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Bischof Adalbero II.
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Der Basler Bischof Adalbero II. erscheint in den Annalen erstmals im Jahr 999, und dies gleich an einem Wendepunkt des Bistums. Zuvor herrschten die Bischöfe lediglich über Basel, welches sich damals auf die Siedlung um dem Münsterhügel beschränkte. Weitere Gebiete des Bistums sind kaum überliefert. Seine Grenzen blieben bis heute unklar, es war Teil des Königreichs Hoch-Burgund.


Im Königreich Hoch-Burgund

Burgunderkönig Rudolf III. war der letzte männliche Vertreter seiner Linie, und er war als Herrscher eher wenig geachtet. Ein Chronist seiner Tage nannte Rudolf einen unzuverlässigen und weibischen Mann der als Regent nichts ausser dem Titel und der Krone besässe. Da der ihm unterstehende weltliche Adel immer weniger Gehorsam zeigte, suchte er wohl ausgleichend die Nähe zu geistlichen Herrschern.

heinrich II.

Die Statuen (ca 1290, Hauptportal des Münsters) von Kaiserin Kunigunde mit dem Heinrichskreuz und Kaiser Heinrich II. mit Münster und Zepter in Händen. Heinrich war ein persönlicher Freund und Gönner von Adalbero II.

Rudolf war etwa dreizehn Jahre alt als er 993 zum König von Hoch-Burgund wurde. Die Nachwelt bedachte ihn mit dem Beinamen "der Faule". Noch vor 994 ehelichte er seine erste Frau Agaltrud, die 1011 verstarb. Sie habe Rudolf auch darum gebeten die Abtei Moutier-Grandval dem Bischof von Basel zu übertragen. Aus ihrer Ehe mit Rudolf gingen keine männlichen Stammhalter hervor.

Wie es bei den Ottonen praktiziert, wollte auch Rudolf seine Macht stärken indem er seine Bistümer zu Königsdiensten heranzog. Er setzte Verwandte als Bischöfe ein und stattete Bistümer mit Grafschaftsrechten aus. So trat er auch an Bischof Adalbero II. von Basel heran um ihm jenes Kloster im Tal der Birs zu übertragen, welches um 640 vom heiligen German aus Trier gegründet wurde.


Die Schenkung von Moutier-Grandval

Die Abtei Moutier-Grandval (deutsch = Münster-Granfelden) wurde Adalbero 999 mit all ihren Besitztümern übergeben. Dazu gehörten St.Ursanne und dessen Ländereien im Elsgau, das Münstertal, das Dachsfeldertal, das St.Immertal, Neuville, Orvin und auch die Stadt Pruntrut. Einige dieser Besitztümer unterstanden jedoch in geistlichen Belangen anderen Bischöfen, wie jenem von Lausanne oder Besançon.

Laut der Verfügung Rudolfs sollte das Kloster dem Bischof von Basel in selber Weise untertan sein, wie es ihm untertan war. Mit der Abtei übernahm Adalbero II. auch die Pflicht die Passtrecke zwischen Basel und Biel zu überwachen. Die in Basel ausgestellte Schenkungsurkunde besagt, dass der Bischof für seine treuen Dienste belohnt werden solle, und dass Rudolf dem verarmten Bistum aufhelfen wolle.

Die Vergabe der Abtei Moutier-Grandval an Adalbero II. bezeichnet die Geburtsstunde des späteren Fürstbistums Basel mit seinen umfangreichen Ländereien im Jura. Noch immer erscheint der Stab des Bischofs nicht nur im Wappen der Stadt Basel, auch der heutige Kanton Basel-Landschaft und der jüngste Schweizer Kanton Jura zeigen dieses Zeichen bischöflicher Würde, ebenso etwa die Stadt Laufen.


Die Aufmerksamkeit des deutschen Königs

Einige Jahre später sollten Adalbero und sein Bistum die besondere Aufmerksamkeit des deutschen Königs Heinrich II. geniessen, der ein Neffe des Burgunderkönigs Rudolf III. war. Dieser hatte Heinrich 999 die Krone Burgunds versprochen, sollte er ohne männliche Erben sterben. Es gab aber Konkurrenz aus Frankreich, die ebenfalls dieses Erbe beanspruchte. Es galt zu handeln um sich Basel zu sichern.

Heinrich bemühte sich um Basel, denn die Stadt war ein Angelpunkt am Oberrhein und spielte eine wichtige Rolle beim vorgesehenen Anschluss Burgunds an das Deutsche Reich. In der Folge liess er den Bischof von Basel seine grosszügigen Seiten spüren. Bereits bevor er König wurde hatte Heinrich ihn als persönlichen Freund gewonnen. Am 1.Juli 1004 schenkte er dem Bistum Adalberos grosse Waldgebiete im Elsass.

Der Wald soll sich von Basel dem Rhein entlang bis auf die Höhe von Roggenhausen und von da via Riedesheim, Habsheim und Blotzheim nach Binnigen erstreckt haben. Man bedenke, dass im Mittelalter Wälder wesentlich grösser als heute waren. Die Schenkungsurkunde besagt, dass dieses Geschenk auf Bitten "des ehrwürdigen Bischofs von Basel, Adalbero, Unseres geliebten Herrn" vergeben worden sei.

Adalbero verstand es offenbar das Buhlen des deutschen Königs zu nutzen. Schon ein Jahr später, am 15.Juli 1005, überliess Heinrich auf Ersuchen des Bischof dem Münster mehrere Güter im Breisgau. König Heinrich wusste wohl, dass er das eher schwache Bistum Basel wirtschaftlich unterstützen musste, wollte er dessen Bischof als zuverlässigen Verbündeten an seiner Seite wissen.


