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Kloster und Kirche St.Clara im Kleinbasel
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Claraplatzlageplan

Tramhaltestelle Claraplatz / Bushaltestelle Rebgasse

Die alte Niederlassung der Sackbrüder

Die heutige Clarakirche ist kein rein mittelalterliches Baudenkmal. Weite Teile von ihr zählen noch keine 150 Jahre, neu gebaut im 19.Jh. Der Claraplatz verdankt seinen Namen dem Orden der Clarissen, der hier in einem eigenen Kloster ansässig war. Die Schwestern nahmen in ihre Reihen hauptsächlich Töchter vornehmer Herkunft aus adligen oder bürgerlichen Familien auf.

Die Clarissen waren jedoch nicht die ersten die an diesem Ort ein Kloster bewohnten. Vor ihnen hatte sich hier der Orden der Sackbrüder niedergelassen. Der Eremitenorden, dessen Angehörige auch als Bussbrüder Christi bekannt waren, hatte sich nebst der Pflege der ekelerregensten Krankheiten auch das Tragen von Kutten aus rauhem Sackstoff auferlegt.

kloster um 1615

1 - Wirtschaftshof des Klosters an der Rebgasse
2 - Langhaus der Clarakirche ohne den 1531 abgerissenen Chor
3 - Vorhof zur Greifengasse hin
4 - Klosterhof/Begräbnisplatz, heute Tramhaltestelle
5 - Das 1531 erbaute Clara-Bollwerk
6 - Nordflügel des Klosters mit dem Haus der Äbtissin
7 - Klostergarten mit den Gewerbekanal "minere Tich"
Die Sackbrüder sind bereits 1216 in Saragossa nachgewiesen und hatten in Kleinbasel ein Kloster bis ihr Orden 1275 von Papst Gregor X. aufgehoben wurde. Die Ordensniederlassung war klein und lag am Ende der von der Rheinbrücke kommenden Greifengasse. Sie verfügten nur über eine bescheidene Hofstatt die 1268 durch eine Schenkung der Hedwig, Frau des Heinrich Brotmeister erweitert werden konnte.


Die Clarissen kommen nach Kleinbasel

Der Basler Bischof Heinrich von Isny fand am Clarissenorden die im Kloster Gnadental in der Spalenvorstadt ihren Sitz hatten, besonderen Gefallen. Er überliess ihnen 1279 folglich das verwaiste Kloster der Sackbrüder, so dass die Schwestern nun nach Kleinbasel kamen. Der Orden hatte sich der absoluten Armut verschrieben, seine Nonnen trugen ein grobes Wollkleid mit schwarzem Schleier.

Wer beitreten wollte musste eigentlich keine Einkaufssumme entrichten, denn dies hätte den Ordensidealen widersprochen. Allerdings zeigten gerade betuchte Damen die den Schleier nahmen beim Eintritt gerne ihren Status mit einer saftigen Mitgift. Der Tagesablauf folgte einem exakten Plan, dessen Hauptpensum in der Verherrlichung Gottes im Gebet bestand.

Besonders wichtig war das Beten für das Seelenheil der weltlichen Gönner/innen des Ordens, schliesslich hatten diese Herrschaften für ein bisschen Himmel in dieses Kloster investiert. Unter den Gönnern fanden sich beispielsweise die Herzöge von Österreich, welche als Beschützer des Ordens auftraten. Mit der absoluten Armut war das so eine Sache.

Einige der vornehmen Damen wollten auch als Nonnen nicht auf die Annehmlichkeiten ihres Standes verzichten - sie brachten Dienerinnen mit. Dennoch waren die Frauen zu St.Clara als demütig und bescheiden bekannt. Als erste Äbtissin des Klosters ist Schwester Mechthild ("swester Maehtilt") überliefert. Die geistliche Führung der Clarissen war 1245 durch den Papst den Minderbrüdern übertragen worden.

