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Das St.Johanns-Tor
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St.Johanns-Vorstadt 110

Tram 11 - St.Johanns-Tor


johannstor
Einer der wenigen überlebenden Zeugen der Stadtmauer aus dem 14.Jh ist das St.Johanns-Tor. Man vermutete ein früheres Tor an dieser Stelle, und wirklich traten bei Grabungsarbeiten im Jahr 1984 unter dem stadtseitigen Vorplatz, beim Zollerhäuschen alte Fundamentmauern zutage. Aber eine Darstellung von Matthäus Merian zeigt, dass es sich nicht um ein Tor sondern um einen hallenartigen Anbau mit einem Giebeldach und Rundbogeneingang handelte.

Nähere Untersuchungen am eigentlichen Tor ergaben, dass es zwischen 1367 und 1375 erbaut wurde. Es wird in der Wachtordnung von 1374 namentlich genannt. Die Fenster auf jedem Stockwerk an der Stadtseite des Turmes wurden vermutlich erst während der Umbauarbeiten an der Stadtmauer zwischen 1431 und 1448 ausgebrochen. Im Jahr 1482 liess die Stadt das Tor durch Malereien schmücken.


Kaum erbaut und schon veraltet

Zu jener Zeit war das Bauwerk eigentlich schon dabei wehrtechnisch zu verstauben. Das Aufkommen leistungsfähiger Artillerie machte aus hohen Tortürmen verlockende Zielscheiben. In diesem Licht besehen versteht man auch den Umbau des Turmdaches. Die Spitze des Turmes bestand vermutlich zunächst aus einem hölzernen Aufbau mit Pyramidendach. Es ist anzunehmen, dass dieser Dachaufbau im Jahr 1582 entfernt wurde um durch ein im Turminneren angelegtes Pultdach ersetzt zu werden. Der Torturm trug fortan von einen Zinnenkranz ohne Verteidigungscharakter.

tor

Links das St.Johanns-Tor von der Feldseite aus mit dem überdachten Vorwerk und dem Erker von 1670/1921. Rechts das Tor von der Stadtseite aus mit der Terrassenanlage von 1669/1670.
Um 1582 wurden das Dach umgebaut und eine Rammpfahlanlage eingerichtet. Es gab am Tor ein älteres Vorwerk als das heute erhaltene. Das Vorwerk steht merkwürdigerweise bündig auf der Linie des Mauerabschnitts der sich von Tor zum Thomasturm am Rheinufer erstreckt. Zur Verteidigung müsste es jedoch aus der Mauerlinie herausragen. Vom Obergeschoss dieses Werkes aus wurde das alte Fallgatter bedient. Als letzte Spur dieses alten Gatters kann man am Torbogen an der Feldseite noch die aus dem Stein geschlagenen seitlichen Führungsrillen erkennen. Da man im zweiten Geschoss an dieser Turmseite eine alte Schiessscharte fand, muss das verschwundene Vorwerk unterhalb davon geendet haben, was etwa eine Vorstellung von dessen Höhe zulässt.

Um 1669/1670 schuf man an der Stadtseite des Tores eine Terrassenanlage welche die Wälle verband. Damit wurde es möglich, Geschütze von Wall zu Wall zu bringen, ohne sie dabei mühsam die Rampen runter und hoch zerren zu müssen. Gleichzeitig brachte man an der Nordwestecke des Vorwerks einen kleinen Erker an, dessen Schiessscharten mit grotesken Fratzen verziert waren. Der heutige Erker an der selben Stelle ist eine erneuerte Fassung aus dem Jahr 1921.


