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die fussnoten
Andreas Ryff
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Am 13.Februar 1550 brachte Margarete Uelin, die Gattin des Diepold Ryff den Sohn Andreas zur Welt. Das Geschlecht der Ryff geht auf Andreas' Urgrossvater Claus aus Ruffach im Elsass zurück, der Mitte des 15.Jh als Gärtner nach Basel kam. Die Mutter von Andreas war die Witwe eines Wollenwebers und Wollgarnfärbers. Als solche heiratete sie Diepold Ryff der das Geschäft ihres verblichenen Gatten übernahm.

Andreas schrieb von seiner Kindheit dass er als kleiner Knabe gerne tiefe Löcher in die Erde gegraben habe, und dass er mit Steinen Türme, Mauern und hohe Häuser baute. Bevor er acht Jahre alt war besuchte er die Lateinschule auf Burg (Münsterhügel). Der Knabe entwickelte einen beachtlichen Lerneifer, der sich auf praktischer Ebene zeigte - Andreas schreinerte auf der eigenen Hobelbank mit eigenem Werkzeug und erlernte die Kunst des Buchbindens.


zur muecke

Das Haus zur Mücke am Schlüsselberg, wo Andreas' Vater Diepold Ryff dem Tuchhandel nachging. Hier führte später Andreas seine Geschäfte und hier brach er während der Herbstmesse im Alter von vierzehn Jahren pestkrank während der Arbeit zusammen.

Ein geschlagenes Kind

In der Freizeit handelte Andreas mit gefärbten Federn und Schnüren. Er zeigte zunehmend Freude am Handeln und Reisen. Mit acht Jahren begleitete er seinen Vater regelmässig auf die Jahrmärkte in der Region. Zwei Jahre später ging er für drei Jahre nach Genf. Zunächst war er als Knecht in Stall und Herberge eines Wirts tätig. Das dritte Jahr arbeitete er beim Gewürzkrämer Jean de Mollard, wo ihn sein Vater unterbrachte.

Der Wechsel zum Gewürzhändler war die Folge der Tatsache, dass Andreas seinem Vater gestand dass er nicht studieren wolle sondern das kaufmännische Fach vorzog. Bei einem Händler war da mehr zu lernen als einem Wirt. Der neue Herr von Andreas war ein Mann der wegen kleiner Anlässe heftig Prügel austeilte. Nebst harten Hieben gab der Krämer dem Buben auch sein streng religiöses Wesen weiter.

Diese Zeit war hart für den rund 12jährigen Andreas. Der Krämer griff zur Rute um den Jungen zu bestrafen. Etwa dreissig Mal im Jahr wurde das Kind auf diese Weise blutig geschlagen, wobei als Anlass etwa eine kleine Nachlässigkeit beim Auswischen des Ladens genügte. Um den Buben zu bestrafen schickte der Krämer seine anderen Angestellten zur Kirche um dann alleine die brutale Züchtigung zu vollziehen.


Von der Pest befallen

Zurück in Basel besuchte Andreas 1563 zunächst wieder die Lateinschule. Nebenbei ging er seinem Vater beim Tuchhandel zur Hand. Ab Ostern 1564 erhielt er Unterricht in Mathematik bei Schul- und Rechenmeister Johannes Fricker am Barfüsserplatz. Damals ging in Basel die Pest um, die mehrere Tausend Menschenleben forderte. In der Klasse von Rechenmeister Fricker erkrankten diverse Schüler, so zog Andreas von der Pension beim Lehrer ins Elternhaus.

Aber auch dort wütete die Seuche. Innert drei Wochen starben vier Geschwister von Andreas an der Pest - dann erfasste sie auch ihn. Am Martinstag 1564 arbeitete Andreas für seinen Vater an der Herbstmesse im Tuchhandel im Haus zur Mücke am Schlüsselberg, als er pestkrank zusammenbrach. Für Wochen lag er mit hohem Fieber im Bett, doch er hatte Glück und zu Weihnachten trat Besserung ein.


zum venedig

Das Haus zum Venedig am Schlüsselberg, welches Andreas Ryff 1599 aus der Hand vom Bartholomäus Merian für 600 Pfund erwarb. Der Schlüsselberg mit der Schlüsselzunft unten und der Mücke oben lag im Zentrum von Ryffs Textilhandel.

Am 1.Januar 1565 durfte er seinen Vater zum Mittagessen in den Schlüssel begleiten. Doch nochmals kehrte die Krankheit zurück, so dass Andreas bis in die Fasnachtstage ärztlich beaufsichtigt werden musste. Schliesslich wurde er wieder ganz gesund. Im selben Jahr begann er eine Lehrzeit beim Bürgermeister von Pruntrut, wo er Stahl kaufte und Schulden eintrieb. Der Meister bemerkte bald, dass Andreas höhere Ziele hat und besprach sich mit dessen Vater.