Anno 1279 beauftragte der Bischof von Basel die Barfüsser mit der Aufsicht des Ordens, der nun dank seiner Unterstützung in Kleinbasel Fuss fasste. Die Barfüsser stellten den Superior der Clarissen. Er war der geistliche Vater der Nonnen, ohne dessen Einverständnis überhaupt nichts lief. Darüber hinaus waren die Beichtväter der Schwestern ebenfalls Barfüsser.


Neuerwerbungen und eigener Kanal

Die Schwestern zu St.Clara arbeiteten von Anfang an darauf hin, ihren Flickenteppich von Grundbesitz jenseits der Stadtmauer zu grossen zusammenhängenden Stücken zu vereinigen. Besonders wünschten sie sich eigenes Teichwasser und dazu eine Mühle. Dafür gewannen sie das Wohlwollen eines mächtigen Mannes - Heinrich von Ravensburg, genannt Brotmeister.

Er kontrollierte als reicher Beamter des Bischofs einen Grossteil der Teiche, und sein Sohn Ulrich war ab 1277 Unterschultheiss von Kleinbasel und hatte ebenfalls viel Einfluss. Mit solchen Beziehungen kamen die Clarissen zur "schöne Mühle" ausserhalb der Stadtmauer mitsamt Wasserrecht und eingehagtem Gartenland als Supplement.

Es war wohl nicht bloss die Nachbarschaft zum Kloster die hier eine tiefe Bindung schuf. Des Brotmeisters Sohn Ulrich hatte einen Schwager, den Frater Burchardus. Dieser gehörte wiederum dem Konversenhaus der Clarissen an, welches in der Zeit zwischen 1274 und 1280 ihre Schaffnei führte. Die Verbindung war vermutlich eine der Stützen auf denen die brotmeisterliche Gunst für St.Clara ruhte.


Privilegien nach Gutdünken ausgelegt

Mit dem ganzen neuen Besitz verbunden erlangten sie die Erlaubnis, den Mühlebach durch die Stadtmauer zur Hofstatt ihres Klosters zu leiten, sofern sie danach sein Wasser wieder dem alten Teich zuleiteten. Die Schwestern liessen einen Kanal durch Graben und Stadtmauer hindurch ausheben, der ihren Garten durchfloss und "minren tich" genannt wurde.

Er durchfloss Kleinbasel in Richtung des Rheins, und vereinigte sich kurz vor dem Einfluss in den Strom wieder mit dem alten Teich. Damit verlegten sie die Mühle, genannt "Blauesel-Mühle", die nunmehr dort stand, wo sich heute die Liegenschaft Teichgässlein 3 findet. Mit den Jahren folgten weitere Erwerbungen und Schenkungen. 1286 besass St.Clara in Kleinbasel inner- wie ausserhalb der Mauern viel Land.

Von diesem Wohlstand zeugt heute der Name "Claramatte". Ihre Privilegien legten die Clarissen zuweilen sehr grosszügig aus, oft zum Nachteil und stets zum Ärger ihrer Kleinbasler Nachbarn. Klagen gegen ihre Praktiken waren vielfach zwecklos, das Kloster genoss mächtige Protektion. Erst als ihr Protektor der Unterschultheiss starb, waren die Clarissen genötigt Nutzungsverträge wieder einzuhalten, ohne kreative Auslegungen einzubringen.


Streit wegen der Stadtmauer

Zwischen den Bürgern Kleinbasels und den Nonnen zu St.Clara kam es vermehrt zu Streitigkeiten. Dabei war wiederholt die dicht hinter dem Kloster verlaufende Stadtmauer Gegenstand des Zwists. Im Dezember 1287 musste Lütold von Rötelen, Erzpriester Basels, einen Streit zu diesem Thema schlichten. Um die Einhaltung ihrer Klausur zu sichern, bauten die Clarissen eine Mauer vom Kirchenchor zur Stadtmauer.

