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Heinrich von Neuenburg
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Mit Heinrich III. von Neuenburg trat 1262 der letzte Basler Bischof sein Amt an, der noch aktiv eine eigene Politik am Oberrhein verfolgte. Die grossen Tage weltlicher Bischofsmacht waren damals vielerorten gezählt, doch Heinrich bewahrte und mehrte sein Basler Bistum. Dass er dabei mit weit mehr Widerstand als seine Amtsvorgänger zu kämpfen hatte, unterstreicht seine Leistungen.

Heinrich entstammte dem Grafengeschlecht derer von Neuenburg. Grossvater Ulrich II. hatte sich auf Kreuzzug ins Heilige Land begeben, wo ihn vor 1192 der Tod ereilte. Heinrichs Onkel Berthold war in Basel Domprobst und von 1212 bis zu seinem Tod 1220 Bischof von Lausanne. Im Jahr 1236 wurde Heinrich Domherr in Basel, wo er später Archidiakon (erster Helfer und Vertreter der Bischofs) des Kapitels wurde. Heinrich erlangte zunehmend Macht und Einfluss.


waldenburg

Das obere Tor in Waldenburg/BL. Graf Ludwig von Froburg trat das Städtchen 1265 an Heinrich von Neuenburg ab und führte es als dessen Lehen weiter. Mit dem Erlöschen seines Geschlechts ging Waldenburg 1366 endgültig an den Bischof von Basel über. Das Wappen der Froburger (rechts) wird heute von der Gemeinde geführt.

Ihm fielen auch die Propstämter von Solothurn und Münster-Grandfelden (Moutier-Grandval) zu und er wurde Dekan von Rheinfelden. Auch war er Kirchherr von St.Martin in Basel. Erst mit dem Ableben von Heinrich von Veseneck konnte Heinrich von Neuenburg die Popstei übernehmen, wobei er bereits zuvor die Macht eines Propstes in seinen Händen vereinigt hatte. Als Bischof Berthold von Pfirt 1262 schliesslich das Zeitliche segnete, war Heinrich zur Stelle.


Heinrich auf dem Bischofsstuhl

Mit dem Tode Bischof Bertholds von Pfirt sei ihm Heinrich von Neuenburg ohne eigentliche Wahl auf den Bischofsstuhl zu Basel gefolgt, wobei die päpstliche Bestätigung erst im März 1264 folgte. Entschlossen definierte Heinrich zunächst seine bischöflichen Rechte. Er gab Basel auch die erste überlieferte Handfeste, einen Vertrag welcher der Stadt die Hilfe und den Schutz des Bischof sicherte, während die Bürgerschaft ihrerseits Treue zum Bischof schwörte.

Mit dieser Handfeste zeigte Bischof Heinrich wie er die Lage Basels einschätzte. Die Stadt lag im Spannungsfeld zwischen dem jeweiligen Bischof und dem Hause Österreich, aus dem Heinrich mit Rudolf von Habsburg ein mächtiger Gegner erwuchs, der unter dem Adel Basels viele Anhänger hatte. Da überrascht es nicht, dass der Bischof die Nähe zur Bürgerschaft suchte, die einen Gegenpol zum vielfach habsburgisch genonnen Adel bildete.

Seine Annäherung an die Bürgerschaft manifestiert sich auch in den Zunftbriefen die er während seiner Amtszeit vergab. Anno 1264 (es gibt in diesem Fall auch Hinweise auf das Jahr 1268) erhielten die Gartner ihren Zunftbrief, 1268 die Weber und 1271 bestätigte er den Bauleuten (Zunft zu Spinnwettern) ihren bereits bestehenden Zunftbrief. Doch auch die Nähe zur Bürgerschaft vermochte ihm nicht zu helfen als sein Gegner Rudolf von Habsburg weit über ihn hinauswuchs.


Erzfeind Rudolf von Habsburg

Die Rivalität in Fragen der Herrschaft am Oberrhein machten Graf Rudolf von Habsburg und Bischof Heinrich von Neuenburg bereits von dessem Amtsantritt an zu Gegnern. Den Habsburger hatte schon Heinrichs Amtsvorgänger Bischof Berthold von Pfirt als heiklen Nachbarn kennengelernt. 1253 hatte Rudolf das Steinenkloster direkt vor den Mauern der Stadt abfackeln lassen. Heinrich hatte sein Bistum seit 1262 ständig vergrössert und war ein Faktor mit dem man rechnen musste.

Heinrich sicherte sich den Besitz von Breisach und Rheinfelden. 1265 trat Graf Ludwig von Froburg Waldenburg an ihn ab um es dann von ihm als Lehen wieder zu erhalten. Gleiches geschah mit Olten. 1270 nötigte er den Grafen Ulrich von Pfirt zur völligen Aufgabe der Grafschaft Saugern und zur Anerkennung der bischöflichen Lehensoberheit über Pfirt. Der Spruch eines Schiedsgerichts machte ihn 1271 zum Herrn von Pruntrut - ein Anspruch allerdings, den erst sein Nachfolger festigte.