Bald konnte er die Lehrstelle wechseln und durfte für eine grosse Tuchfirma in Strassburg arbeiten. Dort lernte er alles was er sich wünschte. Kein Geschäftszweig blieb ihm verschlossen und er konnte sich detailiert im kaufmännischen Fach weiterbilden. Er lernte das Berechnen von Geldsorten, Massen und Gewichten und übte sich eifrig im kaufmännischen Rechnen. Nach Lehrende kehrte Andreas 1569 nach Basel zurück, um im väterlichen Geschäft aktiv zu werden.


Heirat mit der Witwe des Freundes

Er überredete den Vater sich auf den Tuchhandel zu konzentrieren und übernahm die Messebesuche. 1573 gelang es Andreas die Vertretung einer Tuchfirma aus Antwerpen zu übernehmen. Für diese Aufgabe eignete er sich vertiefte Kenntnisse in der Buchhaltung an. Im Jahr 1574 heiratete er mit Margaretha Imhof die Witwe seines Freundes Andreas Imhof. Er wurde somit Stiefvater von fünf Kindern und noch etwas anderes brachte die Braut mit in die Ehe.

Nebst einem Seidengeschäft fiel Ryff auch die Beteiligung eines staatlichen Silberbergwerks bei Belfort zu. Damit hatte ihm der tote Freund aber posthum ein dickes Ei gelegt, denn er war zu Lebzeiten weder ein guter Kaufmann noch ein ordentlicher Rechnungsführer. Andreas Ryffs Einstieg in den Bergbau begann mit viel administrativer Arbeit und einem grossen Aufräumen. Doch er meisterte alles und fasste bald schon sicheren Tritt.

Die politische Laufbahn des Andreas Ryff begann in der Zunft zu Safran, wo er 1579 in den Sechserausschuss gewählt wurde. Der Aufstieg zum Ratsherrn folgte 1591. Diese Position brachte weitere Ämter und Pflichten mit sich, so wurde Andreas im Jahr darauf Brotschauer so wie Salzherr und er nahm Einsitz im Stadtgericht. Auch übernahm er die Pflegerei des ehemaligen Klosters Gnadenthal, die er abgab um 1594 als Pfleger für das Stift St.Peter zu wirken.


Der "Rappenkrieg"

Unerwartet wurde Ryff am 13.Mai 1594 auf dem militärischen Terrain gefordert. Er bekleidete das Amt des obersten Schützenmeisters der Büchsenschützen, der jeweils ab Pfingsten für zwei Jahre gewählt wurde, wobei Ryffs Amtszeit (gewählt 1592, zum zweiten Mal gewählt 1598) in jenen Tagen zuende ging. Er schickte sich gerade an ein Wettschiessen auf der Schützenmatte durchzuführen. Mitten in die Vorbereitungen kam ein Hilferuf von Bubendorf.


reinacherhof

Der Reinacherhof am Münsterplatz (gegenüber dem Haus zur Mücke). Im Jahr seines Todes 1603 kaufte Andreas Ryff den Hof und liess ihn für 2000 Gulden umbauen. Nach seinem Tod ging er an Daniel Burckhardt, der 1592 Ryffs sechzehn Jahre alte Tochter Susanna geheiratet hatte.

Anstatt auf den Schiesstand sollten die Schützen nun ins Feld nach Liestal ziehen. Hauptmann Andreas Ryff hatte sich bereits für das Schützenfest angezogen, als er vom Dreizehnerrat ins Rathaus gerufen wurde. In seinen Aufzeichnungen über den sogenannten Rappenkrieg berichtet uns Ryff mit eigener Feder (von altbasel.ch in heutiges Deutsch gefasst) von diesem Moment:

"Als ich aber auf mein Schiessen hin gerade mein neues schwarzes Kleid angezogen hatte, ein samtenes Beret mit weisser Feder, meine goldene Kette, alles schon am Leib getragen, in der Meinung zu Safran (Zunfthaus zu Safran) zu gehen und in einer Stunde meine Schützen hinaus zu führen, da kam wieder ein Knecht, ich solle eilends zu meinen Herren kommen.

Da ich nun schon erneut rasch aufeinander so ernsthaft gemahnt wurde, konnte ich meine Kleidung nicht mehr wechseln, sondern schlug einen Mantel um mich und eilte aufs Rathaus. Ich setzte mich zu meinen Herren den Dreizehn (Dreizehnerrat) nieder, welche Brief und Botschaft die von Bubendorf und Liestal gekommen waren anhörten."


Glückliches Ende ohne Blutvergiessen

Mit 75 Mann und der Beredsamkeit des gewandten Kaufmanns trat Ryff einer Überzahl von aufgebrachten Bauern gegenüber. Diese waren wegen der erhöhten Umsatzsteuer verärgert, die vom Rat um einen Rappen pro Mass ausgeschenktem Wein eingeführt worden war. Im Verlaufe von drei Jahren steigerte sich der Zorn zur Rebellion mit Zügen eines Bürgerkriegs. Bubendorf sah sich am 13. Mai von Aufständischen bedrängt und bat Basel um Hilfe.