So konnte der Rondenweg auf dem die Wachen ihre Patrouillen entlang der Mauer abschritten auf der ganzen Länge des Klosters nicht mehr begangen werden. Kleinbasel war etwa um 1250 lediglich mit Gräben zum Schutz umschlossen. Die landseitige Stadtmauer der minderen Stadt war erst um 1287 vollendet, und in diese Zeit fiel der Streit.

abgerissener fluegel

Die Westfassade, wo grosse Teile der mittelalterlichen Kirche beim Neubau von 1858/60 übernommen wurden. Man kann im Giebel das 1867 angebrachte Ziffeblatt der Uhr des heute verschwundenen Bläsitors sehen. Der Platz vor dem Eingang war einst vom Vorhof umgeben.
Auch hatten die Klosterfrauen mehrere Türen in die neue Stadtmauer gebrochen, um ihre Güter vor der Stadt zu erreichen ohne den langen Umweg über das Bläsitor machen zu müssen. Schliesslich errichteten sie entlang der Stadtmauer allerlei Lauben und andere Bauten die den Stadtgraben überspannten. Mit ihrem Tun untergruben die Clarissen den Verteidigungswert der Stadtmauer.

Was nützte eine Stadtmauer, wenn sie nicht durch Wachen kontrolliert werden konnte und mit unbewachten Türlein durchlöchert war? Das Volk war verärgert und riss 1287 die Mauer zwischen Kirche und Stadtmauer nieder. Ein Vergleich billigte jedoch die Ansprüche des Klosters, erlegte ihm jedoch einige Pflichten im Ausgleich dafür auf, so musste es den Rondenweg im Kriegsfall mit einem Tor zugänglich machen.


Ausdehnung des Klosters

Das Klostergebiet innerhalb der Stadtmauer stellt sich wie folgt dar. Neben der Kirche war auf der Fläche des heutigen Claraplatzes der Kreuzgang mit Begräbnisplatz angebaut. Auf der anderen Seite, gegen die heutige Rebgasse hin, stand der Wirtschaftshof mit der Kaplanei, der Schaffnei, dem Backhaus sowie den Kellern, Ställen und Scheunen.

Die hintere Partie gegen die Stadtmauer zu, wo sich heute der Claragraben erstreckt, lagen Gärten und Baumwiesen. Jenseits des Kreuzgangtrakts (am Claraplatz) lag der Klostergarten. Durch ihn floss der abgeleitete Kanal des Klosters und in diesem Garten lag auch das Haus der Äbtissin. Beim Teicheinlauf soll es auch ein Badhaus und ein Aborthaus gegeben haben.

Das Kloster umfasste nicht von Beginn an einen derart umfangreichen Gebäudekomplex. Vieles kam mit der Zeit hinzu, wobei sich leider die Bautätigkeit im 14.Jh teilweise nur mangelhaft dokumentieren lässt. Es wird von zwei Bränden berichtet, einer im Jahr 1327, der andere um 1354. Bei letzterem sei fast ganz Kleinbasel niedergebrannt.

Das Kirchendach nahm wohl beim Brand so grossen Schaden, dass es erneuert werden musste. Wie sehr das Kloster unter dem Erdbeben von 1356 litt ist unbekannt. Fest steht, dass im letzten Viertel des Jahrhunderts das Schiff der Kirche neugebaut wurde. Die um 1380 erwähnte Wiederherstellung der Kirche ist jedoch eher auf Erdbebenschäden als auf den Brand von 1354 zurückzuführen.


Die Nonnen zu St.Clara

Man begegnet in jenem Jahrhundert den Töchtern nahmafter Familien im Clarakloster. Mit den Cousinen Sophie und Elisabeth erscheinen etwa zu Beginn zwei Vertreterinnen derer von Eptingen. Ebenfalls ist hier 1334 Susanna, eine Tochter des Georg von Hattstatt und der Elisabeth von Tierstein, als Nonne belegt. Auch Clara, die Tochter des Basler Bürgermeisters Henmann II. von Ramstein war Nonne zu St.Clara.