Der Bischof verstand es auch zu geben, so überliess er dem Kapitel im April 1265 sein Patronatsrecht über die Kirche von Laufen. In der Diözese Lausanne, wo sein Onkel bis 1220 Bischof war, zeigte Heinrich dem Kloster St.Johann zu Erlach seine besondere Zuneigung. Auch das durch Feuer und Plünderung heimgesuchte Kloster Münster im Elsass sowie die Abtei Bellelay und das Kloster Michelfelden der Zisterzienserinnen bei St.Louis erfuhren seine Grosszügigkeit.


Der Krieg kam

Offene Feindseligkeiten zwischen Bischof Heinrich von Neuenburg und Graf Rudolf von Habsburg brachen 1268 aus. Der Adel Basels teilte sich zu dieser Zeit in zwei Lager. Die "Psitticher", benannt nach ihrem Wappentier dem Papagei, hatten im bischöflichen Dunstkreis eine Vormachtsstellung in der Stadt inne. Das Wappen der "Sterner" zeigte einen weissen Stern auf rotem Grund - sie erhoben sich nach 1265 gegen die mächtigen Psitticher.

Auf Seiten der Psitticher fanden sich adlige Familien Basels wie die Schaler, die Münch, die Marschalk, die zu Rhein oder die Kämmerer. Im Lager der Sterner traf man auf Familien wie die von Uffheim, die von Eptingen, die Viztum, die Pfaff, die Reich oder die Kraft. Man lag sich jahrelang in den Haaren bis sich eine Wende zugunsten des Bischofs abzeichnete. 1271 mussten die Sterner die Stadt verlassen und schlossen sich Rudolf von Habsburg an.

Im selben Jahr rebellierte die alte Zähringerstadt Stadt Neuenburg am Rhein im Breisgau (nicht zu verwechseln mit Heinrichs Heimat am Neuenburgersee) gegen ihren Herrn den Grafen von Freiburg. Sie wandte sich an Heinrich und baten um seinen Schutz (obwohl er 1249 als Ratgeber des damaligen Bischofs die Niederbrennung dieser Stadt angeregt haben soll). Dies fachte den erlahmenden Krieg erneut an. Heinrichs Truppen nahmen Säckingen ein und brannten elsässer Dörfer zwischen Basel und Mülhausen nieder.


Heinrich - Bischof und Kriegsherr

Ein hässlicher Kleinkrieg zog über das Land, bei dem jede Partei nach damaliger Sitte versuchte den Gegner zu schädigen indem sie dessen Untertanen heimsuchte. Wenn man einem armen Bauern den Hof niederbrannte, die Ernte vernichtete und das Vieh wegnahm, dann waren bei ihm keine Steuern und Abgaben für den Landesherrn mehr zu holen. Der Bauer konnte froh sein wenn er mit seiner Familie am Leben blieb, obwohl dieses dann wenig lebenswert war.

Bischof Heinrich war auch als Kirchenmann ein Herrscher seiner Zeit, und daher wenig zimperlich in der Wahl seiner Mittel. Um Rudolf von Habsburg ganz besonders zu ärgern, liess er das Kloster Ottmarsheim im Elsass niederbrennen. Ottmarsheim war um 1030 durch Rudolf von Altenburg, einem Ahnen der späteren Habsburger, gegründet worden. Das Kloster lag den Habsburgern aus diesem Grunde sehr am Herzen, der Zorn war entsprechend gross.


epitaph

Gedenktafel die im 15.Jh im Basler Münster zur Erinnerung an Bischof Heinrich von Neuenburg angebracht wurde. Das Wappen zeigt in seinen vier Feldern zum einen den damals roten Stab des Bistums Basel, zum anderen das Wappen von Neuenburg.

Die Rache folgte im August 1272, als Rudolf von Habsburg die heutige St.Johanns-Vorstadt anzündete und die Einwohnerschaft terrorisierte. Der Graf war aber nicht damit befriedigt, er hatte die Stadt des Bischofs selber im Auge. Rudolf von Habsburg sei im Frühjahr 1273 mit seinen Truppen am Oberrhein entlang gezogen und habe Boote mitgeführt. Laut einem Colmarer Chronisten hätten sie es ihm ermöglicht, die Leute des Bischofs beidseits des Rheins anzugreifen.


Rudolf belagert Basel

Im September 1273 erschien Rudolf von Habsburg mit seinem Heer vor Basel. Er schlug auf den Hügeln von Binningen seine Zelte auf und begann die Stadt zu belagern und das Umland zu verwüsten. Während er Gross- wie Kleinbasel bedrohte, fielen weitere Truppen des Grafen über das Münstertal im Elsass her weil es zum bischöflichen Gebiet gehörte. Am 9.August plünderten Rudolfs Kriegsknechte das badische Klingen.

Das Kriegsglück lächelte dem Grafen und dem Bischof begannen die Verbündeten davonzulaufen. Der Fall Basels war nur eine Frage der Zeit. Doch unerwartet erschien am 20.September in Rudolfs Lager auf dem Margarethenhügel Friedrich von Hohenzollern, Burggraf von Nürnberg. Er berichtete dem Habsburger, dass die deutschen Kurfürsten die Absicht hätten ihn in neun Tagen zum König des Reichs zu küren.

