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die fussnoten
Peter Reich von Reichenstein
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Die Familie Reich tritt in Basel bereits im 12.Jh in Erscheinung. Während des Krieges zwischen Bischof Heinrich von Neuenburg und Graf Rudolf von Habsburg, standen die Reich auf Seiten der Sterner, jener Partei die sich gegen den Bischof wandte. Sie wurden 1271 der Stadt verwiesen und schlossen sich den Habsburgern an. 1274 zogen sie aber im Gefolge Rudolfs, der nunmehr König war, wieder in Basel ein.

Im Jahr in dem die Reich mit den Sternern in der Stadt zurückkamen starb Bischof Heinrich von Neuenburg. Damals war Heinrich Reich Bürgermeister Basels. Sohn Peter, Domherr in Basel seit 1262 und ab 1264 Archdiakon, durfte auf das Amt des Bischofs hoffen. In der Tat soll er zum Bischof gewählt worden sein. Die Wahl sei aber annuliert worden, und statt seiner setzte man Heinrich von Isny auf den Bischofsstuhl.


Schwerer Weg zur Bischofswürde

Vielleicht wollte man Archdiakon Peter Reich diese bittere Niederlage verzuckern - jedenfalls erhob man ihn in den Stand eines Domprobstes von Mainz. Als Erzbischof Wernher von Mainz das Zeitliche segnete, gab es zwei mögliche Nachfolger: Domherr Gerhard von Eppenstein und Peter Reich. Keiner der beiden sollte Bischof werden - Papst Honorius IV. vergab das Amt an den Bischof von Basel, Heinrich von Isny.


epitaph

Gedenktafel die im 15.Jh im Basler Münster zur Erinnerung an Bischof Peter Reich angebracht wurde. Das Wappen zeigt in seinen vier Feldern zum einen den damals roten Stab des Bistums Basel, zum anderen die Saufeder aus dem Familienwappen der Reich.

Erneut war Peter Reich zugunsten Heinrichs um bischöfliche Würden gekommen. Sein erfolgreicher Rivale Heinrich von Isny scheint jedoch seinen Einfluss beim Papst geltend gemacht zu haben, um Peter das nun verwaiste Amt eines Bischofs von Basel zukommen zu lassen. Als Anno 1286 der päpstliche Gesandte Giovanni Bucamatio auf dem Weg nach Würzburg in Basel weilte, verlieh er Peter Reich in Anwesenheit von Heinrich von Isny die Bischofswürde.


Probleme im Bistum

Peter Reich war sich der Probleme bewusst, die Basel aus dem Zwist zwischen den beiden Adelsparteien der Sterner und der Psitticher erwuchsen. Reichs Familie gehörte wie erwähnt den Sternern an, die sich wider den Bischof dem Grafen Rudolf von Habsburg zugewandt hatten. Die Psitticher ihrerseits hatten sich hinter den Bischof gestellt. Auch wenn dies Jahre her war, der Streit schwelte noch immer.

Im bischöflichen Herrschaftsgebiet Elsgau und dessen Zentrum Pruntrut kamen auf Bischof Peter Reich in der Zwischenzeit Probleme zu, die weit über den traditionellen Streit unter dem städtischen Adel hinausgingen. Reinhold von Burgund, der Graf von Montbeliard, hegte inniges Begehren für die Ländereien des Bischofsstuhls in der Ajoie. Er hatte sich bereits mit Bischof Heinrich von Isny ihretwegen angelegt.

Damals eilte König Rudolf von Habsburg Heinrich zu Hilfe und Reinhold musste nach einer Belagerung Schloss Pruntrut an den Bischof von Basel abtreten. Nachdem Heinrich den Bischofstuhl verlassen hatte, fühlte sich Reinhold offenbar nicht mehr an alte Verpflichtungen gebunden und fiel 1287 in bischöfliche Lande ein. Militärische Niederlagen für Bischof Peter Reich folgten. Zugleich sah er sich mehreren Feinden gegenüber.


Sieg dank Rudolf von Habsburg

Nebst Reinhold von Burgund wandten sich auch dessen Bruder Pfalzgraf Otto von Burgund und die Stadt Besançon gegen den Bischof von Basel. In seiner Not gelangte Reich an König Rudolf, der schon Heinrich von Isny beigestanden hatte. Der Kaiser sagte Hilfe zu, aber er war gerade mit einem Feldzug gegen Bern beschäftigt. Nach einer erfolglosen Belagerung liess Rudolf im Juni 1288 von der Stadt Bern ab und brachte Peter Reich die erhoffte Hilfe.

Rudolfs Heer begann die Gegend um Pruntrut zu verwüsten und im Juli wurde Montbeliard belagert. Der Krieg dauerte an und Rudolf von Habsburg wandte sich gegen weitere Feinde des Bischofs von Basel. Im Sommer 1289 belagerte er Besançon und bis im September gelang es ihm den gegnerischen Adel in die Knie zu zwingen. Der Elsgau mit seinem Zentrum Pruntrut waren nun dauerhaft für das Bistum Basel gesichert. Peter Reich konnte sich anderen Dingen zuwenden.

