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Die Büste von Karl Sarasin


St.Albantor-Anlage 

Tram 3 St.Alban-Tor

Mit der Umgestaltung der St.Albantor-Anlage 2022 bekam er nach Jahrzehnten endlich einen würdigen Platz. An einem gut frequentierten Gehweg, eingerahmt von der Blütenpracht der Grünanlage. Lange musste der längst verstorbene Handelsmann und Politiker sich mit einem 1948 erhaltenen Eckchen neben dem St.Albantor begnügen. Manchmal kam jemand mit einem Hund an der Leine oder einer Bierbüchse in der Hand zu Besuch auf die Holzbank daneben.
Schmallippig blickte seine Büste dort an den Besuchern vorbei zur St.Alban-Anlage, als ob er mit zusammengezogenen Augenbrauen seine Grünfläche inspiziere. Den Grossteil dieser Parkanlagen hat die Stadt Basel ihm zu verdanken; Karl Sarasin (1815-1886). Sie bilden bis heute einen grünen Ring um den Stadtkern. Zum Ende der 1850er Jahre entschloss man sich dazu, dem Verkehr neue Wege zu schaffen. Dafür wurde Die mittelalterliche Stadtmauer abgerissen.
Es war Sarasin, der in diesen Jahren darauf hin wirkte, die von alten Mauern und Schanzen befreiten Flächen in jene Grünanlagen umzuwandeln, die seit damals den Charakter von Basel mitprägen. Karl Sarasin wurde am 17. April des Jahres 1815 geboren. Inmitten die turbulenten 100 Tage, in denen der von Elba entkommene Napoleon Bonaparte (1769-1821) noch einmal die Herrschaft in Frankreich an sich gerissen hatte und Europa zwischen Frieden und Krieg taumelte.



Die von Ferdinand Schlöth entworfene Büste von Karl Sarasin. Sie wurde der Stadt von Bankier Alfred Sarasin, seinem jüngsten Sohn, geschenkt und 1948 im Park neben dem St.Alban-Tor aufgestellt.

Aus bescheidenen Verhältnissen

Sarasins Vater Karl Sarasin-Heusler (1788-1843) war ein Basler Seidenband- und Tabakfabrikant. Ende der 1820er Jahre hatte diesen das Glück verlassen, so dass er als Prokurist in der eigenen verkauften Seidenbandfabrik arbeiten musste. Sein Sohn musste nach väterlichem Willen eine kaufmännische Laufbahn einschlagen. Seine Jugend war geprägt von den schmalen Finanzverhältnissen seines als Unternehmer gescheiterten Vaters. Sparen war geboten.
Andere Herrn-Söhne reisten durch Europa um den Horizont zu weiten und die Gewandtheit zu verfeinern. Der junge Karl musste mit Konzertbesuchen in Basel zufrieden sein. Aber die Schlichtheit förderte die Strebsamkeit, die einen Weg aus dem bescheidenen bürgerlichen Verhältnissen versprach. Zusammen mit seinem Vater (und finanzieller Hilfe von Verwandten), konnte Karl 1837 eine Firma zur Seidenfabrikation gründen. Sie wurde ein Erfolg.
Unter Karls Geschäftsleitung blühte das Unternehmen bald und er konnte sich der Gründung einer Familie widmen. 1840 heiratete er Adèle Vischer (1821-1845), mit der er eine Tochter und zwei Söhne bekam. Nach Adèles tragisch-frühem Tod, heiratete Karl 1850 Elisabeth Sauvain (1829-1918), die sechs Kindern das Leben schenkte. Derweil wendete sich Karl einer weiteren Laufbahn zu, wie das in der Oberschicht üblich war - er ging in die Politik.

Politischer Aufstieg

Im November 1845 wurde Karl in den Grossen Rat gewählt. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied des Verfassungsrates. Danach wirkte er als Ratsherr in der Regierung und ab 1874 als Regierungsrat. Sein Augenmerk legte er als Fabrikant in seiner politischen Karriere unter anderem auf die Förderung des Gewerbes. Auch für soziale Fragen hatte Sarasin Gehör. Bereits vor seiner Zeit als Basler Ratherr, setzte er sich 1841 für den Bau von Arbeiterwohnungen ein.
In einem späteren Referat vor dem Gewerbeverein forderte er anständige Wohnungen für die Arbeiterschaft. Freistehende Häuser sollten es sein, sonnig, komfortabel, gesund und günstig. Also das Gegenteil der berüchtigten Mietskasernen, die in vielen wachsenden Industriestädten das triste Elend der Arbeiterklasse prägten. Wie viele Bandfabrikanten durchlitt Sarasin während des Amerikanischen Bürgerkriegs 1861-65 eine Krisenzeit.
Der wirtschaftlich wichtige Absatzmarkt in Nordamerika verlangte nicht mehr nach luxuriösen Siedenbändeln sondern nach Gewehren. Erst mit dem wieder gesteigerten Export um 1870 stabiliserte sich die Lage, und Karl Sarasin war die Sorgen um sein Unternehmen los. In die 1860er Jahre fällt jene Veränderung, die ihm das Denkmal beim St.Alban-Tor brachte. Er war seit 1858 Vorsteher des Baukollegiums. Damit zählte auch die Stadtplanung zu seinem Fachbereich.



Detailansicht von Ferdinand Schlöths Büste, die lange nur als Gipsmodell existierte, bis sie sehr viel später in den 1940er als Guss-Skulptur umgesetzt wurde.

