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Die alte Basler Rheinbücke
© by altbasel.ch

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Nicht die erste Rheinbrücke

Das exakte Baudatum der mittelalterlichen Basler Rheinbrücke ist nicht bekannt. Wohl berichten Urkunden im Jahr 1225 von einer Brücke über den Rhein, wobei es darum ging die Klöster St.Blasien und Bürglen vom Brückenzoll zu befreien. Das genügt aber noch nicht, um definitiv zu sagen ob die Brücke zu diesem Zeitpunkt bereits errichtet war.

Erst mit der Nennung eines "Johannes an der Rheinbrücke" in einer Urkunde von 1244 wird die Brücke erstmals wirklich fassbar. Auch handelt es sich bei der Basler Rheinbrücke nicht um den ältesten und einzigen Flussübergang zwischen Niederrhein und Bodensee. Ende des 12.Jh besass Rheinfelden bereits eine Brücke über den Rhein.

rheinbruecke um 1615

1 - Oberes und Niederes Rheintor am Grossbasler Ufer
2 - Verbreiterte Grossbasler Partie auf Holzpfeilern ruhend
3 - Käppelijoch auf dem fünften Steinpfeiler
4 - Schmalere Kleinbasler Partie auf Steinpfeilern ruhend

Der Bischof als treibende Kraft

Die Erschliessung der Gotthardroute für die Handelswege nach Süden kann beim Bau der Brücke kaum jene grosse Rolle gespielt haben, die ihr immer wieder zugewiesen wurde. Es verhält sich vielmehr so, dass dieser Weg über die Alpen seine grosse Bedeutung für den Fernhandel erst im 14.Jh erlangte, also nach dem Bau der Brücke.

Als treibende Kraft hinter dem Brückenbau kann, auch ohne genaues Baujahr, Bischof Heinrich von Thun betrachtet werden. Er gewann die Unterstützung der genannten Klöster St.Blasien und Bürglen für das Vorhaben. Auch die Basler Bürgerschaft vermochte er vom Projekt zu überzeugen und er ging sogar soweit den Kirchenschatz für den Brückenbau zu verpfänden

Die Wahl des Standorts fiel auf jene niedrige Grossbasler Uferpartie bei der Mündung des Birsig. Vom Kleinbasler Ufer her wurden fünf Steinpfeiler im Flussbett erstellt. Dabei wurden mit langen Holzbalken Wasserstuben geschaffen, in denen das Wasser bis auf den Grund abgepumpt wurde. So konnte unter dem Rheinpegel gemauert werden.

Infolge des Flussverlaufs und der Beschaffenheit des Ufers war das Flussbett auf der Grossbasler Seite derart tief, dass dort mit den Mitteln des 13.Jh keine Steinpfeiler gemauert werden konnte. Stattdessen stützten auf dieser Seite sieben Stelzen aus Eichenpfählen die Brücke. Die Holzkonstruktion war natürlich nicht so beständig wie die Steinpfeiler.


Raffiniert gebaute Pfeiler

Die Steinpfeiler waren wohldurchdacht konstruiert. Ihre rechteckigen Mittelkörper waren stromaufwärts und stromabwärts mit einem keilförmigen Abschluss versehen. Dies gab dem Grundriss des einzelnen Pfeilers das Aussehen einer langgezogenen Bienenwabe. Dabei waren sie nicht gleichförmig der Brücke angepasst. Sie richteten sich vielmehr auf den Strom des Wassers aus.

rheinbruecke um 1615

Diese Aufnahme des Stadtmodells im Klingentalmuseum nach dem Merianplan von 1615 zeigt die Grossbasler Partie der alten Brücke. Man kann das Rheintor erkennen und es ist auch zu sehen, dass die Brücke hier auf schmalen Holzpfeilern ruht.
Das Gehäuse jedes Steinpfeilers bestand aus eisenverdübelten roten Sandsteinen. Im Inneren waren die Pfeiler mit Kieselwacken und Mörtel ausgefüllt. Zehn Meter lang war jeder Pfeiler, dazu kamen zweimal zwei Meter für die keilförmigen Abschlüsse. Bei einigen Pfeilern musste nachweislich mehrere Male neu begonnen werden mit der Maurerarbeit.