Noch während des Krieges, am 6.Januar 1289, verlieh er Delsberg das Stadtrecht. Er gab den Frauen von Gnadental, die im vormaligen Kloster der Clarissen in der Spalenvorstadt lebten, eine eigene Organisation. Am 17.April dieses Jahres war er persönlich zugegen, als die Frauen ihr Gelübde auf die Regel der Clarissen ablegten. Mit dem Tod von Rudolf von Habsburg am 15.Juli 1291 verlor Reich einen mächtigen Verbündeten.


Die Burg der Familie

Die Reich hatten in in der ersten Hälfte des 13.Jh eine Burg ob Arlesheim vom damaligen Bischof von Basel als Lehen erhalten. Diese Burg über die sie als Vertreter des Bistums wachten, nannten sie nach ihrem Geschlecht Reichenstein. Der spätere Bischof Heinrich von Neuenburg erklärte Reichenstein zum Erblehen für Rudolf Reich und dessen Familie. Als Rudolfs Sohn Hugo sohnlos starb fiel das Lehen an den Bischof zurück - sein Cousin Peter Reich.

Es lag in Peters bischöflichem Ermessen, ein adliges Geschlecht zu wählen welches Reichenstein als Lehen erhalten sollte. Damit alles in der Familie blieb, vergab 1292 er das Burglehen an seinen Bruder Mathias. Sicherheitshalber wurde auch dessen Neffe Peter für erbberechtigt erklärt. So sorgte Bischof Peter Reich dafür, dass seine Familie die Burg auf Dauer erhielt. Daher rührt der Name Peter Reich von Reichenstein, obwohl er selber nie dort residierte.


Laufen erhält das Stadtrecht

In Frankfurt wählte der Reichstag Adolf von Nassau zum neuen deutschen König. Dieser kam zur Weihnachtszeit 1292 nach Basel, wo ihn Bischof Peter Reich zum Jahreswechsel als Gast begrüssen durfte. König Adolf betraute im Jahr 1294 seinen Bischof von Basel mit der Untersuchung eines dubiosen Falles. In Bern wurde einigen Juden angelastet, dass sie einen kleinen Jungen geopfert hätten um sein Blut für obskure Riten zu nutzen.

Dergleichen Vorwürfe gegen Juden geisterten im Mittelalter durch viele Städte. Man war rasch bei der Hand mit solchen Vorwürfen, die oft in Ausschreitungen gegen die lokale jüdische Bevölkerung mündeten. Der Fall mit dem sich Peter Reich befasste endete damit, dass die Juden Berns allen Leuten die ihnen Geld schuldeten diese Schulden erlassen mussten und der Stadt 500 Mark Silber zu bezahlen hatten - eine plumpe und durchsichtige Justizfarce.


malerei

Wandbild von Otto Plattner aus dem Jahr 1949 am Baslertor in Laufen. Bischof Peter Reich von Reichenstein übergibt dem Meier Laufens den Freiheitsbrief welcher den Ort zur Stadt erhebt.

Vor seinem Ableben vergab Bischof Peter Reich einem weiteren Ort das Stadtrecht. Die Urkunde welche Laufen zur Stadt erhebt ist auf dem Stefanstag 1296 datiert. Man muss dabei jedoch beachten, dass das Jahr im Mittelalter im Deutschen Reich bis ins 16.Jh weitgehend am Weihnachtstag begann. Somit ist der erste Tag des Jahres nicht der 1.Januar sondern der 26.Dezember. Nach heutiger Zeitrechnung erhielt Laufen das Stadtrecht also noch im Jahr 1295.


Verewigt am Baslertor

Am 9.April 1296 übergab Bischof Peter Reich die die Andreaskapelle dem Stift St.Peter. Am folgenden 3.September starb er, nachdem er zehn Jahre auf dem Bischofsstuhl von Basel gesessen hatte. Man setzte ihn im Münster vor dem Marienaltar bei. Doch bis heute kann man ihm in Laufen an der Feldseite des Baslertors begegnen, wo er als Wandbild für alle die hierher kommen zu sehen ist, wie er das Stadtrecht verleiht.




Querverweise:

>> Beitrag zu Bischof Waldo
>> Beitrag zu Bischof Haito
>> Beitrag zu Bischof Adalbero II.
>> Beitrag zu Bischof Burkhard von Fenis
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Thun
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Neuenburg
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Isny
>> Beitrag zu Bischof Gerhard von Wippingen
>> Beitrag zu Bischof Hartung Münch von Landskron



Literatur:

Benedikt Bury, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischöfe, 1927, Buch- und Kunstdruckerei Union AG, Seiten 84 bis 90

Gottlieb Wyss, Geschichte der Burg Reichenstein, 1974, Buchdruckerei Arlesheim AG, Seiten 16 bis 25

Ernst Baumann in "Laufen - Geschichte einer Kleinstadt", 1975, Herausgegeben von der Einwohnergemeinde Laufen, Seiten 21 bis 24

Emil A.Erdin/Werner Meyer, Burgen der Schweiz, Band 7, 1981, Silva-Verlag Zürich, Seite 92

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 3, 1941, Birkhäuser Verlag, Seiten 142, 320 und 364

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