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Zum Löwenzorn
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Gemsberg 2/4lageplan

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Mehrere Häuser wuchsen zusammen

Die heutige Liegenschaft "zum Löwenzorn" am Gemsberg Nummer 2/4 steht am Ende eines bewegten Stücks Basler Baugeschichte. Während Umbauarbeiten 1993 stiess man auf Hinweise die von der frühen Vergangenheit des Bodens berichteten, auf denen das heutige Gebäude steht. Belegt ist, dass im frühen 14.Jahrhundert an diesem Ort Schmiede ihrem Handwerk nachgingen. Brocken von Eisenschlacke zeigten, dass hier bereits im 12.Jahrhundert Eisen verarbeitet wurde.

Der Gemsberg; wo der "Löwenzorn" steht, hiess um 1272/92 "bei dem dürren Sod" oder auch "Sodgasse". Vermutlich rührte der Name von einem nahen Sodbrunnen her, der aber versiegte und deshalb 1318 aufgehoben wurde. Die heutige Liegenschaft Gemsberg 6 trägt den Namen "zum dürren Sod" und erinnert noch immer an den Brunnen. Eine Urkunde von 1283 deutet darauf hin, dass am heutigen Gemsberg bereits in jenen Tagen Gebäude aus Stein gebaut wurden,

Sicher ist dass der "Löwenzorn" nicht immer ein einziges Gebäude war, sondern sich quasi aus mehreren älteren Häusern zu einem grossen Komplex vereinigte. Es ist bisher unmöglich geblieben, eine nahtlose Baugeschichte zusammenzustellen. Man unterscheidet die Gebäude "zum Weissenburg", "zum Gunach" und "zum dürren Sod". Ein Teil der heutigen Liegenschaft "zum dürren Sod" scheint sich früher unter diesem Namen auch auf Teile des Gemsberg 4 erstreckt zu haben.

Diese Partien gehören nun zum "Löwenzorn" und bilden keine Einheit mehr mit der heutigen Liegenschaft Gemsberg 6, da die baulichen Veränderungen der Jahrunderte offenbar die Grenzen verschoben. Dies ist zu bedenken wenn die Rede vom Haus "zum dürren Sod" ist. Das erste schriftlich erwähnte Haus am Gemsberg 2 ist das "Hus ze Wissenburg" welches Anno 1327 nach seinem damaligen Bewohner Konrad von Weissenburg dem Zimmermann benannt wurde.

hauptgebaeude und portal von 1560

Links die Liegenschaft "zum Löwenzorn" am Gemsberg 2/4, vorn das historische Hauptgebäude mit dem Dachstuhl von 1357. Rechts das Renaissanceportal von 1560 welches unter dem Hausbesitzer Balthasar Ravalasca in jenen Hausteil eingebaut wurde. An dieser Stelle befand sich früher der Hof "zum Gunach".

Das Haus "zum Weissenburg"

Drei Jahre später trat mit Rudolf Kaufmann ein neuer Bewohner auf. Er sei auch "Tötschi" genannt worden und im nahen Chorherrenstift St.Leonhard kannte man ihn als Gönner. In der folgenden Zeit ging die Liegenschaft von Besitzer zu Besitzer, wobei offenbar vermehrt glücklose Herrschaften unter ihnen waren, die wegen finanzieller Engpässe das Gebäude wieder aus der Hand geben mussten. Gewiss hat das Haus beim Erdbeben von 1356 auch Schaden genommen.

Jedenfalls sind die Bäume für das Holz das Dachwerks des Haupttraktes (Gemsberg 2) 1357 gefällt worden, also im Jahr nach dem Beben. 1444 waren die Zinsen auf dem Haus "zum Weissenburg" nicht beglichen worden. Daher wurde es auf Betreiben des Münsterkaplans Erhard vom Appenwiler durch die Behörden gepfändet. Die Lage besserte sich auch nicht in den Jahren danach. Das Haus verlotterte bis 1469 ein Hypothekargläubiger besorgt "wegen Missbuws" einschritt.

