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Der Basler Stadtbrand von 1417
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Es ist unklar in welchem Haus an der Streitgasse am 5. Juli 1417 der Brand ausbrach der für Basel zur Katastrophe wurde. Einige Quellen nennen eine Badstube im ehemaligen Haus Nummer 5 an der unteren Streitgasse als Ort des Brandausbruchs. Andere, wie beispielsweise der Chronist Christian Wurstisen (1544-1588), gehen wiederum davon aus dass die verheerende Feuersbrunst im nahegelegenen Haus zur Tanne (Streitgasse 11) ihren Ursprung hatte.

Beide Überlieferungen sind sich einig, dass der Stadtbrand in der Streitgasse begann. Von dort aus habe sich das Feuer seinen Weg zum Aeschenschwibbogen (heute am Ende der Freien Strasse beim Bankenplatz) und auf den Münsterhügel gebahnt. An der Freien Strasse seien die Häuser bis hinunter zum Haus der Zunft zum Himmel (Freie Strasse 33) ebenso wie weiter oben das mittelalterliche Spital hinter dem Barfüsserkloster den Flammen zum Opfer gefallen.

Am Münsterplatz griff das Feuer um sich, und dehnte sich nach Osten aus. Die St.Ulrichkirche und die Niederlassung der Deutschritter an der Rittergasse wie auch das Kloster St.Alban und die Vorstadt gingen zu Grunde. Begünstigt wurde die Katastrophe durch die allgemein verbreiteten Holzbauten, die in den engen Gassen dem Feuer Nahrung boten. Auch waren viele Dächer mit Holzschindeln und nicht mit Tonziegeln gedeckt; ebenfalls mit schlimmen Folgen.

Obwohl nach dem Erbeben 1356 (und dem damit verbundenem Grossband) Bauvorschriften zur Brandverhütung erlassen worden waren, hatte sich offenbar wenig verbessert. Mehr als 250 Basler Liegenschaften seien mit dem Brand 1417 vernichtet worden. Wurstisens Chronik spricht von elf Todesopfern. Als drei Monate später der Florentiner Humanist Gianfrancesco Poggio Bracciolini (1380-1459) vom Konzil zu Konstanz kommend durchreiste, war er bewegt vom Mass der Zerstörung.

Die Chronik des Fridolin Ryff beginnt mit einer Aufzählung denkwürdiger Ereignisse aus der Basler Geschichte in Versform. Das 1514 verfasste Werk widmet auch einen Vers dem seinerzeit keine hundert Jahre zurückliegenden Stadtbrand:

Noch sant Urich den ersten tag,
Tusent fierhundert sibenzechne vor ougen lag,
Zu Basel sant Alban und der spital
Verbrantten ga noch überal.


Folgen des Brandes

Basel bekam Hilfe von seiner Nachbarschaft. Zum Beispiel schenkte Delémont der Stadt einen Wald, dessen Holz zum Wiederaufbau beitragen sollte. Der deutsche König Sigismund (1368-1437) befreite die ohnehin schon schwer belasteten Basler von der Pflicht, am Feldzug gegen den geächteten Herzog Friedrich IV. von Österreich (1382-1439) teilzunehmen. Nach dem Schock dieses Brandes bemühte sich die Stadt ernsthafter als zuvor um feuerpolizeiliche Massnahmen.

Die feuergefährdeten Schindeldächer sollten nun überall möglichst bald durch Ziegeldächer ersetzt werden. Ein zweiter Ziegelhof wurde eingerichtet, und der Ziegelpreis gesenkt. Billige Holzwände mussten durch solche aus Lehm und Kalk ersetzt werden. Ein speziell eingesetztes Gremimum sollte künftig die Feuerstätten und Kamine der Häuser auf sichere Bauweise kontrollieren. Geldstrafen drohten jenen, in deren Haus ein Brand ausbrach zu dem Alarm geläutet werden musste.

Die 1422 vom Rat erlassene Feuerordnung war eine Folge des Stadtbrands. Das Löschwesen war zuvor nur im Rahmen militärischer Alarmvorschriften geregelt. Jetzt wurden detaillierte Richtlinien erlassen. So hatten alle Zünfte je zwei Feuerleitern zu lagern, für deren Kosten die Stadt aufkam. Vier Küblern, die an vier verschiedenen Rändern des Stadtkerns wohnten, wurden mit speziellen Feuerwehrpflichten betraut. Jeder von ihnen hatte vier grosse Zuber bereitzuhalten.

Im Brandfall sollten die Kübler als Zübermeister bei der Wasserversorgung eine wichtige Rolle spielen. Im Gegenzug waren sie vom Wehrdienst befreit. Die Stadt erwarb auch, nach einem Muster aus Frankfurt, sechzig lederne Löscheimer. Solche Eimer erhielten Zünfte und Gesellschaften anstelle der zuvor üblichen Holzeimer. Die Ledereimer waren mit Zunft- oder Gesellschaftswappen zu kennzeichnen. Die Vorschriften von 1422 waren der Beginn des eigentlichen Feuerwehrwesens.




Beitrag erstellt 16.05.11 / Quelle korrigiert 30.01.17

Quellen:

Fridolin Ryff, Chronik 1514-1541, in Basler Chroniken Band 1, herausgegeben von Wilhelm Vischer und Alfred Stern, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1872, Seite 19

Martin Möhle, Beitrag "Streitgasse", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7, (Altstadt Grossbasel I), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2006, ISBN 3-906131-84-X, Seite 484 Spalte 1 und Anmerkung 519 Seite 577

Anne Nagel, Beitrag "Barfüsserplatz 6 / Streitgasse 5 - Barfüsserhof", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7, (Altstadt Grossbasel I), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2006, ISBN 3-906131-84-X, Seite 500, Spalte 1

Bruno Thommen, Abschnitt "Als die Zünfte Feuer löschten", in Die Basler Feuerwehr, Birkhäuser Verlag Basel, Basel, 1982, ISBN 3-7643-1286-6, Seiten 66 bis 68

Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 2/I, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1911, Seiten 287, 288 und 290 bis 292

Christian Wurstisen, Bassler Chronick, Sebastian Henricpetri, Basel, 1580, Seite 237

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