Auf der Grossbasler Seite, wo man das Rheintor erbaute, wurde die letzte Partie als Zugbrücke gestaltet, die es erlaubte rasch den Weg über den Fluss zu unterbrechen. Es gibt Indizien dafür, dass die Brücke zu Beginn keine Geländer aufwies. Später scheint man wenigsten stromaufwärts ein solches zur Sicherheit erstellt zu haben.


Unterhalt war Sache der Bürger

Die fertiggestellte Rheinbrücke musste von der Basler Bürgerschaft unterhalten werden. Eine Folge davon war die Tatsache, dass im 14.Jh die Gelder aus den Aufnahmen neuer Bürger in den Unterhalt der Brücke flossen. Dass diese Pflicht ein teures Unterfangen war, lässt sich auf den zahlreichen Hochwasserschäden ablesen, welche die Brücke oft unpassierbar machten.

Wichtige Brückenteile, etwa Holzpfeiler, rissen oftmals die Fluten mit sich, so belegt erstmals 1268. 1274 beschädigte im Sommer ein Hochwasser die Brücke stark. Weitere schwere Schäden gab es 1275, 1302, 1340 und 1343. Im Jahr 1374 riss das Wasser gleich zwei Pfeiler weg. 1358 rammte ein Schiff ein Joch der Brücke, wobei ein Pfeiler einstürzte und viele Menschen umkamen.

Die Brücke erlitt beim Erdbeben von 1356 keinen nennenswerten Schaden. Das 15.Jh brachte fortwährend neue Beschädigungen am Bauwerk, so durch weitere Hochwasser 1408, 1421 und 1424. Im letzten Fall waren am 15.Juli gleich drei Pfeiler fortgerissen worden. Man erstellte mit Schiffen eine Pontonbrücke in der Lücke, von wo aus Leitern auf die Joche hinauf führten.


Das Käppelijoch

Im Jahr der Vereinigung von Gross-und Kleinbasel, Anno 1392, wurde offenbar das als Kapelle auf der Brücke bezeichnete "Käppelijoch" erneuert. Diese erste Brückenkapelle erhob sich auf dem fünften und somit äussersten Steinpfeiler der Brücke, und war wohl zunächst aus Holz. Die Kapelle war auch Schauplatz öffentlichen Strafvollzugs.

Frauen die des schweren Diebstahls, des Ehebruchs oder Kuppelei für schuldig befunden wurden, oder auch Kindsmörderinnen (meist Frauen die ihre Neugeborenen töteten), wurden dort gefesselt in die Fluten des Rheins geworfen. Das blühte auch Männern die man der Bigamie oder der Elternmisshandlung für schuldig sprach. Bei St.Johann liess man sie dann aus dem Wasser ziehen und wiederbeleben.

Oft gelang es die Verurteilten ins Leben zurückzuholen, womit sie begnadigt waren. Daher führte diese Bestrafung immer seltener zum Tod, weshalb man ab 1634 die Enthauptung durch das Schwert vorzog. Eine andere Strafe war das Schwemmen, das überwiegend an Personen vollzogen wurde, denen man Zauberei oder Wiedertäuferei zur Last legte. An einem Seil zog man sie dreimal unter der Brücke hindurch.

Die alte Brückenkapelle war wahrscheinlich gegen die Brücke hin völlig offen. So war es auch möglich, dass im Januar 1433 einige der zum Konzil zu Basel angereisten Hussiten die Christusfigur in der Kapelle entweihten. Mit Schneeballwürfen und Fausthieben sollen sie sich an der Darstellung des Gekreuzigten vergangen haben. Anno 1478 wurde die Brückenkapelle als Steinbau neu errichtet.


Hilfe gegen Zahnweh

In früheren Zeiten muss es einen balkonartigen Gang um das Käppelijoch herum gegeben haben. Jedenfalls ist der alte Volksglaube überliefert, dass jemand der Zahnschmerzen habe, lediglich dreimal um das Käppelijoch herumlaufen müsse um sie loszuwerden. Diese oekonomische Zahnbehandlung ist heute wegen der neuen Architektur der Kapelle und der Brücke nicht mehr durchführbar.