Direkt oberhalb des bisher besprochenen Hauptbaus lag die Liegenschaft "zum Gunach". Sie war bis 1488 in den Händen von Peter Rot. Als Achtburger sass er im Ritterrat und wurde 1455 Bürgermeister. Er führte 1475/76 während der Burgunderkriege die Basler Truppen in die Schlachten von Grandson und Murten. Er übernahm das Haus von seinem nicht minder einflussreichen Vater Hans Rot, den 1452 das Zeitliche gesegnet hatte.

hauptbau gemsberg 2

Das Erdgeschoss des Hauptbaus Gemsberg 2. Hier stand einst das Haus "zum Weissenburg", welches von Heinrich Meltinger ab ca 1518 mit den Nachbarliegenschaften "Gunach" und "zum dürren Sod" zu einem grossen Haus umgebaut wurde.

Grossbrand zerstört viele Häuser

Nach Peter Rot zog Ratsherr Michael Meyer im Hof "zum Gunach" am Gemsberg ein. Er entstammte einer einstigen Bäckerfamilie die ihren Weg bis empor in den Junkerstand gemacht hatte. Wegen seiner besonderen Verdienste für die Stadt verlieh ihm Bürgermeister Hans von Bärenfels am 21. August 1489 das Recht, Wasser vom Brunnen am Heuberg durch eine unterirdische Leitung in sein Haus zu führen. Im Jahr 1495 brach im Hof "Gunach" ein Brand aus.

Die Flammen griffen rasch auf andere Häuser über und vernichteten schliesslich 36 Häuser und Scheunen. Die städtische Rechnung von 1497/98 belegt, dass als Folge der Katastrophe verbrannte Häuser oberhalb dem Brandherd auf dem Heuberg abgetragen werden mussten. Auch die benachbarte Partie des Hauses "zum dürren Sod" scheint Schaden genommen zu haben, wobei solches allerdings nicht vom Haus "zum Weissenburg" belegt ist.

Wie ein böser Fluch folgten Geldsorgen jenen die ihre Hände auf das Haus "zum Weissenburg" legten. Anfangs des 16. Jahrhunderts kamen wohl derartig grosse finanzielle Probleme über den Metzger Claus Pfister, dass er sich von dannen machte und die Liegenschaft hinter sich liess. Es hat den Anschein, dass der Sohn Lienhart Haus und Handwerk übernahm. Dann kamen um 1512 die Liegenschaften "Gunach" und "zum Weissenburg" in den Besitz des Heinrich Meltinger.

Obervogt, Hauptmann und Bürgermeister

Heinrich Meltinger, war einst Obervogt zu Waldenburg und später Hauptmann der Basler Truppen in den Schlachten von Novara und Marignano. Ebenfalls 1512 erwarb der Drucker Jakob Wolf die Nachbarpartien des Hauses "zum dürren Sod" um an ihrer Stelle einen Neubau zu errichten. Fünf Jahre später musste Wolf allerdings das Haus mit der darin eingerichteten Druckerei verpfänden. Es gelang ihm aber nicht mehr, sein Eigentum wieder auszulösen.

Sein Nachbar Heinrich Meltinger (mittlerweile Oberstzunftmeister) rundete mit dem Erwerb des Hauses seinen Besitz am Gemsberg ab. Es gibt Hinweise dafür, dass Meltinger die drei Häuser zu einer einzigen Liegenschaft umbauen liess, die heute dem "Löwenzorn" entspricht. Der Umbau war vermutlich vor 1525 abgeschlossen, denn zu jener Zeit fühlte sich Heinrich Meltinger, nun seit zwei Jahren Bürgermeister Basels, als Altgläubiger unwohl in der Stadt.

Basel wandte sich der Reformation zu, und als der Bildersturms in Basel wütete musste Meltinger gar schmählich aus der Stadt fliehen. Er verkaufte den stattlichen Gebäudekomplex an den Drucker Veltin Schaffner von Hagenau, der seit 1519 Bürger der Stadt und seit 1520 zu Safran zünftig war. Der neue Hausherr am Gemsberg war ein streitbarer Jünger Gutenbergs. Er legte sich mit dem bekannten Berufsgenossen Andreas Cratander an.

nebenhaus am gemsberg 4

Das Nebenhaus Gemsberg 4, wo wohl einst ein Teil der Liegenschaft "zum dürren Sod" stand. Erbaut unter Heinrich Meltinger ab ca 1518 entstanden die grauen Architekturmalerien an der Fassade des Hauses zwischen 1555 und 1610. Der ausführende Künstler ist leider unbekannt.

