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fragen zum alten basel
Der Name "Heuwaage"



Frau D. / 26. Mai 2015:

Ich wollte bei Ihnen nachfragen, warum heisst die Heuwaage eigentlich Heuwaage? Vielen herzlichen Dank für die Rückmeldung.

Antwort von altbasel.ch:

Der Heuberg erinnert noch heute daran, dass in früheren Zeiten, als in Basel noch viel Vieh und Pferde gehalten wurde, Heu sehr wichtig war. Der Gassenname geht auf die dortigen Scheunen und Heubühnen zurück. In die Stadt gelangte das Heu auf den Fuhrwerken der Bauern. Wie für alles Eingeführte, war auch auf das Heu eine Abgabe zu entrichten. Um diese festzulegen, musste die Heumenge gewogen werden.

Wie bei den heutigen Transportlastwagen, wurde damals das Fuhrwerk auf die befahrbare Waage gestellt und gewogen. Zog man das Gewicht des Wagens ab, so stand das Reingewicht des Heus fest. So lange das 1846 eröffnete Kaufhaus der Stadt am heutigen Barfüsserplatz lag, befand sich dort auch die Heuwaage. 1874 riss man das Kaufhaus ab, um an seiner Stelle den Musiksaal am Steinenberg zu errichten.

Vor dem ehemaligen Steinentor am Birsig wurde daher eine neue Heuwaage errichtet. Die Heufuhrwerke, die oft aus dem Leimental oder dem Sundgau kamen, wurden hier unter der Aufsicht des Heuwaagmeisters gewogen. Zwei Fünftel des Waaggeldes fiel übrigens direkt dem Waagmeister zu. So mag es nicht verwundern, dass sich etwa 1883 knapp 70 Bewerber auf die freigewordene und lukrative Stelle meldeten.

Pro 100 Kilo Heu waren 3 Rappen zu bezahlen. Die Heuwaage war gut frequentiert, und wurde nicht nur für das Taxieren von Heu genutzt. Im Jahr 1892 passierten zum Beispiel 3389 Tonnen Heu die Waage, so wie 777 Tonnen Stroh, 1971 Tonnen Holz oder auch 197 Tonnen Kartoffeln. Als Hausnummer Binningerstrasse 2a wurde 1901 ein neobarock angehauchtes Diensthäuschen für den Waagmeister gebaut.

Der Bau des kleinen Waaghäuschen hatte 8000 Franken gekostet. Doch der Gang der Zeiten verdängte Vieh und Pferde aus der Stadt, samt dem Heu. So wurde die Heuwaage irgend wann nur noch zum Wägen der Elefanten aus dem nahen Zolli gebraucht. Schliesslich hob man sie endgültig auf und riss das Waaghäuschen im August 1959 ab. Geblieben ist der Name "Heuwaage", der bis heute an alte Tage erinnert.


Beitrag erstellt 28.05.15 7 Korrektur Quellen 09.01.17

Quellen:

Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seite 164 (Heuwaage)

Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seite 138

André Salvisberg,Die Basler Strassennamen, Christoph Merian Verlag, Basel, 1999, ISBN 3-85616-104-X, Seite 210 (Heuwaage)

engel

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