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Die Claramatte
© by altbasel.ch

Die Claramatte gehörte einst zum Landbesitz des Frauenklosters St.Clara, welches seit 1280 in der verlassenen Kleinbasler Niederlassung des Ordens der Sackbrüder zu finden war. Das Kloster blühte auf und mehrte seinen Grundbesitz, womit auch jene Wiese vor der damaligen Stadtmauer ins Spiel kam - die Claramatte. Am 24.September 1285 schenkte Agnes von Tegerfelden (Tochter des einflussreichen Kleinbaslers Heinrich Brotmeister) dem Kloster eine Wiese.

Wörtlich wird die Wiese und ihre Lage im Banne Kleinbasels in Latein beschrieben: "sex jugera prati sita in banno Minoris Basileae, juxta bona... relicte quondam Henrici de Tasphenne ab una parte, ab altera parte juxta bona Heinrici dicti Ceissen". Die genannten Besitzer anstossender Grundstücke waren mit den Brotmeister verwandt. Diese Wiese bildete wohl den Kern des später zur Claramatte vereinigten Areals in Klosterbesitz vor der Stadtmauer.

ehemaliges kloster st.clara im 17. jahrhundert

Das einstige Kloster der Clarissen in Kleinbasel wie es im 17.Jh nach seiner Aufhebung aussah. Das Kloster hatte ab dem 13.Jh ausserhalb der Stadtmauer Grundbesitz, darunter die Claramatte.

Zum Grundbesitz in Kleinbasel kamen wie angedeutet immer mehr Grundstücke ausserhalb der Stadtmauer hinzu. Zu Beginn handelte es sich um einzelne Besitzungen die getrennt voneinander lagen. So zum Beispiel die Keimzelle der Claramatte - die in Latein aufgeführten sechs Jucharten Matten. Entlang des dort verlaufenden Krummen Teichs entstanden Mühlen. Auf der Claramatte gab es schon im 13.Jh die wassergetriebene Hammerschmiede (Hammerstrasse).

Die Hammerschmiede auf der Claramatte

Nebst der landwirtschaftlich genutzten Wiese besass das Kloster St.Clara somit dort auch einen Gewerbebetrieb. Die wirtschaftlich bedeutsame Schmiede brachte den Clarissen aber wenig Glück. 1402 überliessen sie den Besitz einem aus Altkirch stammenden Kessler und Kupferschmied für 50 Gulden zur Nutzung. Als Eigentümerin erhielt St.Clara dafür weiterhin jährlich Zinsen. 1462 war die Hammerschmiede auf der Claramatte heruntergewirtschaftet.

Der damalige Betreiber, ein Kesselschmied, und seine Frau flohen hoch verschuldet und die Schmiede des Klosters kam in die Hand des Schultheissen von Kleinbasel, der sie versteigerte. Für 47 Gulden erwarb der Schaffner von St.Clara die Hammerschmiede und führte sie wieder in den Besitz des Klosters. Dieses vermietete sie erneut. Der neue Betreiber hatte aber auch keine glückliche Hand mit der Schmiede, bereicherte sich dafür aber an der Claramatte.

Die Matte wurde wohl seit ihren frühen Tagen in Klosterbesitz auch zum Anbau von Obst genutzt. Der Betreiber der Hammermühle bediente sich offenbar nach Belieben und ohne Erlaubnis im Obstgarten der Clarissen und nutzte ferner eigenmächtig Gras und Holz von der Claramatte. Dafür klopfte ihm 1480 das Fünfergericht Basels auf die Finger. Die Matte und das Hammerwerk gemeinsam wurden damals übrigens erstmals explizit als "Claramatte" erwähnt.

Der ermahnende Spruch des Gerichts vermochte allerdings nicht für Ruhe auf der Claramatte zu sorgen, denn weiterhin musste das Kloster Missbrauch und Misstände registrieren. Die Zustände überlebten sogar das Kloster, denn noch nach dessen Aufhebung nach der Reformation hatten die Aufseher des Klosterguts mit Streitfällen auf der Claramatte zu tun. Nun befand sich diese nicht mehr im Besitz der Kirche sondern war Eigentum der Stadt geworden.

Turnplatz und Schlittschuhbahn

Die Stiche von Matthäus Merian im 17.Jh und die Zeichnungen von Emanuel Büchel im 18.Jh lassen auf der Claramatte auch lange nach den Zeiten des Klosters Obstbäume erkennen. Diese erhoben sich noch als die Wiese ab 1820 zum Turnplatz wurde, wo sich die Jugend von Kleinbasel körperlich ertüchtigen konnte. Die Claramatte war im 19.Jh auch als "Munimatte" bekannt, was darauf schliessen lässt dass dort wohl auch Hornvieh anzutreffen war.