Freiwillig kamen nicht alle Nonnen hierher. Anna von Ramstein war die Cousine der Susanna von Ramstein, deren Vater im 15.Jh ebenfalls Bürgermeister war. Anna hatte sich bereits im Steinenkloster als renitent erweisen und war nach misslungener Flucht nach St.Clara verbracht worden. Was sie von ihrem neuen Kloster hielt, offenbarte Schwester Anna um 1462 mit der erfolgreichen Flucht aus seinen Mauern.

Die 1357 erwähnte Nonne Katharina war die Stieftochter von Claus Berner dem jüngeren. Sie sei "den Juden genommen worden". Bei der Verfolgung 1348/49 wurden die jüdischen Einwohner der Stadt verjagt oder getötet. Viele Kinder wurden den Familien gewaltsam entrissen um sie dem christlichen Glauben zuzuführen. Mit der 1378 belegten Ursula war vermutlich eine andere Tochter Berners Nonne zu St.Clara.

Hochblaues Blut floss in den Adern der Schwestern Agnes, Ennelin, Gredlin und Katharina von Hachberg. Sie waren Töchter des Marktgrafen Rudolfs III. von Hachberg-Susenberg und Röteln und dessen Gattin Anna von Neuenburg, mit Verbindungen zum Hause Österreich. Drei der Schwestern seien jedoch 1419 von einer Seuche dahingerafft worden.

kirche heute

Die auf alten Fundamenten neu erbaute Clarakirche von 1858/60. Rot eingefärbt der als Verlängerung angefügte Teil des Langhauses. Grün eingefärbt der Gewölbechor am Claragraben wo auch der 1531 abgerissene Nonnenchor endete. Über 300 Jahre hatte die Kirche nur die Grösse der nicht eingefärbten Partie.
Reformversuche

Offenbar gewann man den Eindruck, dass zu St.Clara die Ordenszucht am verlottern sei. Papst Niklaus V. beauftragte im April 1452 die zuständigen Bischöfe von Basel und Konstanz, im Kloster für Ordnung zu sorgen. Offenbar hatten einige Basler, die zur Krönung von Kaiser Friedrich III. nach Rom gepilgert waren, beim Heiligen Vater über die Zustände im Kloster der Clarissen gejammert.

Im Jahr darauf überlegte es sich der Unfehlbare zu Rom anders. Er nahm seinen Reformbefehl zurück und liess den Bischof von Basel im Regen stehen, indem er dessen treu angeordnete Massnahmen zur Wiederherstellung der Ordenszucht aufhob. Hier waren wohl zweifellos die vielen guten Verbindungen der Nonnen zu hochgestellten Familien günstig ins Gewicht gefallen.

Auch der Rat von Basel befasste sich mit dem Orden, aber alle Versuche im Kloster einzugreifen scheiterten. 1503/04 wurde einmal mehr eine Reform befohlen, diesmal vom Rat. Äbtissin und Schaffner wurden abgesetzt und sechs Schwestern aus Villingen sollten die Rückkehr zur Zucht überwachen. Das Vorhaben entpuppte sich als kontraproduktiv, wie die Ratsherren bald schon feststellen mussten.

Die Zuzügerinnen hielten das Armutsideal derart hoch, dass sie viele junge Frauen mit wenig oder keinem Vermögen als Nonnen zu St.Clara aufnahmen. Damit blieben auch jene Einnahmen aus, die dem Konvent aus den betuchten Familien der Nonnen früher zukamen. St.Clara verarmte zusehends, so dass man die Reformerinnen wieder zurück nach Villingen schickte und zur alten Sellbstverwaltung zurückkehrte.


Das Ende mit der Reformation

Die Reformation begann ihre Schatten zu werfen, in den 1520er Jahren begannen die ersten Schwestern aus dem Kloster auszutreten. 1525 bekam das Kloster vom Rat von Basel zwei Pfleger vorgesetzt. 1526 hatte man St.Clara ferner aufgetragen, am Freitag jeweils die Bedürftigen zu Speisen. 1529 klopfte das Ende an die Pforten des Klosters.

