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Johannes Froben (Frobenius)
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Sein genaues Geburtsdatum liegt im Dunkeln, doch es sei um 1460 gewesen, als im fränkischen Hammelburg Johann Froben das Licht der Welt erblickt habe. Demzufolge kam er im selben Jahr zur Welt als in Basel die Universität gegründet wurde, auf der er vermutlch später die alten Sprachen studierte. Bevor er nach Basel kam hatte Froben in Nürnberg in der Druckerei von Anton Koberger seine Gesellenzeit absolviert. Er war also schon mit der Schwarzen Kunst vertraut.

Mit Johannes Amerbach kam bereits 1475 ein Landsmann von Froben nach Basel um hier als Drucker zu arbeiten. Von ihm wurde Froben, der zuvor möglicherweise als Student in der Stadt weilte, als Korrektor angestellt. Amerbach gehörte unter anderem das Haus "zum Sessel" am Totengässlein, von dem später noch die Rede sein wird. Bei Amerbach wurde 1482 das Vocabularius breviloquus publiziert, und in einem seiner Exemplare hat sich Froben mit eigener Hand verewigt.


Die Handschrift im Buchdeckel

Im vorderen Deckel dieses Exemplars findet sich nämlich der deutsche Eintrag "Johannes froben von Hammelburg" der sich in Latein wiederholt. Der hintere Deckel trägt in selber Handschrift den Vermerk "Anno Dm 1486 Jar war Ich zu nurmberg bey dem koberger". Weder der Umstand dass das Vokabular 1482 gedruckt wurde noch der handschriftliche Hinweis Frobens geben aber konkret Aufschluss darüber wann er nach Basel kam. Sicher ist dass er 1490 das Basler Bürgerrecht erlangte.


johannes froben nach holbein

Johannes Froben nach einem Gemälde von Hans Holbein. Daneben der bekannte Schlangenstab mit Taube, das Druckerzeichen Frobens das auf einen Entwurf Holbeins zurückgeht.

Im Jahr 1491 erscheint das erste eigene Werk Frobens, eine lateinische Bibel. Sie war in der kleinsten Schrift aus dem Sortiment Amerbachs gedruckt, denn Froben orientierte sich zu Beginn bei der Gestaltung der von ihm gedruckten Bücher stark an jenem. Das Drucken galt damals in Basel als freie Kunst. Folglich waren die Drucker nicht gezwungen einer Zunft beizutreten. Viele taten es aber freiwillig. Froben wurde im Mai 1492 in der Zunft zu Safran aufgenommen.

Von der ersten Ehe Frobens ist lediglich bekannt dass es sie gab. Weder der Name seiner Gattin noch das Datum der Hochzeit sind greifbar. Im Jahr 1510 ehelichte er seine zweite Gattin Gertrud Lachner, die Tochter des Buchhändlers Wolfgang Lachner. Aus erster Ehe stammt Frobens Sohn Hieronymus, der später sein Werk fortführen sollte. Hieronymus wurde am 6.August 1501 geboren und soll einer Tradition gemäss der erste als Eidgenosse geborene Basler gewesen sein.

Während nämlich in der Stadt die Feierlichkeiten zum Eintritt Basels in den Bund der Eidgenossen stattfanden, soll Hieronymus das Licht der Welt erblickt haben. Er heiratete übrigens 1524 mit Anna Lachner die Schwester seiner Stiefmutter. Das Drucken konnte ein kostspieliges Geschäft sein, so ergaben sich notgedrungen Partnerschaften innerhalb des Gewerbes. Johannes Froben tat sich 1496 mit Johannes Petri zusammen, einem ebenfalls aus Franken zugewanderten Basler Drucker.


Der Weg zur eigenen Druckerei

Bis 1509 druckte Froben zusammen mit Petri, während Johannes Amerbach ab 1500 gemeinsam mit Froben druckte. Ab 1502 gab es ein regelrechtes Unternehmen der drei Druckerherren welches ein gutes Jahrzehnt existierte, und das vermutlich von Amerbach geleitet wurde. 1507 hatte Froben von Amerbach dessen zweite Druckerei im Haus zum Sessel am Totengässlein gekauft um dort seine eigene Offizin zu eröffnen. Dies brachte ihm auch den Beinamen "der Sessler" ein.

Im Jahr 1511 starb Johannes Petri und das Unternehmen ruhte auf Amerbach und Froben. Mit dem Tod Amerbachs 1513 stand schliesslich Froben alleine an der Spitze des Basler Verlagswesens. Er war indes gut dafür gerüstet, denn sein Schwiegervater Wolfgang Lachner führte von Basel aus Buchhandel mit Deutschland und Italien. Lachner war an Johannes Frobens Druckerei beteiligt, wobei in seinen Händen vermutlich eher die kaufmännischen Belange des Unternehmens lagen.