Auf dieses Ersuchen hin wurde Hauptmann Ryff mit seinen Schützen in Marsch gesetzt. Dieser verstand es mit einer diplomatischen Mischung aus Verständnis, Drohung und Ermahnung den drohenden "Rappenkrieg" zu verhindern. Es folgte nach unsicheren Tagen der Verhandlungen die Versöhnung bei Wein Brot und Käse. Ryff zeigt sich in seinem Bericht zu diesem Feldzug erleichtert darüber dass es gelungen war ein Blutvergiessen zu vermeiden.


epitaph

Das üppige Epitaph des Andreas Ryff im Kreuzgang des Münsters gibt in Lateinisch die wichtigsten politischen Ämter seiner Karriere und einige Stationen seines Lebens wieder.

In Basel warteten weitere Ämter auf Ryff. Mit der Pflegerei des Münsterstifts übernahm er 1595 die Aufsicht über das Münster. In der Folge leitete er zwei Jahre darauf die Renovation der Kathedrale. Im selben Jahr als er Münsterpfleger wurde erhob man Andreas Ryff zum Waisenherrn. Ein schwieriges Amt bei dem er sich mit rechtlichen und finanziellen Fragen um Witwen und Waisen in der Stadt und auf der Landschaft befassen musste.

Anno 1596 übertrug man Ihm das Amt eines Deputaten, welches nur Mitgliedern des Rats anvertraut wurde. Die Deputaten beaufsichtigten in Stadt und Land die Kirche, die Schulen und die Universität. 1597 wurde Andreas Ryff zum Basler Stadthauptmann, was im Kriegsfall mit der Pflicht verbunden war die Truppen der Stadt ins Feld zu führen. Der Kriegsfall trat aber zu Ryffs Lebzeiten nicht mehr ein - der "Rappenkrieg" blieb sein einziger Feldzug.


Auf diplomatischer Bühne

Ryff wirkte nicht nur im Umfeld der Stadt für Basel, er wurde auch mit Missionen jenseits der Grenzsteine betraut. Als Kaufmann hatten ihn seine Reisen weit herumgebracht und ihm Beziehungen verschafft. Daher bediente sich die Stadt des weltgewandten Mannes, der im Namen Basels innerhalb und ausserhalb der Eidgenossenschaft auftrat. Besonders finanzielle Angelegenheiten legte man gerne in seine Hände.

Im Tession prüfte Ryff 1593 und 1599 die Jahresrechnungen der ennetbirgischen Vogteien. Als Fachmann in Finanzfragen wurde er 1597 und 1602 nach Solothurn geschickt, um beim französischen Ambassador als Vertreter Basels und im Namen der reformierten Orte der Eidgenossenschaft Gelder in Empfang zu nehmen, die Frankreich schuldig war. 1598 trat er für Basel in Stuttgart vor Herzog Friedrich von Württemberg wegen dessen Schulden.

Die Tätigkeit als Gesandter führte Andreas Ryff auf das Eidgenössische Parkett, wo er die Konflikte zwischen Kantonen und Konfessionen erlebte. Er gewann dabei eine bis heute gültige Erkenntnis - Wo Menschen miteinander freundlich und geduldig sprächen, erkenne man den Kern einer Sache, die man dann zu einem guten Ende brächte. Im Sommer 1603 wohnte er den mit Savoyen geführten Verhandlungen bezüglich Genf in St.Julien bei.


Tod und Andenken

Die Verhandlungen endeten am 13.Juli mit dem Frieden von St.Julien. Ryff kehrte nach Basel zurück von dieser letzten Mission. Einige Wochen nach seiner Heimkehr starb Andreas Ryff am 18.August 1603. Von seinem Leben und Wirken kündet bis heute sein Grabmonument im Kreuzgang des Münsters. Auch in der Zunft zu Safran wird mit der Andreas-Ryff-Stube sein Andenken bewahrt. Die 1876 benannte Ryffstrasse erinnert im St.Johann-Quartier an ihn.




Querverweise zum Basel von Andreas Ryff:

>> Das Haus zur Mücke
>> Das Haus zum Venedig
>> Die Zunft zu Safran



Literatur:

Gustav Adolf Wanner, Häuser Menschen Schicksale, Band 3, 1988, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-173-4, Seite 117

Friedrich Meyer, Andreas Ryff - "Der Rappenkrieg" in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 66.Band 1966, Seiten 5 bis 131

Friedrich Meyer, "Andreas Ryff, ein bedeutender Basler Kaufmann und Politiker des 16.Jahrhunderts" im Basler Jahrbuch 1962, 1961 Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Seiten 280 bis 303

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 246 bis 251

André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, 1999, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-104-X, Seite 349

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