Der bereits genannte Krumme Teich floss seit dem Mittelalter als Nebenarm des Riehenteichs an der Claramatte vorbei um das untere Kleinbasel mit Wasser für seine Mühlen zu versorgen. Dieser Kanal bot im 19.Jh auch die Chance auf der Claramatte etwas Neues auszuprobieren. Die Basler Turnkommission erwirkte im Winter 1826 erstmals beim Stadtrat die Bewässerung der Wiese. Mit dieser Massnahme konnte sie für das Schlittschuhlaufen genutzt werden.

brausebad claramatte

Das 1897 am Claragraben von Kantonsbaumeister Carl Leisinger erbaute Brausebad an der Claramatte. Zwischen 1902/09 wurde die Anstalt um- und ausgebaut. 1946 funktionierte man die Waschanstalt zu einem Kindergarten um.

Um 1830 fand die Bewässerung allerdings ein Ende, denn die hartnäckigen Beschwerden eines Anwohners machten der Schlittschuhseligkeit ein Ende. Weiterhin diente der Platz aber den Kindern zum Turnen. Im Jahr 1845 kam sogar ein Badeplatz für Waisenmädchen hinzu. Eine spezielle Kommission der GGG erreichte es 1858, dass in Basel wieder Schlittschuhbahnen angelegt wurden. Auch die Claramatte wurde im Winter nun wieder zur Eisbahn gemacht.

Zerteilung des ehemaligen Klosterbesitzes

Bereits in den 1850er Jahren entstanden erste Pläne welche eine Umgestaltung der Claramatte infolge der Stadtentwicklung zum Gegenstand hatten. Mit Dr. Edouard Hagenbach-Bischoff fand sich ein engagierter Befürworter der Bewahrung der Claramatte als Grünanlage. Er erkannte aber dass dazu der alte Baumbestand weichen musste, und das Areal eine Nivellierung und einen neuen Bewässerungsgraben benötigte. Es folgte die Zerteilung der Claramatte.

Ausserhalb der fallenden Kleinbasler Stadtmauer wurde 1863 ein Strassennetz angelegt. Zwei grosse Partien der Matte wurden zur Bebauung abgetrennt. Die verbliebene Wiese wurde eingerahmt durch die Klingentalstrasse, die Drahtzugstrasse und die Hammerstrasse. Der Claragraben, wo einst die Mauer verlief, bildete das Kopfende der verkleinerten Matte. Mit der Schlittschuhbahn war es 1866 vorbei, denn ihr Wasser sickerte in die Keller der Nachbarschaft.

Den ursprünglichen Plänen gemäss sollte die Claramatte als Rasenfläche auf tieferem Niveau als die sie umrahmenden Strassen erhalten bleiben. 1868 berichtete die Land- und Waldinspektion, dass dort aber kaum ordentlich Rasen wachsen konnte weil das Publikum häufig und in alle Richtungen über die Grünfläche lief. Bis 1870 wurde die Matte dann auf Strassenniveau aufgefüllt, zum Teil mit Aushub von Neubauten die am Claragraben entstanden.

Anfänge der Parkanlage Claramatte

Die aufgeschüttete Fläche sollte nun zur Volkswiese umgestaltet werden. 1872/73 gestaltete der Basler Stadtgärtner Michael Weckerle die Parkanlage Claramatte im Stil eines englischen Squares. Der Kantonsbaumeister Carl Leisinger erbaute 1897 am westlichen Rand des Parks als letzte der drei Kleinbasler Bade- und Waschanstalten ein Brausebad, welches zwischen 1902 und 1909 mehrere Ausbauten erfuhr und 1946 zum Kindergarten wurde.

pavillon claramatte

Der im Frühjahr 2006 noch von Baumaschinen umgebene Pavillon auf der Claramatte. 1912 entstand er zuerst als einfaches Podest anstelle eines mobilen Musikpodiums, um 1923/24 zur heutigen Gestalt ausgebaut zu werden.

Im Jahr 1912 wurde der Park durch einen Musikpavillon ergänzt. Dieser war im Prinzip zuerst eine Art Podest ohne Dach aus Beton. Es wurde dort erstellt wo in den frühen Zeiten des Parks ein romantischer Weiher mit künstlicher Felskulisse angelegt worden war. Das Musikpodest wurde schliesslich 1923 mit einem Dach versehen und erhielt ein neues Gesicht mit Holzverschalung. Über ein Jahrzehnt später wurde die Parkanlage tief gehend umgestaltet.

Anno 1936 begann eine zweijährige Phase des Umbaus die eine Neuaufteilung des Parks mit sich brachte. Bäume wurden gefällt und Kiesfläche reduziert sowie Wege verändert um mehr Rasenfläche zu gewinnen. Ein Teil der Parkfläche wurde vom eigentlichen Park ausgegliedert um zu einem Spielplatz für Kinder mit Sandhaufen und Planschbecken umgestaltet zu werden. Dort wurde 1938 auch ein Trinkbrunnen, geschaffen von Bildhauer Carl Gutknecht, aufgestellt.