Stadterweiterung

Basel war noch vom spätmittelalterlichen Maurering umgeben, der Verkehrsfluss und Wachstum hemmte. 1859 wurde das Gesetz zur Stadterweiterung vorgelegt und angenommen. Sarasins Aufgabe war es, die alten Festungsbauten zu beseitigen. Vorher war aber noch ein Rechtsstreit mit dem Nachbarkanton Basel-Landschaft auszufechten. Der erhob Ansprung auf eine Entschädigung von 800'000 Franken, da er sich als Miteigentümer der Befestigungen betrachtete.
Nach einem Entscheid des Bundesgerichts 1862, bekam Baselland eine Abfindung von 120'000 Franken zugesprochen. Damit war der Basler "Schanzenstreit" beigelegt. Das von den Festungsbauten befreite Gelände sollte schrittweise umgestaltet werden. So entstanden an Stelle der zugeschütteten mittelalterlichen Stadtgräben unter Sarasins Leitung Grünanlagen wie zum Beispiel der Aeschengraben oder die St.Alban-Anlage. Ein Werk das bis heute Bestand hat.

Lebensabend

Sarasin, der Konservative mit liberalen Zügen machte, sich mit seinem oft strikten Vorgehen wiederholt Feinde. Die Umsetzung der Stadterweiterung brachte viele Widerstände die Erbitterung zurückliessen. Sein Herzensprojekt einer Basler Kanalisation wurde 1875 bei einer Volksabstimmung abgelehnt. Auch dem von ihm so geförderte Ausbau einer städtischen Wasserversorgung wurden viele Steine in den Weg gelegt. Müde trat er 1878 als Regierungsrat ab.
Er widmete sich vermehrt kirchlichen Belangen und war aktiv in der Kirchensynode, im Missionskomitee und in der Stadtmission. In seinen späten Jahren erlitt er mehrere Schlaganfälle zu denen Ende 1885 eine tödliche Lungenentzündung kam. Mit Karl Sarasin starb am 21. Januar 1886 der "Begründer der Anlagen auf dem Gebiet der äusseren Stadtgräben", wie das Denkmal nahe seiner letzten Wohnung an der St.Alban-Vorstadt 90 erzählt.
Sarasins Skulptur im Park wurden von Ferdinand Schlöth (1818-1891) geschaffen. Von ihm stammt auch das St.Jakobs-Denkmal. Er hat einst die Gipsbüste geschaffen, die dann vergessen wurde. Der Basler Bildhauer Alexander Zschokke (1894-1981) hat sie wiederentdeckt, Bankier Alfred Sarasin Iselin (1865-1953) schenkte die nach dem Gipsmodell gegossene Büste der Stadt Basel. Die liess sie 1948 in der Grünanlage beim St.Alban-Tor aufstellen.
Nach der Neuplatzierung bei der eingangs erwähnten Umgestaltung der Grünanlage, wurde die Skulptur 2023 zum Ziel eines Farbanschlages. Damals fanden solche Aktionen gegen historisches Unrecht international statt. Da Basel keine Denkmäler für Sklavenhändler oder Kolonialherren hatte, scheint der Schöpfer des Grüngürtels den Zorn abbekommen zu haben. Doch nach der Reinigung trug er dies ebenso gleichmütig wie seinen alten Standort im Gestrüpp.



Die Sarasin-Büste an ihrem neuen Standort am Parkweg 2022 in der St.Albantor-Anlage vor und nach dem Farbanschlag 2023.

Zusammenfassung

Aus namhaftem Geschlecht stammend, wuchs der 1815 geborene Karl Sarasin, wegen mangelnder geschäftlicher Fortüne des Vaters, in schlichten Verhältnissen auf. Vom Vater zur kaufmännischen Laufbahn bestimmt, erarbeitete sich Karl mit gewissenhafter Beharrlichkeit ein erfolgreiches Seidenbandunternehmen. Auch folgte bald die Gründung einer Familie. In zwei Ehen (Adèle Vischer, 1845 verstorben / Elisabeth Sauvain) wurde Sarasin neunfacher Vater.
Sarasin wurde 1845 in den Grossen Rat gewählt. In folgenden Jahrzehnten stand er in verschiedenen Ämtern im Dienste des Gemeinwesens. Eine prägende Rolle übernahm er bei der Öffnung der Stadt und der Beseitigung der Stadtbefestigung in den 1860er Jahren. Unter ihm wurde der alte Mauerring zu einem Gürtel von Grünanlagen. Im Jahr 1878 zog sich Sarasin aus der Regierung zurück, und starb neun Jahre später. Seit 1948 steht sein Denkmal beim St.Alban-Tor



Beitrag erstellt 22.07.16 / überarbeitet und neu illustriert 23.03.2026

Quellen:

Andreas Fischer, Abschnitt "Der Abbruch - Freie Sicht auf die Zukunft", publiziert in Mauern, Schanzen, Tore, Christoph Merian Verlag, Basel, 2007, ISBN 978-3-85616-332-7, Seiten 75 bis 85

Eduard His, Basler Handelsherren des 19. Jahrhunderts, Verlag Benno Schwabe & Co, Basel, 1929, Seiten 117 bis 130

Gustaf Adolf Wanner, Rund um Basels Denkmäler, Verlag Basler Nachrichten, Basel, 1975, Seiten 73 bis 76
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