Äbtissin Barbara Giebin und ihre Stellvertreterin Barbara Glein Rechberger übergaben am 4.Dezember, als letzte übrige Nonnen, das Kloster an die Stadt. Aus war es mit dem morsch gewordenen Konvent der Clarissen in Kleinbasel. Damit gab es, gewiss zum Bedauern der begünstigten Nachbarn, kein Neujahrsgeschenk der Nonnen mehr - Honiggebäck, Gallerte und einem Umtrunk der mit Honig und Gewürzen hergestellt wurde.


Das Gesicht der Kirche

Die Kirche St.Clara selber geht wohl im Kern noch auf das Kloster der Sackbrüder im 13.Jh. zurück. Die Klosterkirche der Clarissen bot ein anderes Bild als das heutige Gotteshaus am Claraplatz. Es ist davon auszugehen, dass im Zuge zahlreicher Bauarbeiten im zweiten Viertel des 14.Jh. auch am Ausbau der Kirche gearbeitet wurde.

In diese Zeit fällt die Erweiterung des Chors, der mit 30,5 Meter halb so lang wie die ganze Kirche war. Der heutige kleine Gewölbechor mit der Sakristei am Claragraben geht nicht auf den alten Nonnenchor zurück - er ist eine Neuschöpfung des Umbaus von 1858-1861. Der alte Nonnenchor wurde 1531 abgebrochen, um Platz für das an seiner Stelle errichtete Clara-Bollwerk zu schaffen.

hauptfassade

Diese Aufnahme der 40er Jahre aus dem Nachlass Lucas Frey zeigt im Hintergrund den 1951 abgerissenen Äbtischen Hof am Claraplatz. Ganz rechts erkennt man die Clarakirche, der Brunnen links steht seit 1955 beim Augenspital am St.Johannsring.
Das Clara-Bollwerk schloss als Schanze direkt an der Fassade des Langhauses an. Da es kurios abgesetzt hinter der Stadtmauer lag, war sein Schussfeld stark eingeschränkt. Bei aller beeindruckender Wuchtigkeit war diese Schanze von grandioser Nutzlosigkeit, wenn sich der böse Feind erst einmal bis auf eine gewisse Distanz an die Stadtmauer herangemacht hatte.

Der Errichtung dieses Monstrums wurde auch der Ostflügel des Klosters geopfert. 1854 musste das Bollwerk einer Strasse weichen, die zu geplanten Badischen Bahnhof führen sollte, der damals am heutigen Riehenring vorgesehen war. 1974 kamen südlich des neuen Chors Reste des Bollwerks ans Tageslicht. Das Langhaus der Kirche blieb bei den Bauarbeiten im zweiten Viertel des 14.Jh unverändert.

Erst nach dem grossen Erdbeben wurde das Schiff neu gestaltet. Vielleicht hatte der neue Chor das Beben gut überstanden, während das alte Langhaus den Erdstössen nicht mehr gewachsen war. Die Kirche erfuhr in den folgenden Jahrhunderten keine durchgreifenden Veränderungen mehr. Eine Renovation fand 1728 statt, dabei wurde der Lettner erneuert und das Gotteshaus bekam eine neue Kanzel.


Sparsame Eingriffe

Die kleine Orgel wurde 1738 überholt. Dieses Instrument stand auf dem sogenannten Orgellettner an der östlichen Giebelwand. Man liess die Ecke Jahrzehnte lang vergammeln, bis sie 1770 drohte einzustürzen. Man verhinderte dies sparsam mit dem Aufstellen hölzerner Stützbalken. Von 1781 bis 1783 gab es diverse Erneuerungen, so kriegte die Kirche eine neue Türen und die altersschwache Holzdecke wurde repariert.