Ein Handelsmann aus dem Süden

Cratander druckte keck das griechische Lexikon nach, welches Schaffner noch in der eigenen Presse hatte. Der Fall bewegte den Rat dazu festzuhalten, dass kein Drucker ein Buch aus einer anderen Offizin nachdrucken sollte, bevor nicht drei Jahre vergangen waren. Nach dem Tod Schaffners ging die Liegenschaft samt der Druckerei am Heuberg an Johann Waldner aus Zürich. Quasi als lebendes Inventar ging Schaffners Witwe Anna Meyer in die Dienste des neuen Hausherrn über.

Waldner wirkte hier von 1533 bis 1541. Nach seinem Tod begrüsste Anna Meyer den Buchdrucker Lienhard Wirth als neuen Besitzer. Die Partie des Hauses welche an die Liegenschaft "zum dürren Sod" grenzt und früher selber zu jener gehörte, wurde vom Sohn Wirths 1555 an Balthasar Ravalasca veräussert. Es war wohl dieser begüterte Handelsmann aus dem Süden, der den Einbau des erhaltenen Portals im Stile der Renaissance um 1560 am Gemsberg veranlasste.

Im Jahr 1580 verkaufte Lucia, die Tochter von Balthasar, die Liegenschaft an den betuchten Gewürzhändler Daniel Peyer. In der Zeit zwischen 1555 und 1610 entstanden durch unbekannte Künstlerhand die noch heute sichtbaren Fassadenmalereien an jenem Teil der Liegenschaft die an das Haus "zum dürren Sod" grenzt. Die Witwe von Peyer zerstritt sich mit um 1621 mit Samuel Mareschall der im Haus "zum Liebenstein" am heutigen Gemsberg 8 wohnte.

Musikus als Wasserdieb

Der Münsterorganist und Musikus der Universität hatte heimlich die Holzleitung angebohrt, welche Wasser vom Brunnen des Spiesshofes durch sein Haus in Peyers Liegenschaft führte. So genoss Mareschall lange Zeit fremdes Wasser kostenlos. Im 17. Jahrhundert kam die Liegenschaft am Gemsberg in den Besitz der Familie Mitz wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. In dieser Epoche (1781) wird auch erstmals der Name "Löwenzorn" genannt.

Erneut schlug schliesslich die Geldnot zu. Die Witwe des 1789 verblichenen Besitzers Bürgermeister Daniel Mitz war um 1797 gezwungen den "Löwenzorn" zu verkaufen. Der neue Hausherr war der Kaufmann Johann Jakob Wieland. Von dessen Nachkommen erwarb 1845 der Weinhändler Johann Ulrich Noetzlin die Liegenschaft. 1874 machte der "Löwenzorn" schliesslich unter seinem neuen Eigentümer Fritz Faesch-Salathé den Sprung zur Wirtschaft.

Faesch hatte im Jahr zuvor die Bierbrauerei von August Gaudens an der Grenzacherstrasse erworben und nannte sie nun von seinem neuen Haus am Gemsberg inspiriert "Basler Löwen-Bräu". Die Brauerei wurde bis 1914 an die Brauerei Warteck veräussert. Im Jahr 1922 wählte die Fasnachtsclique Basler Mittwoch Gesellschaft den "Löwenzorn" (kurz "Zorn" genannt) als ihr neues Stammlokal, wo damals Emil Bieder-Ritter als Wirt die Wirtschaft führte.

wirtshausschild des loewenzorn

Beim Portal von 1560 kündet dieser goldene Löwe als Wirtshausschild von den Jahren nach 1874, als der Eigentümer der Brauerei "Basler Löwen-Bräu" Fritz Faesch-Salathé die Wirtschaft besass.

Fasnächtler, Zunftbrüder und Studenten

Der Hausherr erkrankte kurz nach dem Einzug der BMG und verstarb schliesslich in seinem eigenen Haus. Daher war es den Fasnächtlern eine Weile untersagt Piccolo im Haus zu spielen. Die BMG nutzt bis heute Teile der Liegenschaft, so etwa das 1933 feierlich eingeweihte "Chambre de grimasse" im 2.Stock. In der folgenden Zeit wechselten im "Löwenzorn" die Wirte oft. Zwei hielten es gerade einmal ein Jahr aus und ein anderer starb nach zwei Jahren 1940.