Die Steinpfeiler waren wohldurchdacht konstruiert. Ihre rechteckigen Mittelkörper waren stromauf und stromab mit einem keilförmigen Abschluss versehen. Dies gab dem Grundriss des einzelnen Pfeilers das Aussehen einer langgezogenen Bienenwabe. Dabei waren sie nicht gleichförmig der Brücke angepasst, sondern richteten sich vielmehr auf den Strom des Wassers aus.

rheinbruecke um 1615

Das Kleinbasler Ufer mit dem auf die Brücke ragenden Richthaus und gegenüber rheinabwärts dem Haus zum Waldeck, welches die School der Metzger der minderen Stadt beherbergte. Man sieht die Steinpfeiler, auf denen die Brücke auf der Kleinbasler Seite des Flusses ruhte.
Bau eines sechsten Pfeilers

Um die Brücke zu verstärken liess der Rat 1457 einen sechsten Steinpfeiler auf der Grossbasler Seite erbauen. Man nannte ihn nach Bürgermeister Hans von Bärenfels "Bärenfelserjoch". Ein neues Hochwasser brachte am 24.Juli 1480 drei der Brückenpfeiler zum Einsturz. Immer wieder nahm die Brücke bei reissenden Fluten Schaden, so musste 1567 ein schadhafter Pfeiler ersetzt werden.

Von dieser Bauaktion zur Neujahrszeit berichtet eine zeitgenössische Aufzeichnung des Dybold Ryff. Es wäre damals nötig gewesen, unter anderem ein steinernes Joch welches bei Hochwasser schadhaft geworden sei, mit einer Wasserstube einzufassen und neu zu bauen. Aber es drang stetig zu viel Wasser in den trockengelegten Bereich um den Pfeiler ein, so konnte nicht gemauert werden.

Der Rat wandte sich an die Bürgerschaft und bat sie um Frondienste (unbezahlten Arbeitseinsatz). Der Bitte sei entsprochen worden, und am 29.Dezember zogen die Zünfte zum Schlüssel und zu Hausgenossen um 03.00 Uhr Morgens unter Trommeln und Pfeifen zur Brücke an die Arbeit, um die vollgelaufene Wasserstube solange trocken zu halten, bis der Pfeiler neu erstellt war.

In vier Schichten zu drei Stunden hielten die Zunftbrüder im Schweisse ihres Angesichts die Wasserräder in Gang. Andere Zünfte folgten zur Ablösung beim Schöpfdienst. Man habe um die drei Wochen lang Tag und Nacht das Trommeln der Zunftmannschaften auf den Gassen gehört, die zum Wasserschöpfen zur Brücke hinaus zogen. Man kann sich die Mühen bei solchen Bauarbeiten nun vorstellen.


In hohem Bogen gespannt

Der Stadtplan Merians aus dem 17.Jh zeigt deutlich, dass damals die Fahrbahn der Brücke auf der Grossbasler Seite zu den beiden Torbogen des Rheintors hin keilförmig breiter wurde. Vermutlich war dies auf der wegen den Holzpfeilern leichter umzubauenden Rheinhälfte nötig, wegen des um 1440 erstmals erwähnten Niederen Rheintors.

Die alte Rheinbrücke erstreckte sich in der Vertikalen in einem Bogen von Ufer zu Ufer. Der höchste Punkt befand sich beim Bärenfelserjoch, wo die Fahrbahn der Brücke rund 180 Zentimeter höher als an den den Brückenköpfen lag. Einst muss die Fahrbahnbreite, entsprechend dem Torbogen des Rheintors, nur ca 420 Zentimeter betragen haben.

Im 19.Jh wurde immer deutlicher, dass die Brücke allmählich trotz stetiger Reparaturen altersschwach wurde. In Laufe der Zeit war sie zu einen grossen Flickwerk geworden, dass dem ansteigenden Verkehr nur mit Mühe gewachsen war. Um 1835 nahm man die Brücke und ihr Umfeld genauer unter die Lupe. In der Folge wurden 1839/40 das Rheintor abgerissen und das Bärenfelserjoch neu gebaut.


Umbauten im 19.Jh

Der vom Einsturz bedrohte alte Pfeiler mit dem Namen des einstigen Bürgermeisters wurde durch ein neues Bärenfelserjoch ersetzt, welches massiver geschaffen war, ersetzt. Nach dem Bau dieses Pfeilers wurde das Käppelijoch auf ihn versetzt. Allerdings vermochte der Bau des neuen Pfeilers nicht die ganzen Probleme mit der alten Brücke zu lösen.