Ruhiges Dasein bis ins 19.Jahrhundert

Das St.Johanns-Tor ging nun einer beschaulichen Zeit entgegen und musste sich bis ins 19.Jh keine grossen Eingriffe mehr gefallen lassen. Wir wissen aus zwei Darstellungen von Emanuel Büchel aus den Jahren 1747 und 1760, dass auf dem Tordach damals ein kleines Glockentürmchen mit Satteldach sass. Langsam begann dann der endgültige Niedergang der alten Festungsbauten der Stadtmauer.

erker

Detail der feldseitigen Front des Vorwerks. Man kann gut die fratzenumrahmten Schlüsselscharten und den Erker erkennen, welcher 1670 am Tor angebracht und 1921 durch eine Kopie ersetzt wurde.
Eine neue Zeit verlangte herrisch nach Öffnung und Ausbau. Mit dem immer wieder angeführten Argument "man wünsche mehr Licht und Luft" wurden die jahrhundertealten Zeugen der mittelalterlichen Basler Wehrhaftigkeit dem Erdboden gleichgemacht. Auch das St.Johanns-Tor war in Gefahr. Noch Anno 1828 wollte man sich nicht ganz vom Festungsgedanken trennen, denn die baufällig gewordene Zugbrücke mit der Wolfsgrube mochte man partout nicht gegen einen festen Übergang tauschen. Wir wissen aus dem Jahr 1834, dass die Standestruppe zur Torbewachung mit 3 Gemeinen und einem Corporal bei St.Johann vertreten war. Die Schildwache war bei Tag und Nacht wechselweise von einem der Stänzler zu versehen.

Mit der Standestruppe schien es zur Jahrhundertmitte nicht zum Besten bestellt. Im Jahr 1855 waren von Februar bis November 73 Mann desertiert. Schliesslich machte sich im selben Jahr die gesamte Torwache St.Johann nach Frankreich davon. Sie verschloss das Tor und warf den Torschlüssel in den Stadtgraben. Damit war das Mass voll, noch im Jahr darauf wurde die Standeskompagnie abgeschafft. Danach wachten unter den Toren Polizeimänner - jedoch nicht mehr lange, denn die ersten Tore Basels waren bereits abgerissen worden.


Rettung durch grosszügige Liebhaber

Im Stadtgraben vor dem Tor legte in den 1860er Jahren der Stadtgärtner eine Baumschule an. Das St.Johanns-Tor selber sollte gemäss einem Grossratsbeschluss von 1870 auch abgebrochen werden. Es fanden sich jedoch einige Basler die zur Restaurierung 3000 Franken aus eigener Tasche anboten, so liess die Stadt von ihrem Abrissvorhaben ab. Das St.Johanns-Tor wurde dem Zeitgeschmack entsprechend erneuert. Es erhielt ein kitschiges Spitzdach, wodurch das Bauwerk bis zur erneuten Restauration massiv verunstaltet wurde. Die Gesamterneuerung von 1983/1985 brachte das altehrwürdige Bild des Tores wie es heute vertraut ist zurück.

Heute ist das St.Johanns-Tor der Sitz der Basler Polizeischützen, die ihre Lokalitäten ganz oben im Turm haben. Im Mittelteil des Turmes ist die Fasnachtsclique Muggetätscher zuhause, die hier auch Übungsräume unterhält. Im ersten Stock des Turmes und in der Stube im Vorwerk hat der Artillerie-Verein Basel-Stadt seine Räume, der einst das ganze Tor belegte. Hier werden am Barbaratag Gäste aus Politik und Militär begrüsst und hier wurde auch der Barbaraweggen wiedergeboren, benannt nach der Schutzheiligen der Kanoniere.

Literatur:

Rudolf Kaufmann, Basel das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beiträge 19 bis 20

Guido Helmig/Christoph Ph.Matt im Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, Katalog der landseitigen Äusseren Grossbasler Stadtbefestigungen, ISBN 3-905098-10-5, Seiten 96 bis 98 mit vergleichendem Plan Seite 85

C.H.Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932, Birkhäuser Verlag, Seiten 285 bis 298

F.A.Stocker, Basler Stadtbilder, 1890, St.Georgs Verlag, Seiten 8 bis 10

Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seite 48

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, Seite 46

C.A.Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, 1956, Helbing & Lichtenhahn, Seiten 45 bis 49

Annie Hagenbach, Basel im Bilde seiner Maler, 1939, Verlag B.Wepf & Co Basel, Beitrag 59 mit stadtseitiger Ansicht des Bollwerks

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