiten begleiten die Klostergeschichte.

Unter den Nonnen von St.Clara waren nicht nur Frauen die aus eigenem Willen ins Kloster gegangen waren. Zuweilen wurden auch einige zum Klosterleben gezwungen, wie im Falle der Anna von Ramstein. Ferner ist eine Nonne belegt, die als Kind bei der Judenverfolgung 1348 ihrer jüdischen Familie weggenommen und ins Kloster geschickt wurde, um sie zur Christin zu machen.

Um die mutmasslich missachtete Ordenszucht wiederherzustellen, ordnete der Papst 1452 Reformen im Kleinbasler Clarissenkloster an. Wohl dank guter Beziehungen wurden die Massnahmen bald wieder aufgehoben. Ein Reformversuch des Rates 1503/04 scheiterte wiederum, weil dabei das Kloster fast ruiniert wurde, weshalb man zu alten Verhlätnissen zurückkehrte.

Schliesslich besiegelte die Reformation 1529 das Ende das Klosters. Die letzten Carissen übergaben es am 4. Dezember jenes Jahres der Stadt. Die meisten ehemaligen Nonnen bekamen wohl von der Stadt eine Pension, was ihnen den Klosteraustritt erleichtern sollte. Bald nach der Übernahme wurden Teile des Klosters für den Bau eines Bollwerks an der Stadtmauer abgerissen.

In den kommenden Jahrhunderten wurden Kirche und Kloster verschieden unterhalten und genutzt. Mit der Neuausrichtung des Staatswesens während der Helvetik, erlaubte das reformierte Basel seinen katholischen Einwohnern die Mitnutzung der Kirche St.Clara. Während der Napoleonischen Kriege kam das Gotteshaus stark herunter, so dass es 1816 saniert werden musste.

Nach langem vergeblichem Ersuchen, wurde schliesslich 1853 der katholischen Gemeinde die Clarissenkirche zur exklusiven Nutzung überlassen. Das allerdings zu klein gewordene Gotteshaus musste dafür 1858/60 tiefgreifend umgestaltet werden. St.Clara wurde auf die heutige Grösse ausgebaut, und bekam dabei zusätzlich einen kleinen Gewölbechor und ein verlängertes Langhaus.

Andere Teile des Klosters, wie etwa der Kreuzgang verschwanden mit der Zeit. Ein Teil überlebte lange in einem barocken Doppelhaus, welches im 18. Jahrhundert unter Einbezug mittelalterlicher Bauteile entstand. Die Liegenschaft, genannt "Äbtischer Hof", wurde ab 1873 "Schettyhäuser" genannt. Sie wurde 1951 abgerissen, womit ein letztes Klosterrelikt verschwand.




Beitrag erstellt 16.06.03 / überarbeitet 06.10.17

Quellen:

Casimir Hermann Baer, "Kirche und Kloster zu St.Clara", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1941, Seiten 290 bis 317

Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 140 bis 143

Albert Burckhardt-Finsler, "Basels bauliche Entwicklung im 19. Jahrhundert - II. 1850- 1860", publiziert in Basler Jahrbuch 1903, herausgegeben von Albert Burckhardt, Rudolf Wackernagel und Albert Gessler, Verlag von R. Reich, Basel, 1903, Seiten 225 bis 226

Veronika Gerz-Von Büren, Die Geschichte des Clarissenklosters St.Clara in Kleinbasel 1266 - 1529, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, Band 2, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt AG, Basel, 1969

Dorothee Huber, Architekturführer Basel, herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, 2. Auflage 1996, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 37 und 363

Paul Koelner, Basler Friedhöfe, Verlag der National-Zeitung, Basel, 1927, Seiten 28 und 58

Thomas Lutz, Beitrag "Claraplatz", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 6, (Altstadt Kleinbasel), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2004, ISBN 3-906131-78-5, Seiten 305 bis 310

Christoph Philipp Matt, "2000/26 Claraplatz 6 (Clarakirche)"in "Fundchronik 2000", publiziert in Jahresbericht 2000 der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2001, ISBN 3-905098-32-06, ISSN 1424-4535, Seiten 71

Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 316 und 346 bis 347

Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seite 68

o.A. "Claragraben" in "C. Fundbericht", in Jahresbericht 1974 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt", publiziert in Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 75. Band, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1975, Seite 253

Mit freundlichem Dank an Herrn Dr.phil. Thomas Lutz von der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt, für zusätzlichen baugeschichtliche Hinweise zur Kirche und zum Äbtischen Hof

engel

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