Ab 1798 gestattete man der katholischen Kirchgemeinde die Mitbenützung des Gotteshauses. Während die Allierten gegen Napoleon 1813 erstmals durch Basel zogen, diente die Kirche als Magazin für die russischen Truppen. Die Soldaten des Zaren hinterliessen St.Clara in ruinösem Zustand. Für teures Geld musste das Gotteshaus 1816 instand gestellt werden.

Nach der Erneuerung konnten wieder Katholiken und Reformierte in der Clarakirche Gottesdienste abhalten. Die katholische Gemeinde bat im Jahr 1838 vergebens wegen Platzmangels um den Anbau eines neuen Chors. Im April 1844 liess die Eisenbahnkommission verlauten, dass eine Streckenführung der Badischen Eisenbahn bis an die Stadtmauer zwingend den Abriss der Clarakirche erforderte.

Das Ansinnen wurde zurückgewiesen, da es weder für die katholischen Gottesdienste als auch für die refomierten Wochengottesdienste in Kleinbasel anderen Lokale gab. 1846 war das Gotteshaus reif für eine Renovation und drei Jahre darauf beklagte sich die katholische Gemeinde, dass die Kirchgänger kaum noch Platz fänden zu St.Clara.


Neubau durch Amadeus Merian

Ab 1853 wurde die Clarakirche endlich exklusiv der katholische Gemeinde zur Nutzung überlassen. Sie war aber damals schon derart heruntergekommen, dass man einen Neubau beschloss. Von 1858 bis 1860 wurde die Kirche neu gebaut. Damals erhielt sie jenes Gesicht welches wir noch heute kennen. Das Langhaus wurde verlängert und ein kurzer Gewölbechor angefügt.

St.Clara präsentierte sich nun sogar ein wenig länger als vor dem Abriss des Nonnenchors Anno 1531. Einige Partien der Westfassade und der Südwand sowie vier Mittelpfeiler des alten Baus fanden Verwendung in der neuen Kirche. Der Basler Bauinspektor Amadeus Merian erbaute das Gotteshaus mit vier Arkaden und einem polyganen Chor über weite Teile neu nach altem Vorbild.

Der ganze Innenausbau und die Ausstattung stammen aus der Zeit um 1860. Ein bemerkenswertes Detail hat das Dach des alten Langhauses zu bieten. Die hölzernen Partien des Daches wurden dort vom mittelalterlichen Bauwerk übernommen und auf das umgestaltete Langhaus wieder aufgesetzt. Sogar die Dachlatten stammen noch aus den Tagen des Wiederaufbaus nach dem grossen Erdbeben von 1356.

Am Westgiebel der Kirche wurde 1867 die Uhr des in jenen Tagen abgerissenen Bläsitors eingebaut, das Zifferblatt ist heute noch zu sehen. Der Dachreiter wurde mit jenen Glocken versehen, die einst im Aeschentor und im Rheintor die Stunden schlugen. So vereinigte die Clarakirche die Überbleibsel dreier verschwundener Stadttore in sich.


Renovation und der Äbtische Hof

Bereits zehn Jahre nach dem Umbau war die Kirche erneut zu klein geworden. Bei gut besuchten Gottesdiensten musste jeder fünfte Kirchgänger stehen. In einer Volksabstimmung wurde 1909 die Trennung von Kirche und Staat beschlossen. In der Folge wurde auf Januar 1910 das Gotteshaus St.Clara nach einer Aussenrenovation an die katholische Gemeinde abgetreten.

Von 1934 bis 1935 wurde die Clarakirche erneut renoviert. Das meiste der Innenausstattung wurde ersetzt und die Chorfenster erhielten Glasmalereien nach den Entwürfen von Giuseppe Scartezzini. 1974, wurde eine neue Renovation erforderlich, um die Kirche den Ansprüchen der Zeit anzupassen. Der Nordflügel des Klosters mit einem Teil des Kreuzganges wurde im 18.Jh umgebaut oder abgerissen.

