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fragen zum alten basel


Druck des Neuen Testaments in Basel


Herr W. / 10.Mai 2006:

Wurde die Luther'sche deutsche Übersetzung des Neuen Testamentes in Basel geduckt? Warum nicht in Mainz?

Welche Beziehungen bestanden damals von Luther nach Basel? Zu Petri oder Froben, durch Erasmus? Wann wurde die erste deutsche Ausgabe gedruckt? Wer hatte in Basel Interesse reformatorische Schriften zu verbreiten, obgleich die Reformation sich erst 1529 verbreitete? Wem wurden die nachfolgenden Exemplare verkauft? Wo befinden sich heute noch diese alten Folianten? Könnten Sie mir eine kurze Anwort geben. Leider fand ich in den Zeittafeln keine zufriedenstellende Antwort.



Antwort von altbasel.ch:

Basel verdankte seinen Ruf als Druckerstätte im ausgehenden Mittelalter zur Hauptsache Druckern aus Deutschland. Mit Johannes Amerbach liess sich 1475 der aus dem Odenwald stammende Pionier unter ihnen in Basel nieder. Er erwarb unter anderem das Haus "zum Sessel" am Totengässlein, welches später dem ebenfalls bekannten Drucker Johannes Froben gehörte, und das von 1514 bis 1516 Erasmus von Rotterdam als Domizil diente. Amerbachs Streben war es zum Segen der Kirche die Werke kirchlicher Autoren vergangener Zeiten zu drucken.

Johannes Amerbach war nicht nur ein beseelter Drucker sondern auch ein begabter Geschäftsmann. Er holte mit den Druckern Johannes Petri und Johannes Froben zwei Landsleute aus Franken nach Basel, wo sie mit ihm gemeinsam den Ruf Basels als Druckerstätte ersten Ranges begründeten, die durchaus mit Mainz mithalten konnte. Schon in frühen Jugendjahren soll Johannes Petris Cousin Adam ebenfalls nach Basel gekommen sein. Er führte die Offizin seines Onkels weiter und ist die Schlüsselfigur zu ihrer Frage. Er machte sich mit dem Druck lutherischer Kampfschriften einen Namen.

In seinen letzten Lebensjahren erarbeitete sich Adam Petri seinen Platz in der Basler Geschichte der Druckwesens indem er als einer der ersten Luthers Bibelübersetzungen druckte. Die Sache und die Werke Luthers hatten es Petri angetan, womit wir den Grund dafür hätten wie Luthers Worte nach Basel aufs Büttenpapier kamen. Adam Petri erscheint ab 1507 als Zunftbruder zu Safran in Basel. 1523 brachte er seine Basler Ausgabe von Luthers Übersetzungen des Alten Testaments heraus, nur kurz nach deren Druckbeginn Ende 1522.

Petri hatte seine Ausgabe mit Zierillustrationen und kleinen Ergänzungen erweitert. Was Luther bis 1525 vom Neuen und Alten Testament fertiggestellt hatte, brachte Adam Petri bis zu seinem Tod 1527 in vier Bänden heraus, die auf den deutschen Buchmarkt gelangten. In Basel gab es vor allem in den Zünften starke Strömungen die dem Gedankengut Luthers geneigt waren, und die später auch in Basel die Reformation trugen. Dies konnte man zum Beispiel in der Zunft zu Safran beobachten, wo die Drucker zünftig waren.

Nicht weiterhelfen kann ich bezüglich der Standorte der überlebenden Petri-Drucke des Neuen Testaments. Ich weiss dass vom Ersten Band zum Alten Testament in Dresden, München, Stuttgart und Wolfenbüttel je eine Ausgabe vorhanden sein sollen. Was das Neue Testament angeht, so bin ich überfragt.


Ergänzender Hinweis von Dr.Daniel Reicke, 30.April 2007:

Bei den Lutherdrucken haben Sie auf eine Frage nicht umfassend geantwortet – hier die Infos aus dem UB-Katalog:

Das Gantz Neüw testament recht grüntlich teutscht : Mit gar gelerten und richtigen vorreden und der schweresten örteren kurtz aber gut auszlegung : Die auszlendigen wörter auff unser teutsch angezeigt ... / [ ... von M. Luther]. -   Basel  : Adam Petri, 1524 [002805939]

Standort: BS UB. Magazin | Signatur: FG IX2 96

„An den christlichen Adel deutscher Nation“ und „De captivitate Babylonica Ecclesiae“ wurden beide von Adam Petri in Basel schon 1520 nachgedruckt. Beide auch in der UB vorhanden.

Zu wissen ist auch, dass den Druckern die Brisanz der Lutherschriften ausserordentlich gelegen kam. Wenn Adam Petri sich für die Luthersache auch inhaltlich interessierte, so war das seine Sache. Der Grund aber, dass er die Schriften Luthers so schnell (unautorisiert!) nachdruckte, lag eindeutig im Geschäftlichen, denn da war der Absatz garantiert.


Ergänzender Hinweis von Claudius Buser, 30.Mai 2006:

Im Zusammenhang mit meiner Arbeit (Kirchengeschichte) habe ich bei Ihnen auf Ihrer Seite einige Dinge nachgelesen, dabei ist mir bei Ihrem Artikel über den "Druck des NT in Basel" aufgefallen, dass sie hier den AT Druck der Lutherbibel etwas früh ansetzen, dh. etwas ungenau beschreiben: Luther hat zuerst nur Teile übersetzt und drucken lassen, aber nicht gerade die ganze Bibel. Ich hänge Ihnen einen Auszug aus meinem Manuskript zum Thema an.

"...Die "Septemberbibel" befand sich noch im Druck, als Luther schon an den 5 Büchern Moses arbeitete. Bereits Mitte Dezember 1522 konnte mit dem Druck begonnen werden. Sie erschienen als der erste Teil des AT 1523. Im Januar kamen 1524 die Geschichtsbücher heraus, und im Herbst des gleichen Jahres folgten die Lehrbücher (Hiob, Psalmen und die Schriften Salomos)..."




Querverweise:

>> Wohnstätten des Erasmus von Rotterdam in Basel

>> Druckerherr Johannes Froben (Frobenius)

>> die Druckerherren Petri und Henricpetri




Literatur:

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 173 bis 177 und 207

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seite 94

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