Basel kommt zum Deutschen Reich

Eine für Basel bedeutsame Stunde kam 1006, als der Burgunderkönig Rudolf III. seinem Neffen Heinrich II. die von Adalbero verwaltete Stadt als Sicherheit für den 999 geschlossenen Erbschaftsvertrag abtrat. Heinrich war dazu eigens nach Basel gekommen, das nun im deutschen Reich lag. Die neuen Ländereien des Bischofs waren weiterhin im Herrschaftsbereich Rudolfs. Diese Übergabe sollte sicherstellen dass Basel zum Reich kam.

Bischof Adalbero II. kam in den Genuss weiterer Gunstbezeugungen Heinrichs. Priorität hatte hierbei das Münster, welches einst von Bischof Haito erbaut wurde und das seit dem Einfall der Ungarn 917 ein trauriges Dasein fristete. Heinrich unterstützte die Erneuerung der Kirche mit Schenkungen. Dazu gehörten Güter wie Haslach, Bellingen und Offingen im Breisgau und ein Jagdrevier nahe Freiburg i.Br.

Indizien sprechen dafür, dass Heinrich dem Bischof einige für einen Stadtherrn wichtige Privilegien verlieh. Möglicherweise erhielt Adalbero damals die hohe Gerichtsbarkeit und das Recht Münzen zu prägen. Das erneuerte Münster konnte am 11.Oktober 1019 von Adalbero geweiht werden. Heinrich kam zu diesem Akt nach Basel, er war seit 1014 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation).

Heinrich öffnete seine Schatztruhe erneut und spendete Kirchenschmuck für das neue Münster. Auch die bischöfliche Garderobe wurde bedacht - Adalbero bekam einen mit goldenen Adlern bestickten roten Bischofsmantel geschenkt, womit er gleichsam das Zeichen des Reichs trug. Zugegen waren auch die Bischöfe Poppo von Trier, Werner von Strassburg, Rudhart von Konstanz, Hugo von Genf und Hugo Lausanne. Alle gewährten dem Volk reichlich Ablässe zur Feier des Tages.


Alle Mühen vergebens

Es sollten nur wenige Jahre ins Land gehen, bis sich die Bemühungen Heinrichs, Basel ans Reich zu binden als vergebens herausstellten. Im Juli des Jahre 1024 starb der deutsche Kaiser im Alter von 51 Jahren ohne einen Stammhalter zu hinterlassen. Der Erbschaftsvertrag mit seinem nur drei Jahre älteren Onkel Rudolf III. war nicht vollzogen und Basel wurde wieder burgundisch.

Auf Heinrich II. folgte ein Kaiser aus dem Hause der Salier, Konrad II. Dessen Frau war eine Nichte von Rudolf III. woraus versucht wurde das Recht abzuleiten den alten Erbschaftsvertrag zu erneuern. Der widerborstige Burgunderadel verhinderte jedoch, dass sich Rudolf zu sehr an das Reich binden liess. Erst mit Rudolfs Tod 1032 konnten die Verhältnisse zugunsten des Reichs geklärt werden.

Den Basler Bischof Adalbero II. berührten diese Ereignisse aber nicht mehr. Er sank 1025 wenige Monate nach seinem Freund Heinrich II. ins Grab. Nach seinem Tod eilte der neue Kaiser Konrad II. nach Basel um den Dingen einen ihm genehmen Lauf zu geben. Er setzte Bischof Adalrich II. als einen Mann seiner Gunst ein. Adalbero wurde in der hinteren Krypta des Basler Münsters begraben.



Querverweise zum Thema:

>> Beitrag zu Kaiser Heinrich II.

>> Beitrag zu Bischof Waldo

>> Beitrag zu Bischof Haito

>> Beitrag zu Bischof Burkhard von Fenis

>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Thun

>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Neuenburg

>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Isny

>> Beitrag zu Bischof Peter Reich

>> Beitrag zu Bischof Gerhard von Wippingen

>> Beitrag zu Bischof Hartung Münch von Landskron



Beitrag erstellt 02.03.04 / Quellen nachgeordnet 18.06.09

Quellen:

Benedikt Bury, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischöfe, Buch- und Kunstdruckerei Union AG, Solothurn, 1927, Seiten 21 bis 25

Aryeh Grabois, Enzyklopädie des Mittelalters, Atlantis Verlag, Zürich, o.J., ISBN 3-7611-0726-9, Seiten 268 und 348

Paul Kölner, Anno dazumal, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel, 1929, Seiten 4 bis 5

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, Verlag Peter Heman, Basel, 1986, Seiten 12 bis 19

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel, 1974, Seiten 46, 48 bis 52 und 550

Jürg Tauber, "Das Mittelalter - Siedlungsgeschichte und Herrschaftsbildung", publiziert in Tatort Vergangenheit - Ergebnisse aus der Archäologie heute, herausgegeben von Jürg Ewald und Jürg Tauber, Wiese Verlag, Basel, 1998, ISBN 3-909 164-62-5, Seiten 492 bis 493

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage, Christoph Merian Verlag, Basel, 1988, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 90 bis 92

Maria Wittwer-Butsch, "Herrschaftsbildung und früher Adel", publiziert in Nah dran - weit weg, die Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Band 1, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 2001, ISBN 3-85673-264-0 (Bände 1 und 2), Seiten 216 bis 220

o.A., "Rudolf III. - König von Hoch-Burgund", publiziert im Lexikon des Mittelalters, Band 7, LexMA-Verlag, München, 1995, ISBN 3-7608-8907-7, Spalte 1077

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