Es dürften wohl Schweigerpapas Drähte nach Italien (namentlich Venedig) gewesen sein, die Froben mit den Druckwerken des berühmten Aldus Munatius bekannt machten. Dessen Werke waren in klaren und schlichten Antiqua-Schriften gesetzt, die sich von den bislang in Basel gebräuchlichen gebrochenen Schriften (allgemein auch als "gotisch" bekannt) deutlich unterschied. Diese Antiqua war nach Frobens Geschmack. Ab 1512 konnte er wohl seine Bücher nach eigenem Gusto gestalten.


Hohes Niveau - internationales Ansehen

Nunmehr erschienen Werke aus Frobens Offizin in Antiqua gedruckt. Um 1513 wurde erkennbar dass sich Johannes Froben an den Werken aus den Pressen des Aldus in Venedig orientierte, sowohl im Erscheinungsbild der Drucke als auch im Inhaltlichen. Froben konzentrierte sich auf das Terrain des Wissenschaftlichen und druckte keine vergänglichen aktuellen Texte und kaum je welche in Deutsch. Diese inhaltliche Ausrichtung, verbunden mit der Qualität seiner Arbeit, wurde geschätzt.

Die Werke in Latein und Griechisch aus Frobens Druckerei am Totengässlein wurden international bekannt, und dies auch wegen ihrer herausragenden Gestaltung. Er zog begabte Künstler wie Urs Graf oder Hans Holbein zur schmückenden Ausgestaltung seiner Bücher bei. Letzterer schuf auch Frobens "Firmenlogo", den Schlangenstab mit Taube - nach dem Bibelspruch "Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben". Bald wurde Froben mit seinem Vorbild Aldus in einem Zug genannt.

Der Nachdruck einer Sprichwörtersammlung sollte das Leben des Johannes Froben verändern. Diese sogenannte "Adagia" des Erasmus von Rotterdam wurde 1508 noch von Frobens Vorbild Adlus in Venedig herausgebracht. Als eine Neuauflage anstand, bemühte sich auch die bekannte Offzin des Jodocus Badius in Paris um den Auftrag, aber es sollte überraschend Froben sein der sich den Auftrag holte. Er machte sich 1513 daran das Werk in der Schönheit der Ausgabe des Aldus nachzudrucken.


Die Charade des Humanisten

Als Erasmus die Ausgabe Frobens in Händen hielt wurde offenbar sein Interesse an dessen Arbeit geweckt. Erasmus begab sich im Sommer 1514 nach Basel und klopfte bei Froben an - inkognito. Sei es aus Schalk oder im Bestreben dem Drucker seines Werkes unerkannt zu begegnen um ihn kennezulernen, jedenfalls gab sich Erasmus als enger Freund seiner selbst aus. Er teilte Froben mit, dass er von Erasmus bevollmächtigt sei, über die Publikaton von dessen Schriften zu verhandeln.

Erasmus hielt seine Charade in einem Brief an einen Bekannten später fest. Unterhaltsam liest es sich, wenn der Humanist beschreibt wie er vortrug dass alles was er tue gleichzusetzen sei mit dem was Erasmus täte, denn er sei ihm so ähnlich dass man, wenn man ihn sähe den Erasmus sähe. Als Froben die Maskerade durchschaute habe er lachen müssen. Frobens Schweigervater Wolfgang Lachner liess Gepäck und Pferd des Erasmus aus der Herberge ins Haus zum Sessel bringen.

Für eineinhalb Jahre lebte Erasmus von Rotterdam danach unter einem Dach mit Johannes Froben am Totengässlein. Die Offizin Frobens sollte nunmehr zum Stammverlag für die Schriften des Erasmus werden, was dem Unternehmen gewaltig Ansehen und Umsatz einbrachte. Die geschäftliche Beziehung zwischen Froben und Erasmus wandelte sich mit der Zeit in eine innige Freundschaft, und Erasmus verstand es auch Einfluss auf das Verlagsprogramm des Johannes Froben zu nehmen.


totengaesslin mit haus zum sessel

Das Totengässlein mit dem Haus "zum Sessel" (Hausnummer 1/3) wo heute das Pharmazie-Historische Museum zuhause ist. Froben kaufte 1507 von Johannes Amerbach das Haus mit dessen zweiter Druckerei. Hier war 1514/16 auch Erasmus von Rotterdam zu Gast und 1526/27 verkehrte hier der berühmte Arzt Paracelsus.

Bereits 1518 druckte Froben gesammelte Schriften von Martin Luther. In einem Brief vom Oktober des selben Jahres teilte er dem Reformator mit, dass dieser Druck nach Frankreich, Spanien, Brabant und England vertrieben wurde. Er habe bis auf zehn Exemplare die ganze Auflage verkauft und mit keinem Buch je ein besseres Geschäft gemacht. 1519 brachte er eine zweite Sammlung von Luthers Schriften heraus, die ebenfalls rasch vergriffen war. Dem machte Erasmus als loyaler Katholik ein Ende.


