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Hartung Münch von Landskron
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Hartung wurde um 1265 als Sohn des Basler Bürgermeisters Heinrich I. aus dem Geschlecht der Münch geboren. Seine Familie gab sich im ausgehenden 13.Jh sehr österreichfreundlich, was wohl auch den 1308 ermordeten deutschen König Albrecht I. aus dem Hause Habsburg während eines Aufenthalts in Basel 1298/99 dazu bewog sich mit Erfolg für die Erhebung von Hartung Münch zum Domherrn einzusetzen.

Hartung wurde zum Kopf des pro-habsburgischen Lagers innerhalb des Domkapitels, derweil der damalige Bischof Peter von Aspelt den Österreichern weniger gut gesonnen war. Diese Konstellation führte zu einem Auftritt des Domherrn Münch, der das überaus gesunde Selbstbewusstsein seines Geschlechts gegenüber anderen Autoritäten in Basel dokumentiert - er ohrfeigte den Bischof während einer feierlichen Sitzung.

Es ist die Hand des einflussreichen Grafen Otto von Grandson zu spüren, als Papst Klemens V. dessen Neffen gleichen Namens 1306 zum Bischof von Basel machte. Der junge Otto von Grandson war der deutschen Sprache nicht mächtig - das Bistum unterstand einem Mann der nicht mit seinen Untertanen reden konnte. Zudem geriet Otto in Streit mit König Albrecht I. dem wiederum Hartung Münch verpflichtet war.


Zwischenfall im Münchhof

Dieser König Albrecht weilte 1307 in Basel und wählte den Münchhof am Petersberg als sein Domizil, was die Beziehung zwischen dem Monarchen und den Münch gut illustriert. Albrecht hatte dem schwachen Bischof Otto von Grandson nach der Besteigung des Bischofsstuhls die Verleihung wichtiger Hoheitsrechte verweigert. Als der König nun nach Basel kam, wollte Otto dies erzwingen.

Er habe den König im Münchhof aufgesucht um von ihm die Rechte zu fordern. Lehnte Albrecht ab, so hätte Otto vorgehabt ihn zu ermorden. Der Übersetzer Hugo zer Sunnen entschärfte die Situation mit einer Lüge, denn Otto trat erregt vor den König, und dieser behandelte den Bischof äusserst herablassend. So teilte Hugo dem aufgeregten Bischof mit, dass der König morgen alle seine Wünsche erfüllen werde.

Albrecht I. hatte nie dergleichen vor, und verliess Basel und den Bischof mit seinen unerfüllten Wünschen. Als der König im Jahr 1308 ermordet wurde rächte sich Otto von Grandson. Bewaffnetes Volk erschien im Münchhof und alle königlich gesonnenen wurden vom Bischof aus Basel verjagt. Otto von Grandson überlebte den Triumph nicht lange. Er starb im Jahr 1309 auf der Reise zum Papst nach Avignon.


wappen

Das Familienwappen der Münch links hängt in der Münchenkapelle des Münsters beim Georgsturm, wo Hartung 1332 beigesetzt wurde. Die Fenster der Kapelle zeigen aussen ähnliche Motive, so rechts der Mönch der Münch, den Bischofsstab haltend.

Allerdings hört man wieder von Hartung Münch, der um 1321 zum Grossarchidiakon erhoben wurde. Mit dem Tod von Bischof Gerhard von Wippingen im März 1325 wählte das Basler Domkapitel (dem das Wahlrecht eigentlich vom Papst aberkannt wurde) Münch zum neuen Bischof von Basel. Hartung wurde gewählt und durch den Erzbischof von Besançon anerkannt. Anderer Meinung war aber Papst Johannes XXII.


Bischof ohne päpstlichen Segen

Der Papst erhob Johann von Chalons zum Bischof von Basel, womit es erneut zwei Bischöfe für ein Bistum gab. Münch nutzte seine lokalen Beziehungen um seine Position zu festigen, und er wusste auch die meisten Klöster des Bistums auf seiner Seite. Vergebens sprach Johannes XXII. die Exkommunikation über ihn und seine Anhänger aus, um sie demonstrativ am Domportal in Avignon anzuschlagen.

Die Bühne betrat Gegenpapst Nikolaus V. der den Bischof des Domkapitels unterstützte, aber missliche Verhältnisse und militärischer Druck setzten Bischof Hartung Münch bald so sehr zu, dass er schliesslich im August 1328 aufgab und das Bistum an Johann von Chalons abtrat. Dieser starb im Mai 1335. Erneut setzte das Domkapitel gegen den Willen des Papstes einen eigenen Favoriten ein, den Domherrn Johann Senn von Münsingen.

Vergebung für den Rebellen

Hartung Münch von Landskron beschied sich damit Archidiakon des Domkapitels zu sein, und erlangte Vergebung für sein Intermezzo als Bischof ohne Segen des Papstes. Er behielt seine Pfründe und starb am 25.Oktober des Jahres 1332. Man setzte ihn in der Kapelle der Münch bei, die er selbst neben dem heutigen Georgsturm im Basler Münster erstellen liess. Sie wurde zur Grablege der Gottesmänner aus dem Geschlecht der Münch.




Querverweise:

>> Beitrag zu Bischof Waldo
>> Beitrag zu Bischof Haito
>> Beitrag zu Bischof Adalbero II.
>> Beitrag zu Bischof Burkhard von Fenis
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Thun
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Neuenburg
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Isny
>> Beitrag zu Bischof Peter Reich
>> Beitrag zu Bischof Gerhard von Wippingen



Literatur:

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 112

Benedikt Bury, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischöfe, 1927, Buch- und Kunstdruckerei Union AG, Seiten 108 bis 109

Hans Reinhardt, Das Basler Münster, zweite Auflage 1949, Verlag Karl Werner AG, Seiten 30 und 154

Aryeh Grabois, Enzyklopädie des Mittelalters, ohne Jahr, Atlantis Verlag, ISBN 3-7611-0726-9, Seite 27

Marco Innocenti, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XVII (2000) Spalten 988-993, publiziert im Internet unter: http://www.bautz.de/bbkl/m/muench_har.shtml

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