Rudolf von Habsburg beendete die Belagerung von Basel und Bischof Heinrich von Neuenburg musste sich ihm unterwerfen. Als Reichsbischof war er dem deutschen König als dessen Stellvertreter in Basel verpflichtet. Krieg gegen den gewählten König konnte er nicht führen, also streckte er die Waffen. Ob er wirklich an seine Stirn fassend gesagt hatte, dass selbst Gottes Thron vor Rudolf nicht sicher wäre, könnte so gut wahr sein wie auch habsburgische Propoganda.


Ein neuer König für das Reich

Am 24.Oktober 1273 wurde Rudolf von Habsburg in Aachen zum König des Deutschen Reiches gekrönt. Wohl eher zähneknirschend empfing Bischof Heinrich, umgeben von seinem Klerus, am 13. Januar 1274, einem Samstagabend, den neuen deutschen König in Basel. In Rudolfs Gefolge zogen die 1271 vertriebenen Sterner wieder in der Stadt ein, und die Bürgerschaft huldigte dem neuen König, denn nur ein starker Monarch konnte den ersehnten Frieden bringen.

Wenige Wochen vor seinem Tod genehmigte Heinrich den Bürgern Kleinbasels (welches in geistlichen Belangen dem Bischof von Konstanz unterstand aber im weltlichen Machtbereich Heinrichs lag) am 25.August 1274 einen Steuererlass. Der Grund dafür waren die Mühen und Kosten welche sie auf sich nehmen mussten, um die vom Bischof von Basel vorangetriebene Befestigung der minderen Stadt umzusetzen.

König Rudolf zeigte sich gegenüber Basel grosszügig, so liess er am 17.Juni 1274 verbriefen dass niemand im Reich die Bürger der Stadt pfänden durfte. Für Basel war dieses Privileg sehr wichtig, denn dadurch können Gläubiger im Deutschen Reich keine Waren zurückbehalten. Die Gunst Rudolfs zeigte sich auch darin dass zwei seiner Söhne und seine erste Frau Königin Anna im Münster beigesetzt wurden.


Letzte Ruhe im Münster

Bischof Heinrich von Neuenburg starb am 18.September 1274, bis zum Ende verbittert über seine Niederlage gegen Rudolf von Habsburg und die Untreue seiner Verbündeten. Er wurde in der Marienkapelle im nördlichen Seitenschiff des Münsters beigesetzt. Er hatte sie aus eigenen Mitteln erbauen lassen, nun war sie zu seiner letzten Ruhestätte geworden.




Querverweise:

>> Beitrag zu Bischof Waldo
>> Beitrag zu Bischof Haito
>> Beitrag zu Bischof Adalbero II.
>> Beitrag zu Bischof Burkhard von Fenis
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Thun
>> Beitrag zu Bischof Heinrich von Isny
>> Beitrag zu Bischof Peter Reich
>> Beitrag zu Bischof Gerhard von Wippingen
>> Beitrag zu Bischof Hartung Münch von Landskron



Literatur:

Benedikt Bury, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischöfe, 1927, Buch- und Kunstdruckerei Union AG, Seiten 66 bis 72

Eduard Fischer, Olten - Dreitannen-Stadt, Schweizer Heimatbücher Band 66, 1955, Verlag Paul Haupt, Seite 7

Emil A.Erdin/Werner Meyer, Burgen der Schweiz, Band 7, 1981, Silva-Verlag Zürich, Seite 40 und 92

Eugen A.Meier, Basler Almanach Band 1, 1988, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-175-0, Seiten 117 und 149

Eugen A.Meier, Basler Almanach Band 2, 1988, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-198-X, Seiten 28, 81, 119, 121, 129 und 139

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 105 bis 108

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 52 bis 53, 161 bis 162 und 551

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seiten 42 bis 48

Paul Kölner, Anno dazumal, 1929, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 14 bis 15

Diverse Autoren, Nah dran - weit weg, die Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Band 2, 2001, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, ISBN 3-85673-264-0 (Bände 1 und 2), Seiten 31 und 114

Paul Suter, Die Gemeindewappen des Kantons Baselland, 1956, Kantonale Drucksachen- und Materialzentrale, 157 bis 158

Gustav Adolf Wanner, Zunftkraft und Zunftstolz, 1976, Birkhäuser Verlag, ISBN 3-7643-0856-7, Seiten 134 bis 168

Hanns U.Christen "Österreich und Basel" in B wie Basel, Nummer 4 April 1997, Verlag B wie Basel, Seiten 6 bis 11

T.Aebi/R.d'Aujourd'hui/H.F.Etter, Ausgrabungen in der Alten Stadtgärtnerei, Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, ISBN 3-905098-10-5, Seiten 210 bis 212

Website der Commune Ottmarsheim http://www.ottmarsheim.com/de/index_2.html

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