Ein Haus am Nadelberg für Erasmus

Die Publikation von Texten Martin Luthers waren Erasmus von Rotterdam nicht genehm, denn sie stifteten ihm zuviel Unruhe. Er wird wohl Froben dazu bewegt haben, Luther unvermittelt aus dem Sortiment zu nehmen. Erasmus weilte zuerst bis 1516 in Basel und wohnte während dieser Zeit im Haus zum Sessel. Dann kehrte er nach Löwen zurück um Ende 1521 dauerhaft nach Basel zu kommen. Sein Freund Froben sorgte dafür dass es Erasmus nicht an einer angenehmen Behausung fehlte.

Johannes Froben kaufte 1521 drei Häuser am Nadelberg für insgesamt 200 Gulden. Eines davon war das Haus "zur alten Treu" (heute Nadelberg 17). Und da Erasmus nach eigenem Bekunden die Wärme eines Ofens nicht ertrug, liess Froben ihm in diesem Haus ein Cheminée (offener Kamin) einbauen. Erasmus lebte in diesem Haus bis er Basel wegen der nahenden Reformation verliess. Erasmus von Rotterdam sollte seinen Verleger und Freund Johannes Froben um neun Jahre überleben.

Für ein gutes Jahrzehnt findet sich in Frobens Büchern ausgesuchtes Zierwerk, etwa in Form von schmückend ausgearbeiteten Initialen. Ab zirka 1522 drang dann eine schlichtere Linie in der Gestaltung durch, die sich in einem streng anmutetenden Erscheinungsbild manifestierte. Im selben Jahr wurde er auch in die Schlüsselzunft aufgenommen. 1521 war Johannes Froben beim Sturz von einer Bücherleiter so schwer verunfallt, dass er seither unter den Folgen zu leiden hatte.


Der Nachruf eines Freundes

Trotz dieses Gebrechens führte er sein Werk mit bewundernswerter Disziplin fort. Frobens Sohn Hieronymus, alt genug um ihm zur Hand zu gehen, war seit 1521 ebenfalls zu Safran zünftig. Auch er sollte eine freundschaftliche Beziehung zu Erasmus von Rotterdam aufbauen. Am 27.Oktober 1527 warf ein Schlaganfall Johannes Froben aufs Krankenlager. Zwei Tage später war er tot. Erasmus von Rottersdam beklagte kurz darauf in einem Brief den Verlust des Freundes.

Diese Zeilen des Erasmus berichteten von einem Freund der so aufrichtig gewesen sei, dass er einem unmöglich hätte etwas vorspiegeln können, auch wenn er es gewollt hätte. Froben sei zuvorkommend und eifrig bemüht gewesen allen zu dienen, und er habe sich sogar gefreut wenn er jemandem helfen konnte der seiner Hilfe unwürdig gewesen sei. Johannes Froben sei Neid so fremd gewesen wie einem Blindgeborenen Farbe. Erlittenes Unrecht vergass er rasch, aber nicht Wohltaten.

Auch von Frobens Berufsethos kündet Erasmus, wenn er schreibt dass der Drucker weder durchwachte Nächte noch Arbeit scheute um seine Schriften zu publizieren. Sein Streben sei es gewesen, einen guten Schriftsteller in einer würdigen Ausgabe in die Hand der Leser zu bringen. Präsentierte er strahlend die erste gedruckte Seite eines Werks sei er ausser sich vor Freude gewesen, als wäre ihm dies bereits Lohn genug und er erwarte keinen weiteren Gewinn.

Wenngleich Erasmus seinen verblichenen Freund ausführlich und mit arg schönen Worten beschreibt, scheint doch einiges an diesem Lob dran zu sein. Wie sein Sohn Hieronymus festhielt, habe sein verstorbener Vater den Erben mehr Ruhm denn Geld hinterlassen. Johannes Froben, Drucker und Verleger begehrter Werke die ihren Weg nach ganz Europa fanden, liess nach seinem Tod trotz guten Geschäftsganges wenig Geld zurück. Offenbar war er wirklich nicht um des Mammons Willen erfolgreich.




Querverweise zu Basler Druckerherren:

>> die Druckerherren Petri und Henricpetri

>> Basler Lutherdrucke von Adam Petri



Literatur:

Johannes Froben und der Basler Buchdruck des 16.Jahrhunderts, Begleitschrift zur Ausstellung im Gewerbemuseum Basel zur 500-Jahrfeier der Universität Basel, 1960, Benno Schwabe & Co Basel

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 174 bis 178

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 155 bis 157

Basler Portraits aller Jahrhunderte, 1. Band, herausgegeben von W.R. Staehelin, 1919, Druck und Verlag von Frobenius AG, Bildtafel 2

engel

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