Wohl wusste man im Kleinen und Grossen Rat, dass weitere Baumassnahmen notwendig waren. Aber aus Furcht vor den Kosten wagte man kaum daran zu denken. Eine ganze Reihe von Plänen wurden zwar schon ausgearbeitet, aber keinen davon wollte man ernsthaft umsetzen. Man begnügte sich mit dem planen von Massnahmen.

Als dann zwei Hochwasser in den Jahren 1851 und 1852 die alte Rheinbrücke beinahe ins Elsass hinunterschwemmten, hatte das Zaudern ein Ende. Die Brücke wurde ab 1853 umgebaut, wobei man sie begradigte und ihre Fahrbahn breiter machte. Die Überhöhung beim Bärenfelserjoch wurde auf 140 Zentimeter gesenkt.

Die Holzpfeiler wurden mit massiven Sitzbänken aus Stein auf der Brücke beschwert. Zuvor hielt man im Werkhof stets grosse schwere Steine bereit, die man bei drohendem Hochwasser auf der Brücke verteilte. Die Steinbänke wurden nach dem Bau der neuen Brücke 1903/1905 in der Langen Erlen und im Margrethenpark aufgestellt.

steinbank

Eine jener Steinbänke welche die Holzpfeiler auf der alten Rheinbrücke beschwerten. Diese Bank steht heute im Margarthenpark. Am Gehweg unter der Kunsteisbahn durch den Park Richtung St.Margrethen erwartet sie die Spaziergänger bei einer Baumgruppe.
Man verminderte die Anzahl der Holzpfeiler und errichtete sie neu in einheitlichen Abständen. Sie wurden auch mit Verstrebungen aus Eisen verbunden. Die Brücke bekam Trottoirs mit Eisengeländer und das Käppelijoch erhielt anstelle der Christusfigur, die man nach der Reformation entfernte, in seinem Relief eine Skulptur von Bischof Heinrich von Thun.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 traf man Vorbereitungen um die Brücke im Kriegsfall zu zerstören. Zwischen zwei Pfeilern wurde je eine Kiste mit Sprengstoff platziert. Diese waren durch Zündschnüre in Röhren untereinander und mit beiden Ufern verbunden.


Ersetzt durch eine neue Brücke

Trotz der Neuerungen kam noch im selben Jahrhundert das Todesurteil für die alte Rheinbrücke. Sie hatte in ihrem hohen Alter leistungsstarke Konkurrenz bekommen, denn seit 1874 gab es weiter flussaufwärts eine Eisenbahnbrücke und seit 1879 die Wettsteinbrücke. Das Aufkommen der elektrischen Stassenbahn 1895 kündigte auch das Ende an.

Auch mit verstärkter Fahrbahn war es nicht länger zu verantworten, den immer schwerer werdenden Verkehr über die uralte Brücke rollen zu lassen. Im April 1899 fällte der Grosse Rat Basels den Beschluss, eine neue Brücke aus Stein mit einer fast 19 Meter breiten Fahrbahn zu bauen. Mit Baubeginn wurde am 27.Mai 1903 die alte Brücke gesperrt.

Am 11.November 1905 konnte Basel seine neue Rheinbrücke offiziell einweihen. Über zwei Jahre lang war der Verkehr über eine provisorische Holzbrücke wenige Meter rheinab geströmt. Die alte Rheinbrücke aus den Tagen von Bischof Heinrich von Neuenburg war nun endgültig zu einem verschwunden Teil der Geschichte geworden.




Querverweise zur Brückengeschichte:

>> Bischof Heinrich von Thun, Vater der ersten Rheinbrücke

>> Das Rheintor an der Eisengasse

>> Der Lällenkönig



Beitrag erstellt 19.03.04 / Nachgeführt 28.06.08

Quellen:

primär genutzte

Walther P. Mosimann und Ernst Graf, Die Basler Rheinbrücken, 1962, Verlag Schiffahrt und Weltverkehr AG, Seiten 13 bis 24

Werner Meyer, "Der Zusammenschluss von Gross- und Kleinbasel im Spätmittelalter" publiziert in Leben in Kleinbasel 1392 1892 1992, 1992, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-051-5, Seiten 14 bis 16

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932/71, Birkhäuser Verlag, Seiten 315 bis 336

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 170 bis 175


sekundär genutzte

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3.Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 3-85815-266-3, Seite 278 bis 282

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