Der erst 26 Jahre alte Johann Jakob Raillard gestaltete das alte Gebäude nach Plänen des Basler Architekten Samuel Werenfels zum "Äbtischen Hof" um. Das barocke Doppelhaus erhob sich sich an jener Stelle, wo heute hinter der kleinen Wetterstation ein Neubau den Platz beherrscht. Nach dem Abriss des Äbtischen Hofs entstand auf dem Areal zwischen 1951 und 1959 die heutige Überbauung.

Der Äbtische Hof sorgte bei seinem Abbruch 1951 für eine unerwartete Überraschung, denn erst in den letzten Zügen offenbarte er vermauerte gotische Masswerkfenster und einen alten Dachstuhl, beides Zeugen der mittelalterlichen Vergangenheit des Gebäudes als ein Teil des Klosters der Clarissen von Basel. Über diesen Klosterresten errichteten die Architekten Rickenbacher, Baumann und Tittel ihren Neubau.

Heute deutet die Fassade dieses Neubaus an, wo zwischen ihr und der Clarakirche der Klosterhof lag. Wo man heute aufs Tram nach Allschwil wartet, lag einst die Begräbnisstätte des Klosters. Auch nach der Reformation wurde hier noch bestattet, 1769 hätte es hier noch Raum für 180 Gräber gehabt. Später diente der Hof als Pfarrgarten. Von den Gebäuden den Klosters verschwanden bis ins 20.Jh fast alle.


Das Magazin der Pompiers

An der Oberen Rebgasse 3 überlebte lange ein zweistöckiges Haus, welches ab 1875 als Hauptmagazin des Pompiercorps in Kleinbasel diente. Ab 1879 hatte hier die 4.Kompanie der Bezirksfeuerwehr ihr Magazin. Dieses Klostergebäude musste 1961 einem Neubau weichen. Die 4. und die 3. Kompanie der Bezirksfeuerwehr mussten sich in der Folge erstmals ein Magazin an der Hammerstrasse teilen, und eine der letzten Spuren des Claraklosters war ausgelöscht.




Querverweis:

>> Geschichte des Clarissenordens

Surftipps zur Clarakirche:

> Informationen über die Pfarrei St.Clara-St.Michael



Quellen:

primär genutzte

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 3, 1941, Birkhäuser Verlag, Seite 290 bis 317

Veronika Gerz-Von Büren, Die Geschichte des Clarissenklosters St.Clara in Kleinbasel 1266 - 1529, 1969, Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt AG

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 140 bis 143

C.A.Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, 134. Neujahrsblatt GGG 1956, Seite 68

Paul Koelner, Basler Friedhöfe, 1927, Verlag der National-Zeitung, Seiten 28 und 58


sekundär genutzte

Jahresbericht 1974 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Jahrgang 1974, Fundbericht, Seite 253

Jahresbericht 2000 der Archäologischen Bodenforschung BS, Beitrag von Christoph Ph. Matt in der Fundchronik, Seite 71

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, Seiten 316 und 346 bis 347

Eugen A.Meier, Basel in der guten alten Zeit, 1972, Birkhäuser Verlag, Seiten 27 und 28

Eugen A. Meier, Das verschwundene Basel, 1968, Pharos Verlag, Seiten 225 bis 228

Bruno Thommen, Die Basler Feuerwehr, 1982, Birkhäuser Verlag, Seiten 113, 124 und 132

Ernst Ritter, Kleinbasel, ohne Jahr (wohl um 1990) Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-234-X, Seiten 46 bis 47

Albert Burckhardt-Finsler, Basels bauliche Entwicklung im 19.Jh, publiziert im Basler Jahrbuch 1903, Verlag R.Reich, Seiten 225 bis 226

Rudolf Kaufmann, Basel, das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beitrag 69

Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 37 und 363

Mit freundlichem Dank an Herrn Dr.phil. Thomas Lutz von der Basler Denkmalpflege, für zusätzliche baugeschichtliche Hinweise zur Kirche und zum Äbtischen Hof

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