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Es freut mich Sie auf altbasel.ch begrüssen zu dürfen. Das Anliegen dieser Website ist es, die Vergangenheit Basels online greifbar zu machen. Natürlich kann eine Website kein gutes Buch ersetzen, weshalb die Quellenverweise der einzelnen Beiträge als Wegweiser zum gedruckten Wort verstanden werden möchten. Doch da Sie schon mal hier sind, lade ich Sie zum Verweilen ein.

Die Abteilungen von altbasel.ch bieten Beiträge zu verschiedenen Themen rund um die Basler Lokalgeschichte. Unter "dossiers" finden Sie etwa eine Auswahl von Abhandlungen zu lokalem Brauchtum wie Vogel Gryff und Fasnacht oder auch Biographien altbaslerischer Personen. Das letzte Update ist ein neues Feedback auf der Pinnwand.

Roger Jean Rebmann, altbasel.ch



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Von Menschen und Kategorien

Das Duell auf dem Sad Hill Friedhof ist ausgestanden, und der sinistre Sentenza liegt in seiner kühlen Grube. Übrig sind die beiden ewigen Kontrahenten, der schweigsame Blonde und der mexikanische Bandit. Blondie kaut auf seinem Zigarillo, spannt Tucos entladenen patchwork-Colt und erklärt ihm sein Prinzip bei der folgenden Schatzsuche:

"Siehst du, auf dieser Welt gibt es zwei Kategorien von Menschen. Die einen haben einen geladenen Revolver, die anderen buddeln"

Die finale Szene aus Sergio Leones Western "The god, the bad and the ugly" illustriert prächtig was mich gerade umtreibt und zu dieser Glosse führte; Menschen teilen ihresgleichen gerne in Kategorien ein. In einem Büro ist das Einordnen in Schubladen von vitaler Bedeutung, da ansonsten die Produktivität rasch droht in einem Meer herumliegender oder verschwundener Nichtigkeiten zu ersaufen.

Die Versuchung liegt nahe, das Prinzip welches den Schreibtisch in Schuss hält auf die Gesellschaft mit all ihren Menschen zu übertragen. Das tun dann auch alle. Glauben Sie mir, alle ordnen einem ein. Selbst jene die betonen dass sie das nicht tun haben zwei Schachteln; in eine stecken Leute die wie sie sind (sich also für wertfrei und objektiv halten) und in der anderen hockt der Rest.

Ich halte mich an den antiken chinesischen Denker Sun Tsu, der Schwächen erst bei sich selbst suchte bevor er anderen für Verfehlungen die Köpfe abschlug. Auch ich habe meine Schachteln. Zum Beispiel teile ich Leute in Kategorien ein die Leute in Kategorien einteilen. Jene mit vielen Schachteln sind die, die sich echt Mühe mit den Menschen geben (ob mit oder ohne Erfolg sei dahingestellt).

Sie versuchen jeder Schattierung gerecht zu werden, im Irrglauben dass es für alles eine verbindliche Richtschnur gäbe nach der sich das Universum menschlicher Farbnuancen einordnen lässt. Wer sich so reinkniet ins Ordnen, verliert irgendwann in seinem Schachtelmeer den Überblick. An anderen Ende der Skala sitzen wiederum jene die man in den Mikrokosmen der Religionen oder Politik oft findet.

Es sind die mentalen Phlegmathiker, die sich zufrieden auf ein erschütternd einfaches System mit nur zwei Schachteln (Schwarz und Weiss) stützen. Auf denen kleben Etiketten mit plumpen Inhaltsangaben: Schweizer = gut - Ausländer = böse, Velofahrer = gut - Autofahrer = böse, FCB = gut - FCZ = böse, Mac-User = gut - PC User = böse (gut, ich geb's zu, letztere Schachteln habe ich auch).

Besonders in harten Zeiten werden mit der groben Kelle Schachteln gefüllt, da gemäss Carl Gustav Jung denken schwierig aber urteilen einfach ist. Es kann einem der Kopf rauchen vor lauter Kategorien. Dann und wann sollte man aber inne halten, und sich fragen ob ein Wortschatz in dem etwa der im Grunde positive Terminus "Gutmensch" als Schimpfwort gilt nicht eher eine verbale Müllhalde ist?

Den Satz "Leute die Menschen werten und abstempeln, find' ich so abartig." habe ich im letzten September an einem Apéro gehört und ihn im Poesialbum paradoxer Prosa aufgenommen. Eine Aussage die sich innerhalb von zehn Worten aufs schärfste widerspricht, weil sie Menschen die Menschen beurteilen als abartig beurteilt. Das führt uns zur Quintessenz dieser meiner Zeilen - wertfrei gibt's nicht!

Misstrauen Sie jenen die behaupten frei von Vorurteilen zu sein. Es mag in abgelegenen Höhlen heiligenähnliche Einsiedler oder Klausnerinnen geben, die bar dieser Sünde sind. Solche Weisen würden sich aber hüten damit zu prahlen, denn im Moment wo ihnen solches Eigenlob über die Lippen ginge, teilen sie die Leute in jene die diese Kunst beherrschen und den Plebs der es nie lernen wird.

Bevor wir zu rasch bei der Hand sind mit dem Einordnen von Menschen, sollten wir uns jedoch stets vor Augen halten dass es unter Umständen höhere Mächte gibt, die Schachteln für uns selbstgerechte Pharisäer bereithalten. Womit wir wieder bei Blondie angekommen wären, der da einmal mit zusammengekniffenen Augen scharf zu Tuco sagt "Gott ist nicht mit uns, weil er Idioten hasst."

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