Ende der 40er Jahre übernahm mit Wilhelm Koban ein neuer Wirt den "Löwenzorn". Er gedachte aus dem Haus ein reines Speiserestaurant zu machen und wollte die Fasnächtler raushaben, was offenbar aber nicht gelang. Sein Nachfolger Otto Schär war nun Pächter der Brauerei Feldschlösschen, die von der Bauerei Warteck den "Löwenzorn" übernommen hatte. Im Jahr 1951 zog im ersten Stock der Liegenschaft die Zunft zu Gerbern ein.

Dank ihrem Bannerherrn Hans Scholer hatte sie somit nach achzig heimatlosen Jahren einen neuen Sitz. Den benachbarten Intarsiensaal nutzt seit 1966 die Schneiderzunft als Lokal. Ebenfalls in der traditionsreichen Liegenschaft am Gemsberg fanden die Studentenverbindungen Rauracia und Alemannia eine Heimat. Seit 1996 Besitzer des "Löwenzorn", haben sie dazu zusammen die Aktiengesellschaft "Zum Löwenzorn AG" ins Leben gerufen.

Im selben Jahr übernahmen Judith und Walter Knecht den Restaurationsbetrieb. Im Jahr 2002 wurde die Liegenschaft Gemsberg Nummer 2/4 ins Denkmalverzeichnis des Kantons Basel-Stadt aufgenommen. Im September 2003 wurde der Löwenzorn als besonders geschichtsträchtiges Altstadtrestaurant von ICOMOS Schweiz ausgezeichnet. Einen zusätzlichen künstlerischen Touch brachten 2006 die Fresken des Basler Grafikers Domo Löw in den Löwensaal.


Beitrag erstellt 17.09.03 / Korrektur Quellen 08.01.17

Quellen:

Bernard Jaggi, Beitrag "Gemsberg 2/4 (Restaurant Löwenzorn) (D 1997/19), in "Baugeschichtliche Untersuchungen im Jahre 1998", publiziert im Jahresbericht 1998 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 1999, ISBN 3-905098-28-3, Seite 254

Paul Kleffmann, Beitrag "S' Stammlokal und syni Baizer", in 75 Jahre Basler Mittwoch Gesellschaft, Kirschgarten AG, Basel, 1982, Seiten 94 bis 95

Christoph Philipp Matt / Christian Bing, Beitrag "Gemsberg 2/4, Restaurant Löwenzorn, 1992/33", publiziert im Jahresbericht 1992 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1995, ISBN 3-905098-16-4, Seiten 100, 101, 103 sowie 138 bis 141

Eugen Anton Meier, Verträumtes Basel, Birkhäuser Verlag, Basel, 1974, ISBN 3-7643-0730-7, Seiten 56 und 59

Gustav Adolf Wanner, "Zum dürren Sod am Gemsberg", publiziert in Häuser Menschen Schicksale, Band 1, (Erstpublikation in Tageszeitung Basler Zeitung vom 12. Dezember 1981) Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1985, ISBN 3 85815 126 2, Seiten 121 bis 122

Gustav Adolf Wanner, "Das Haus zum Löwenzorn im Wandel der Zeiten", publiziert in Häuser Menschen Schicksale, Band 2, (Erstpublikation in Tageszeitung Basler Nachrichten vom 15. Oktober 1966) Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1986, ISBN 3 85815 150 5, Seiten 41 bis 44

Gustav Adolf Wanner, Zunftkraft und Zunftstolz, Birkhäuser Verlag, Basel, 1976, ISBN 3-7643-0856-7, Seiten 99 bis 106 und 123 bis 133

o.A., Beitrag "Zum Löwenzorn, Gemsberg 2 und 4", publiziert in Das Bürgerhaus in der Schweiz, 22. Band, Kanton Basel-Stadt (2.Teil), herausgegeben vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein, Orell Füssli Verlag, Zürich, 1930, Seiten 29 bis 30

engel

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