Die Odyssee des Widderkopfbrunnens

Gutknechts Schlangenbrunnen war von einer sich aufrichtenden Schlange gekrönt, die zwei dünne Wasserstrahle in den Trog spie. Die Bronzeschlange wurde aber 2001 von Nachtbuben zerstört und seither stand der Brunnen schmucklos da. Er ersetzte übrigens den so genannten Widderkopfbrunnen der 1873 in einer Trottoirnische der Hammerstrasse an der Claramatte aufgestellt wurde. Dessen Vorgeschichte war bewegt und interessant.

Der Stock des Brunnens im Stil der Renaissance erhob sich bis 1873 auf dem Herbergsbrunnen an der Petersgasse, wo sich einst die Armenherberge befand. Eventuell gelangte dieser Brunnstock bei einer Sanierung 1781 auf diesen Brunnen und gehörte zuvor zu jenem Brunnen der als Vorgänger der heutigen Schöneckbrunnens in der St.Alban-Vorstadt beim Hohen Dolder stand. Bei der Parkanlage Claramatte wurde der Stock 1873 auf einen neuen Trog gesetzt.

Der Brunnstock wurde 1918 durch eine Kopie ersetzt. 1938 verschwand der Widderkopfbrunnen dann. Während der schadhafte Stock ins Erlenpumpwerk gelangte wurde der Trog auf den Friedhof am Hörnli versetzt. In jener Zeit kamen an der Drahtzugstrasse und der Klingentalstrasse auch die ersten Parkplätze entlang der Parkanlage auf. Der Autoverkehr forderte dann herrisch 1953/56 seinen Tribut - ein bis heute aktuelles Thema.

wc und geraetehaus der 50er jahre

Das 1958 als letzte grössere Ergänzung der Claramatte errichtete Nutzgebäude an der Hammerstrasse. Es bot Raum für Material der Stadtgärtnerei und nahm ferner zwei Toilettenräume auf.

Der Weg zur neuen Claramatte

Die zuvor längs angelegten Parkplätze wurden in den 50er Jahren schräg gestaffelt angeordnet damit mehr Autos nebeneinander Platz hatten. Und da man dafür nicht die Strasse schmälern konnte, mussten an der Drahtzugstrasse und der Klingentalstrasse je ein Streifen der Parkanlage für die Autos dran glauben. Neu trennten ab jenen Tagen auch eigens gepflanzte Hecken das Parkareal von den Bereichen des Kindergartens (seit 1946) und des Spielplatzes.

An der Ecke wo Hammerstrasse und Drahtzugstrasse aufeinander treffen entstand 1958 im Park ein kleines Gebäude welches sowohl öffentliche Toiletten sowie ein Magazin für die Stadtgärtnerei aufnahm. An der Drahtzugstrasse erforderte die Umgestaltung der Parkplätze für Autos die Verlegung des Trottoirs hinter die erste Baumreihe des Parks, wodurch erneut Grünfläche geopfert wurde. Der Park erfährt in den Jahrzehnten danach einen Abstieg.

Zu Beginn der 21.Jh wird die Neugestaltung des vielfach ergänzten und damit auch verunstalteten Parks Claramatte angeregt. Der verlotterte Musikpavillon von 1912/23 wird indes 2002/03 saniert und bietet heute wieder ein würdiges Bild. Die Parkanlage Claramatte ist derzeit (April 2006) Gegenstand einer umfassenden Neugestaltung. Die Wiedereröffnung ist im Juni 2006 vorgesehen. Der Weg war lang vom Obsthain der Clarissen bis zur neuen Claramatte.




Beitrag erstellt 11.04.06 / Nachgeführt 17.04.08

Quellen:

Casimir Hermann Baer, "Kirche und Kloster zu St.Clara", publiziert in Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, Band 3, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Birkhäuser Verlag, Basel, 1941, Seiten 304 bis 306

Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seite 139

Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seite 115

Sabine Braunschweig / Martin Meier, Beitrag "Der Aufbruch ins Industriezeitalter" publiziert in Leben in Kleinbasel 1392 1892 1992, Christoph Merian Verlag, Basel, 1992, ISBN 3-85616-051-5, Seite 118

Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 75 bis 76 und 156

Veronika Gerz-von Büren, Die Geschichte des Clarissenklosters St.Clara in Kleinbasel 1266-1529, Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte, Band 2, herausgegeben vom Staatsarchiv Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhard, Basel, 1969, Seiten 46 bis 47 und 110 bis 113

Dorothee Huber, Architekturführer Basel, herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, Basel, 2. Auflage 1996, ISBN 3-905065-22-3, Seite 174

André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, Christoph Merian Verlag, Basel, 1999, ISBN 3-85616-104-X, Seite 130

Felix Falter, Beitrag "Basler Stadtgrün im 19. und 20. Jahrhundert", publiziert in Gärten in Basel - Geschichte und Gegenwart, herausgegeben von der Öffentlichen Basler Denkmalpflege, Gustav Gissler, Basel, 1980, ISBN 3-85556, Seiten 36 bis 37

Jahreszahlen und Fakten zur Geschichte der Claramatte, publiziert im Internet unter http://www.claramatte.ch/geschichte_1.htm

engel

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